18.10.2014, 22:10 Uhr

Neubeginn nach dem Hochwasser: Altarweihe und Erntedankfest in Goldwörth

(Foto: Pfeffer)
GOLDWÖRTH. Erntedank und Altarweihe in einem Fest – an keinem Ort passt das so zusammen wie in Goldwörth. Das betonte auch Pfarrer Josef Pesendorfer am Beginn der Festmesse am 12. Oktober. Im Vorjahr gab es nur eine unvollständige Erntekrone, weil die Erinnerung an das Hochwasser mit seinen Schäden noch so nahe und vor allem so spürbar war. Heuer war es eine volle Erntekrone. Und das Fest konnte in der im Inneren völlig neu gestalteten Kirche gefeiert werden.

Der Goldwörther Altar steht auf vielen Beinen: nicht parallel und gerade, sondern schief und durcheinander, und einer lehnt sich bisweilen an den anderen an – und trotzdem tragen sie den Altar. Sie sind wie die Gemeinde selbst. Entworfen wurde der Altar vom Künstler Roman Pfeffer, der mit seiner Familie das Fest mitfeierte. Es war der erste große Kirchenauftrag, den der in Wien lebende und aus Vöcklabruck stammende Künstler erhalten hat – und er zeigte sich vor allem über die Zusammenarbeit mit den Pfarrverantwortlichen sehr angetan.

Der Umfang der Kirche als zeichenhaftes Gemeinsames
Der Entwurf von Roman Pfeffer zur Altarraumgestaltung trägt den Titel „64,9 m“. Der Künstler bezieht sich dabei auf den Grundriss der Kirche, der 64,9 m umfasst. Er überträgt diese Zahl auf die Länge der Stützen – den Unterbau – der liturgischen Orte. Einzelne Stäbe mit einem Durchmesser von 3 cm bilden in unterschiedlicher Ausrichtung einen gemeinsamen Block und tragen eine Platte. „Der Umfang der Kirche wird durch die Stützen visuell in den Altarraum transferiert, für ein zeichenhaftes Gemeinsames“, so der Künstler.

Material als Bedeutungsträger
Die Objekte sind in Mooreiche gefertigt und schaffen in Farbigkeit und Oberflächenstruktur Bezüge zur bestehenden Ausstattung. Die Tatsache, dass es sich bei dem für die liturgischen Orte, die Bänke, dem Behälter für die Heiligen Öle und den Osterkerzenständer gewählten Material um Eichenstämme handelt, die über Jahrhunderte oder Jahrtausende in Mooren und Sümpfen gelagert waren und durch diese spezielle „Lagerung“ ihre Oberflächenstruktur und Farbigkeit erhalten haben, eröffnet in der vom Hochwasser im Jahr 2013 schwer in Mitleidenschaft gezogenen Gemeinde Goldwörth einen speziellen Aspekt von Material als Bedeutungsträger.

Neuanfang im Vertrauen, dass es gut wird
„Es wird gut werden, weil Gott mit uns ist. In dieser Zuversicht dürfen die Menschen in der Pfarre Goldwörth leben. Der neue Altar in der Pfarrkirche Goldwörth ist Ausdruck dafür.“ So formulierte es Propst Johann Holzinger in seiner Predigt. Propst Holzinger sprach von einer großen Vision: Gott lädt zu seinem Fest. Diese Vision sollen alle spüren, die in dieser Kirche zum Gebet und zur Feier zusammenkommen. Es gibt nicht nur das Untergehen, das Davonschwimmen, wie es beim Hochwasser erlebt wurde, es gibt auch den neuen Anfang, sogar ein Besserwerden.

Pfarrer Josef Pesendorfer brachte am Ende des Festgottesdienstes seine Dankbarkeit zum Ausdruck. Besonders nannte er Helmut Außerwöger, der sich jahrzehntelang um so vieles in der Pfarre gekümmert hat, und unter dessen Leitung Kirchenplatz und Pfarrzentrum entstanden sind. Und er dankte den jetzt Verantwortlichen, besonders Seelsorgeteamleiterin und Pfarrgemeinderatsobfrau Sandra Bötscher und August Gumplmayr als Pfarrkirchenratsobmann, die diesmal die Baubelange organisiert haben. Auch Bürgermeister Johann Müllner dankte dem Pfarrer und der Pfarre. Mit der Kirchengestaltung hätte nun der Ort eine vollständige Mitte.

„In dieser Kirche wurde im wahrsten Sinne des Wortes ein neuer Boden gelegt“, meinte Wirtschafts-Landesrat Michael Strugl: „Die Bevölkerung hat sich entschieden, nicht nur etwas wieder aufzubauen, sondern etwas Neues zu schaffen“, brachte er seine Anerkennung zum Ausdruck.

Neugestaltung in nicht einmal einem Jahr realisiert
Unter den Festgästen waren auch die Leiterin des Kunstreferates der Diözese Linz Martina Gelsinger, der Leiter des Baureferats der Diözese Linz Wolfgang Schaffer sowie Hermann Mader als Bauleiter. Sie alle sehen im guten Miteinander in der Pfarre den Grund dafür, dass das Projekt Kirchengestaltung in Goldwörth so gut über die Bühne gehen konnte. Nicht einmal ein Jahr ist es her, dass die Entscheidung für die Neugestaltung fiel. Am 31. Jänner 2014 fiel die Entscheidung, welches künstlerische Projekt verwirklicht werden soll. 19 Firmen waren am Projekt beteiligt, und pünktlich zum Erntedankfest war alles fertig. „Das geht nur mit guten Firmen“, meinte Sandra Bötscher.

Nach der Weihefeier luden Ortsbauernschaft, Goldhaubenfrauen und die Musikkapelle zum Fest am Kirchenplatz. Dabei wurden auch die 65 Bausteine ausgegeben, mit denen GoldwörtherInnen den Bau unterstützt haben. Und die Goldhaubenfrauen legten mit einem Scheck von 3000 Euro noch einen kräftigen Betrag dazu.
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