„Perlagger-König“ aus Telfs im Jahre 1895

Der Originaltext im Band aus 1884
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  • Der Originaltext im Band aus 1884
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TELFS (lage). Seit den Bemühungen vom Telfer Hubert Auer ist das alt-traditionelle Kartenspiel "Perlaggen" nicht nur auf der UNESCO-Liste des immateriellen Kulturerbes, sondern macht durch die mediale Verbreitung zudem viele Menschen neugierig auf dieses Spiel - viele davon fragen: "Wo kann man das lernen?".
"Jetzt ist es in Telfs so weit", freut sich Perlagger-Promoter Auer: "Es gibt einen Kurs für totale Anfängerinnen und Anfänger aus allen Altersgruppen unter der Schirmherrschaft des Heimatbundes Hörtenberg!" Ab Montag, 20. Feber um 18 Uhr (sowie 27.2. und 6.3. 2017) wird das "Perlaggen" im Noaflhaus im Telfer Untermarkt (Saal im 3. Stock) gelehrt. Teilnahmevoraussetzungen: Das Kennen der gewöhnlichen Watterkarten, die Bereitschaft für drei Abende (18 -20 Uhr) und die Anmeldung an h.auer@telfs.com (wird wirksam, wenn sie bis 18. Feber bestätigt ist). Gelehrt wird nach einem neuen, kompakten Perlagger-Lehrplan, mit unterstützenden Lehr- und Anschauungsmitteln. Es wird von der ersten Minute an sofort aktiv gespielt!

„Perlagger-König“ aus Telfs im Jahre 1895

Der Telfer Chronist Hansjörg Hofer hat im 136 Seiten starken Band „Chronik der Schule & Gemeinde 1884 Telfs" einen Bericht vom 24. Februar 1895 ausfindig gemacht, in dem von einem "Perlaggerkönig" die Rede ist!

Die Transskription des Textes:
(mit Fußnoten, siehe Anmerkungen unten)
Ein neuer Perlaggerkönig zog am letzten
 Sonntag in das Telfser *)-Perloggerreich ein, 
nachdem er sich nach schweren Kämpfen 
vom Untergebenen siegreich zum König 
emporgeschwungen. Krone und verschiedene 
Insignien**) wurde ihm zutheil. (Das Perlogger-
Spiel mit 8 Perloggen wird hier sehr gepflegt; es
 dürften so circa 60 Perlogger hier sein.)
24. Febr. 1895
 A. Leuprecht

Anmerkungen:

*) Die erste Fußnote bezieht sich auf den Einwohnernamen. Diese fehlerhafte Verwendung des Zugehörigkeitsadjektives für Telfs (richtig ist Telfer) erklärt sich dadurch, dass der Chronist A. Leuprecht nicht einheimisch, sondern als Lehrer nach Telfs dienstzugeteilt war.

**) Der Hinweis auf „König“, Krone und Insignien und dass mit acht Perlaggen gespielt wurde, lässt mit größter Sicherheit darauf schließen, dass dieser Sieg in Imst errungen wurde.
Aufschluss gibt diesbezüglich ein Blick in die Imster Perlagger-Chronik, welche Hinweise auf die lange Vergangenheit der dortigen Gemeinschaft der Perlaggspieler gibt, u.A. dass dort seit mindestens 1870 regelmäßig gespielt wurde. 
Der derzeitige Chronist, Herr Berhard Moll, hat seine Nachforschungen auf Zeitungsberichte und Chronikeinträge des Gesangsvereines, Feuerwehr, Fasnacht, etc. ausgedehnt, und er fand den Nachweis, dass der Titel „Perlaggerkönig“ für den Turniersieger zurückgeht auf das Jahr 1881. Der Sieger damals hieß Dönig. Bei der Siegerehrung sorgte ein spontaner Zwischenrufer aus dem Publikum für Heiterkeit. Er rief laut: „Es lebe Sebastian Dönig - der Perlagger-König!“.
Bald darauf wurden die abgebildeten Königsinsignien angefertigt (Krone, Szepter und Mantel) und der gekrönte Perlaggerkönig folgte hoch zu Ross dem großen Maskenzug der Imster Fasnacht.
Die Einkleidung und der Titel sind in Imst für den Sieger seither Tradition. Das Wettspiel heißt dort bis zum heutigen Tag „Perlaggerball“, obwohl es mit einem Ball nichts mehr gemeinsam hat. Das Turnier findet jetzt immer am ersten Wochenende in der Fastenzeit statt.

Die Auflistung der Namen der „Perlaggerkönige“ ist leider lückenhaft. 1892 war der Gerichtsrat v. Trentinaglia siegreich und 1893 ein Herr Maier (von Beruf Rasierer). Dann fehlen bis 1929 die Namen der „Könige“, somit leider auch jener aus dem Telfer Chronikeintrag von 1895. 


Im Büchlein von Hermann Schwaighofer 1924 lesen wir zur Geschichte, dass im Jahre 1890 (also schon fast fünf Jahre früher), am 19. April im Gasthof Grauer Bär in Innsbruck ein großer Perlagger-Kongress stattfand, mit dem Ziel allgemein gültige Regeln festzuzlegen. 
Zahlreiche Delegierte aus dem Ober- und Unterinntal (Imst, Ried, Kufstein, Brixlegg usw), aus dem Süden des Landes, ja selbst aus Wien waren Freunde des Spieles zusammengekommen. Am nächsten Tag fand ein Preisperlaggen mit 338 Teilnehmern statt. Auch aus Telfs und Rietz sind hiefür Teilnehmer vermerkt. 
Allerdings hat sich die Reform nicht in allen Tiroler Orten und Tälern durchgesetzt. Auch nicht in Imst wo, von der Innsbrucker Regel von 1890 abweichend, bis heute mit acht Perlaggen gespielt wird.

Acht Perlaggen waren dem Chronisten von Telfs eine spezielle Erwähnung wert, nicht aber der Name des Siegers. Interessant weiters, dass Chronist A. Leuprecht in Telfs ca. 60 aktive „Perlogger“ erwähnt.

Heute findet man noch einzelne Zeitzeugen, die berichten, dass sie in den Fünfziger- und Sechzigerjahren einigen alten Perlaggspielern beim „Rösslwirt“, beim „Löwen“ und in der „Post“ zugeschaut hätten.

(von Hubert Auer)

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