Forschungsstation
Auf den Spuren des Klimawandels in den Alpen

Matthias Loretto, Biologe an der TU München und im Nationalpark Berchtesgaden vor der Forschungsstation.
  • Matthias Loretto, Biologe an der TU München und im Nationalpark Berchtesgaden vor der Forschungsstation.
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Der Klimawandel wird die Alpenregion stark verändern. Forscher der TU München gehen der Sache auf den Grund.

Macht die Regierung genug für den Klimaschutz?

BERCHTESGADEN/ECK. Über dem herbstlichen Wald im Berchtesgadener Land sind zu dieser Jahreszeit bereits die verschneiten Gipfel zu sehen. In dieser naturbelassenen Landschaft, an der Grenze zum Salzburger Tennengau, sind die Forscher der Technischen Universität München ganz in ihrem Element. "Die Forschungsstation Friedrich N. Schwarz ist für Seminare und Feldforschung angelegt. Beispielsweise können die Folgen des Klimawandels in den Alpen hier von den Studenten praxisnah beobachtet werden", erklärt Matthias Loretto, Biologe an der TU München und im Nationalpark Berchtesgaden. Der gebürtige Grazer weist auch Auslandserfahrung im Yellowstone Nationalpark (USA) auf. Was die Forscher wie Loretto und Studenten hier an Ergebnissen zu Tage fördern, ist für den ganzen Alpenraum von Bedeutung. Die Forschung findet in enger Kooperation mit dem Nationalpark Berchtesgaden statt.

Nachhaltig und autark

Forschung und Seminare finden in einem eindrucksvollen Holzbaugebäude am Rossfeld in Berchtesgaden statt. "Das Gebäude ist vollkommen autark", erklärt Maria Resch, Leiterin der Friedrich N. Schwarz Forschungsstation. Trinkwasser wird aus Regenwasser gewonnen, der Strom kommt über die Photovoltaikanlage ins Haus, das Gebäude selbst besteht aus regionalen Fichten. 40 Studenten haben hier Platz und nehmen an mehrtägigen Kursen teil. Wichtigste Aufgabe der Teilnehmer ist die praxisnahe Erforschung der Alpenregion. In enger Kooperation mit dem Nationalpark Berchtesgaden befassen sich Forscher wie Matthias Loretto mit der Zukunft vieler Arten in einer vom Klima veränderten Welt.

Die Politik ist gefragt

Ein Beispiel liefert die in den Alpen heimische Gämse. "Ab etwa 15 Grad fühlen sich Gämsen nicht mehr wohl, auch das Rotwild wandert immer weiter Richtung Gipfel. Wir erforschen wie Gämsen mit der zunehmenden klimatischen Veränderung umgehen", erklärt Loretto. Murmeltiere könnten zu den „Verlierern“ der Entwicklung zählen, denn wenn es zu heiß ist, ziehen sich die Tiere laut Matthias Loretto in den Bau zurück. So könne die Zeit zu kurz werden, in der die Murmeltiere den dringend nötigen Winterspeck anfressen können. In einem ersten Forschungsprojekt stehen Gams und Rotwild im Fokus. Reaktionen auf den Klimawandel, Störungen durch Menschen und Wildtiermanagement sind hierbei wichtige Themen im Nationalpark.

Hierfür werden über die nächsten Jahre einige der Tiere mit GPS-Halsbändern ausgestattet, die am Ende der Studie wieder per Fernauslöser zum Abfallen gebracht werden. Dass der Klimawandel die Region verändern wird und bereits verändert hat, steht für Loretto ohne Zweifel fest. "Eine höhere Durchschnittstemperatur heißt nicht unbedingt Hitze, sondern dass Extreme wie Hagel, Überschwemmung und Trockenheit zunehmen werden.“

"Point of no return"

In diesem Sinne verändere sich das Klima über die vergangenen Jahre, weiß Loretto. „ Man muss im Grunde nur mit älteren Menschen reden. Oft hört man dann: Früher war es kälter.“ Tief- und Hochdruckgebiete laufen laut Loretto Gefahr länger „ hängen zu bleiben“. Bedeutet: Tiefdruckgebiete können zu Überschwemmungen führen, Hochdruckgebiete in Trockenheit. Dazu komme, dass es einen „ Point of no return“ geben kann. „ Es gibt zahlreiche Kipppunkte. Wenn diese erreicht sind, können gewisse Folgen nicht mehr rückgängig gemacht werden.“ Ein Beispiel sei das Abschmelzen der Gletscher, aber auch das Auftauen der Permafrostböden in Sibirien.

Jeder einzelne könne etwas tun, aber gefragt sei vor allem die Politik. "Anreize zum Umstieg sind etwa Förderungen um Ölheizungen auszutauschen. Ein Haushalt kann nicht so vorbildlich leben wie auf der Klimastation, aber wenn die Politik reagiert kann viel erreicht werden.“

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