Menschenrechte - Rechte für alle Menschen?
Gelten Menschenrechte bei uns auch für Asylwerber?

Einsame Flucht eines jungen Mannes aus Afghanistan vor den Taliban und dem Islam.
Seine Familie – Eltern und Geschwister – vor seinen Augen durch einen Raketenangriff getötet. Schreckliche Erlebnisse auf der Flucht: Verfolgung, Inhaftierung von Begleitern, Verstecken im Schnee, Frieren, Angst, Berge überwinden, Hunger, Durst, Demütigungen, respektlose Beschimpfungen ……….und doch Hoffnung auf ein besseres Leben in Frieden und Freiheit!

„Einmal in den Schuhen des anderen gehen“(indianische Weisheit) – wer von uns kann bzw.
will sich das angesichts solcher furchtbarer Erfahrungen vorstellen?
Wir, eine Gruppe von Menschen in Villach, können es und tun es auch. Deshalb haben wir einige Flüchtlinge aus Afghanistan und dem Iran herzlich aufgenommen. Sie erleben unsere Gemeinschaft als Familienersatz, besuchen Gebetskreise, lesen die Bibel, gehen zur Kirche,
sind dort willkommen und werden verstanden. Wir unterstützen sie bei Behördenwegen,
im Krankheitsfall, lernen mit ihnen Deutsch, sind einfach für sie da.

Sie nehmen es dankbar an, sind höflich, zuvorkommend, hilfsbereit, bauen Vertrauen auf, erleben nach langer, angstvoller und entbehrungsreicher Zeit wieder etwas an Stabilität, Sicherheit, Freiheit, weniger Angst, Hoffnung auf ein friedliches Leben…..

Und dann – entgegen aller Hoffnungen - die Fortsetzung des Schreckens: 1 ½ Jahre nach der Ankunft in Österreich Interview vor dem BFA (Bundesamt für Fremdenwesen und Asyl).
Damit setzt die Angst wieder massiv ein, und wieder sechs Monate später – trotz großer Bemühungen zur Integration - die große Enttäuschung: negativer Asyl-Bescheid!

Der Beamte glaubt dem Afghanen nicht, dass er in der Zwischenzeit praktizierender Christ geworden, und auch nicht, dass seine Familie getötet worden ist. Er schenkt seiner traurigen Lebensgeschichte keinen Glauben. Obwohl der junge Mann, der in seiner Heimat nie eine Schule besucht hat, mehrmals beteuert, dass er die Wahrheit sagt und dass er Angst hat, wieder nach Afghanistan zu gehen, weil er Christ ist, weil er keine Familie mehr hat, die ihn schützen kann, weil die Taliban wahllos auch Zivilisten ermorden, man ihn aus religiösen Gründen verfolgen würde….

Der Pastor der Kirchengemeinde, der als Zeuge aussagen darf, erreicht nichts,
obwohl er den Asylwerber seit 2 ½ Jahren sehr gut kennt und nur das Beste
von ihm berichten kann! Warum wird der Zeugenaussage eines Pastors nicht geglaubt?
Auch viele Mitglieder der Glaubensgemeinschaft geben schriftlich positives Zeugnis ab.

Ein Jahr später – nach einem Einspruch – dann das nächste Interview,diesmal beim BVwG (Bundesverwaltungsgericht). Der Asylwerber, der in seiner Heimat keine Schule besucht hat und nicht sehr überzeugend auf alle schwierigen Fragen antworten kann, kann nicht mit Eloquenz und sicherem Auftreten punkten – wie Menschen, die eine höhere Bildung erwerben durften.
Er versucht es mit Ehrlichkeit – leider vergeblich. Der junge Mann kann Inhalte der Religion nur vage beschreiben, kennt sich bei christlichen Bräuchen noch nicht wirklich gut aus, liefert dem Richter zu wenige Fakten. Auf seine Einfachheit im Denken und im sprachlichen Ausdruck wird keine Rücksicht genommen. Im Gegenteil! Nach mehreren – für den Richter anscheinend unbefriedigenden Antworten des Asylwerbers – bekommt der eingeschüchterte Asylant zu hören: „Aber dass der Mond auf- und untergeht, das wissen Sie schon?
Ist eine solche Demütigung eines Richters würdig?

