Doch Aus für "Stadtteile ohne Partnergewalt"
Erfolgsprojekt StoP Wels "verhungert" an Bürokratie
- StoP Wels erfreute sich großem Erfolg und breiter politischer Anerkennung – trotzdem scheitert man nun bei der Rettung des Präventionsprojektes.
- Foto: StoP Wels
- hochgeladen von Philipp Paul Braun
Das erfolgreiche Präventionsprojekt "Stadtteile gegen Partnergewalt" (StoP) wird in Wels doch eingestellt – und das trotz Fördermitteln und Rückhalt aus der Politik und als einziges von mehr als 40 in ganz Österreich. Ausgerechnet der Dachverband der autonomen österreichischen Frauenhäuser (AÖF) soll die Fortführung von "StoP " verhindern.
WELS. Der Bedarf an Initiativen gegen Gewalt an Frauen ist auch in der Region derzeit so offensichtlich wie selten zuvor. Anfang des Jahres erschütterte ein Femizid die Messestadt. Ende Juni verblutete eine Frau nach einem mutmaßlichen sexuellen Missbrauch in Marchtrenk. Umso größer ist die Empörung über das Aus des Gewaltpräventionsprojekts StoP – Stadtteile ohne Partnergewalt. „Die Wichtigkeit solcher Projekte ist absolut gegeben“, betont die Welser Sozialreferentin Christa Raggl-Mühlberger (FPÖ). „Gerade in diesen Zeiten braucht es Menschen, die wachrütteln und den Mut haben, Gewalt und ihre Ursachen offen anzusprechen.“
Rettungsversuch gescheitert
Über die Bedeutung des Projekts herrscht in Wels parteiübergreifend Einigkeit. Dennoch wurde StoP eingestellt. Wie der Verein Autonome Österreichische Frauenhäuser (AÖF), der die Bundesmittel an die regionalen Standorte verteilt, auf Anfrage erklärt, sei dem Welser Standort im Mai 2026 mitgeteilt worden, dass das Frauenhaus Wels „aus organisatorischen und kapazitären Gründen“ nicht mehr als Träger zur Verfügung stehe.
„Da bis zum vorgesehenen Projektbeginn von StoP 5.0 im Juni 2026 weder eine neue Trägerorganisation zur Verfügung stand noch ein eigenständiger Verein gegründet wurde, lagen die organisatorischen Voraussetzungen für eine Fortführung nicht vor“
, heißt es seitens des AÖF. Für Unverständnis sorgt dabei vor allem eines: Wie das Frauen- und Sozialministerium gegenüber MeinBezirk bestätigte, sind die erforderlichen Bundesmittel für eine Weiterführung des Projekts bewilligt. Gescheitert sei die Fortsetzung ausschließlich an der fehlenden Trägerorganisation. Raggl-Mühlberger betont, dass Vertreter von FPÖ und Grünen jedoch bereit gewesen wären, kurzfristig einen eigenen Trägerverein zu gründen und das dem AÖF auch klar kommuniziert haben:
„Binnen zwei Tagen hätten wir das zustande gebracht.“
- Viele Aktionen wurden von StoP Wels initiiert und durchgeführt – der Wert für die Bevölkerung liegt für FPÖ und Grüne auf der Hand.
- Foto: StoP Wels
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"Es hinterlässt mich ratlos"
Doch trotz mehrerer Anläufe habe es mit dem Frauenhaus-Dachverband keine Einigung gegeben. Die Anfrage von MeinBezirk, warum dieses Angebot nicht angenommen wurde, ließ der AÖF unbeantwortet. Scharfe Kritik kommt auch von den Welser Grünen. „Auf welche Art das Projekt abgewürgt wurde, ohne auf die zahlreichen Rettungsvorschläge der Mitarbeiterinnen, der Zivilgesellschaft und der Stadt Wels einzugehen, hinterlässt einen wirklich ratlos“, sagt Gemeinderat Thomas Rammerstorfer (Grüne). Vorliegende E-Mails zeigen, dass Rammerstorfer seit April wiederholt versucht hatte, beim AÖF Informationen über die Voraussetzungen für die Gründung eines Trägervereins einzuholen. Die notwendige Planungssicherheit habe es jedoch nicht gegeben. „Wir haben uns seit April bemüht – leider vergebens. Es ist irre und einfach sehr schade“, so der Grünen-Politiker.
Nur Wels – "Ist das wirklich deren Ernst"
Besonders bitter: Wels ist österreichweit der einzige StoP-Standort, der eingestellt wurde. An mehr als 40 Standorten wird das Projekt weitergeführt. Entsprechend groß ist auch das Unverständnis im Umland. „Ist das wirklich deren Ernst?“, fragt Ralph Schallmeiner, grüner Nationalrat aus Thalheim.
- StoP Wels erfreute sich großem Erfolg und breiter politischer Anerkennung – trotzdem scheitert man nun bei der Rettung des Präventionsprojektes.
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