Wackelkandidaten im Duell: Diskussion im Regionalwahlkreis

Andreas Ottenschläger (l.) und Josef Cap trafen sich zu einer recht freundschaftlichen Auseinandersetzung.
  • Andreas Ottenschläger (l.) und Josef Cap trafen sich zu einer recht freundschaftlichen Auseinandersetzung.
  • Foto: Jagsch
  • hochgeladen von Anja Gaugl

WÄHRING. Der eine findet sich nach 34 Jahren im Parlament auf einmal ohne sicheren Listenplatz wieder, der andere nach vier: Josef Cap (SPÖ) muss als Zweitgereihter hinter Nurten Yilmaz in seinem Wahlkreis, der Ottakring, Hernals, Währing und Döbling umfasst, um Vorzugsstimmen kämpfen. 14 Prozent der SPÖ-Wähler müssen ihm persönlich ihre Stimme geben, dann nimmt er Yilmaz das Mandat ab. Das klingt nach viel, aber: Bei der Nationalratswahl 2013 hat er in seinem Wahlkreis beinahe zehn Prozent eingefahren. Und seinen Einzug ins Parlament 1983 hat er schließlich auch über Vorzugsstimmen geschafft.

Andreas Ottenschläger, Verkehrssprecher der ÖVP, ist zwar Listenerster im Regionalwahlkreis, aber: Nur wenn die ÖVP über 20 Prozent der Stimmen bekommt, ist er mit dem Grundmandat im Parlament. Im Jahr 2013 wurde das knapp verfehlt.

Rot-schwarzer Paarlauf

Die Ausgangslage der beiden ist also ähnlich. Und auch sonst haben sie, wie sich bei einer Diskussion im Café Himmelblau am Kutschkermarkt zeigt, einiges gemeinsam: Sie sind beide ehemalige Schüler des Piaristengymnasiums, wobei Ottenschläger aus ideologischen Gründen ein Verfechter dieser Schulform, aber auch Cap "im Herzen Gymnasiast" ist, der sein Altgriechisch im Urlaub nach wie vor gut gebrauchen kann. Sie beide waren Ministranten. Der Sozialdemokrat Cap beschwört auch die "christlich-jüdische Kulturtradition", in der man nun einmal stehe, bei aller Offenheit gegenüber anderen Religionen. Einig sind sie sich auch darüber, dass Fluchtursachen vor Ort bekämpft werden müssen und dass der Zuzug beschränkt werden soll. "Wir müssen schauen, dass wir uns nicht überfordern", sagt Ottenschläger – und Cap stimmt ihm zu.

Sprache sehen beide als Schlüssel zur Integration. In Richtung der Kinder, die zu Hause nur ihre "sogenannte Muttersprache" sprechen, bevor sie in den Kindergarten kommen, ruft Cap nachdrücklich: "Deutsch, Deutsch, Deutsch, Deutsch." Auch was den Verkehr betrifft, herrscht ein gewisser Grundkonsens: Beide benützen privat unterschiedliche Verkehrsmittel. Auto, Rad und Öffis werden gemischt. Hier merkt man erste Differenzen: So auf die Füße getreten wie die ÖVP-Klientel fühlt sich der Autofahrer Cap durch die rot-grüne Verkehrspolitik nicht. Auch wenn er – wie er betont – durch Glück einen Parkplatz gefunden hätte und nicht, wie man vermuten könnte, aufgrund des Parkpickerls.

Streitpunkt Mindestsicherung

Auch bei der Mindestsicherung gibt es Dissonanzen: "Jene, die in unser System nichts eingezahlt haben, sollen nicht so viel bekommen wie jene, die seit Jahrzehnten zahlen", sagt Ottenschläger. Cap hingegen fürchtet die sozialen Konsequenzen, wenn jemand zu wenig Geld bekommt, um zu überleben. Er hat auch Sicherheitsbedenken, weil dann womöglich die Kriminalität ansteigen könnte. Und so gibt es auch beim harmonischen Buhlen um Vorzugsstimmen einige wenige Meinungsverschiedenheiten.

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