Monate später folgt der zweite negative Bescheid! Wieder das gleiche Scenario, man glaubt dem jungen Mann trotz Zeugenaussagen nicht.
Totale Verzweiflung bei dem Asylwerber – verständlicherweise! Fluchtgedanken tauchen auf. Wieder in ein neues Land flüchten? Wieder in Verzweiflung und Angst leben – oft auf der Straße? Wieder eine neue Sprache lernen, um sich verständigen zu können?
Oder ist es die bessere Wahl, nach Afghanistan abgeschoben zu werden, dort als Christ untertauchen zu müssen, als Tagelöhner zu leben und dort „eventuell“ zu sterben – wie seine Eltern und seine beiden Schwestern?

„Zivilisten sind nicht Ziele der Taliban“ – das liest sich so schön in den Medien! Aber viele Zivilisten werden trotzdem bei Angriffen der regierungsfeindlichen Truppen getötet oder schwer verletzt.
Das muss man dann halt in Kauf nehmen, weil man zufällig in der Nähe ist!?

Persönliche Angst vor dem Tod zählt nicht (Verwaltungsgerichtshof 9.5.1996/Zl95/20/0380):
„Es kommt nicht darauf an, ob sich eine bestimmte Person in einer konkreten Situation tatsächlich fürchtet, sondern ob sich eine mit Vernunft begabte Person in dieser Situation aus Konventionsgründen fürchten würde.“

Wo bleibt die Menschlichkeit in diesem einen und in vielen anderen Fällen?
Wo bleibt die Gerechtigkeit, wenn friedlich und christlich lebende Menschen aus Österreich abgeschoben werden und Asylanten, die mehrfach straffällig werden,
sogar morden, Österreich nicht sofort verlassen müssen?
Wo bleibt unser Gewissen, wenn wir einerseits Arbeitskräfte aus Niedriglohnländern ausnützen, ihnen Hungerlöhne bezahlen, damit wir weiterhin im Wohlstand leben
können – auf der anderen Seite aber Menschen aus diesen Ländern,
denen es schlecht geht, denen man nach ihrem Leben trachtet, nicht bei uns aufnehmen wollen?

Der bekannte Historiker und Journalist, Dr. Hugo Portisch, hat in einem Interview eindrucksvoll davon berichtet, wie offen und hilfsbereit die österreichische Bevölkerung nach dem
2. Weltkrieg im Jahre 1956 gewesen ist. Als nach dem Ungarn-Aufstand zwischen 180 000 und
200 000 Flüchtlinge aus Ungarn nach Österreich strömten, wurden alle wohlwollend aufgenommen und versorgt – trotz der Armut, die damals unter der österreichischen Bevölkerung nach dem Krieg herrschte.

Und heute – da es uns allen so gut geht? Politische und mediale Hetze führen zu Verunsicherung und Angstverbreitung unter den Österreicherinnen und Österreichern. Vor allem diejenigen unserer Landsleute, die keinen Asylanten kennen, nie mit Asylwerbern gesprochen haben, sich für ihr Schicksal nicht interessieren, haben kein Verständnis für ihre Nöte und sind voller Vorurteile. Die Befürchtung, die Flüchtlinge würden unseren Wohlstand schmälern, wird geschickt verbreitet.Feindseliger, egoistischer, falsch verstandener Nationalismus ersteht in allen Ländern Europas wieder auf.

Wie können wir uns dagegen wehren?
Werden wir noch gehört?
Gelten die Menschenrechte doch nicht für alle Menschen?

Christa und Manfred Fleischhacker

Autor:

christa fleischhacker aus Villach

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