Hohe Birga: Fotos und Zeitzeugen gesucht

Archäologische Ausgrabungsarbeiten in den 1940er und 1950er Jahren. Vielleicht erkennt sich ein damals jugendlicher Mitarbeiter?
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  • Foto: Uni Innsbruck
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In den Jahren 1938 und 1949–1956 wurde auf der „Hohen Birga“ bei Birgitz eine Siedlung aus der Eisenzeit freigelegt. Teile der jahrzehntelang verschollenen Grabungsdokumentation konnten kürzlich wiederentdeckt und ihre Auswertung gemeinsam mit Studierenden der Universität Innsbruck begonnen werden.
1938 hatte der an der Universität Wien als Professor tätige Prähistoriker Oswald Menghin (1888–1973) auf der „Hohen Briga“, einem bewaldeten Hügel nordwestlich von Birgitz, archäologische Ausgrabungen begonnen. Da Menghin im Frühjahr für wenige Monate Unterrichtsminister im sogenannten Anschlusskabinett war, verließ er nach dem Ende des Krieges Österreich und floh 1948 nach Argentinien. Erst in den Jahren von 1949 bis1956 konnten durch seinen Sohn, Osmund Menghin (1920–1989), die Arbeiten in Birgitz fortgesetzt und dabei ein halbes Dutzend Gebäude aus der jüngeren Eisenzeit freigelegt werden.
Das umfangreiche Fundmaterial wie keramische Gefäße, aber auch Schmuck und Werkzeuge aus Metall sowie Objekte aus Glas und Bein wurden in den 1980er Jahren bearbeitet, die Untersuchungen zu den Gebäuden blieben jedoch unpubliziert, da große Teile der Grabungsdokumentation verschollen waren.

Grabungsdokumentation der Altgrabungen aufgespürt

Nach jahrelanger Suche konnten kürzlich umfangreiche Teile der alten Grabungsdokumentation aufgespürt werden. „Neben den originalen Grabungstagebüchern von Oswald Menghin aus dem Sommer 1938 mit zahlreichen Notizen und Skizzen, kamen auch bislang unbearbeitete Grabungspläne dieser Kampagne zutage. Zudem umfasste der Bestand mehrere hundert Fotos, Negative und Fotoplatten auch der Grabungen seines Sohnes Osmund“, berichtet Projektleiter Assoz. Prof. Mag. Dr. Florian Müller vom Institut für Archäologien der Universität Innsbruck. Unter seiner Leitung waren 2009 die archäologischen Grabungen auf der „Hohen Birga“ wieder aufgenommen und zwei Gebäude vollständig freigelegt worden. In Zusammenarbeit mit dem Verein Archäotop Hohe Birga und der Gemeinde Birgitz konnten diese mittlerweile vollständig konserviert, teilweise rekonstruiert und mit Schutzbauten versehen als archäologischer Park Interessierten zugänglich gemacht werden.

Projektteam an der Arbeit

Die wiedergefundenen Unterlagen der Altgrabungen, die gemeinsam mit einer Gruppe Studierender im Rahmen forschungsgeleitete Lehre aufgearbeitet werden, geben nun wertvolle Einblicke in die früheren Forschungen. Während Viktoria Lanz und Wolfgang Wanek die Transkription der Tagebücher übernahmen, versuchten Lisa Niederwieser und Daniel Haumer Ordnung in die umfangreichen Bestände von Fotos zu bringen und die darauf abgebildeten Grabungsbefunde zu identifizieren. Bianca Zerobin widmete sich derweil der Digitalisierung und Interpretation der alten Pläne und Grabungszeichnungen.

Weitere Bestände

... insbesondere Briefe und Akten fanden sich in den Archiven des Bundesdenkmalamtes in Wien und Innsbruck, dem Archiv der Österreichischen Akademie der Wissenschaften, dem Universitätsarchiv Innsbruck sowie dem Ferdinandeum. Da die Grabungen nie wissenschaftlich aufgearbeitet und publiziert worden waren, sind auch insbesondere Zeitungsmeldungen eine wichtige Quelle, die ebenfalls für die betreffenden Zeiträume gesichtet wurden. Gerade für zukünftige Archäologinnen und Archäologen stellt die Auseinandersetzung mit ungeordneten und z.T. stark lückenhaften Unterlagen von Altgrabungen eine große Herausforderung dar, die von den an diesem Projekt beteiligten Studierenden mit großem Engagement und Einsatzbereitschaft gemeistert wurde.

Fotos und Zeitzeugen gesucht

Die Arbeiten zu den Archivalien sind noch nicht abgeschlossen, für die Zukunft ist beispielsweise noch geplant, Zeitzeugen der Grabungen, an denen laut der Fotos auch viele Kinder und Jugendlich als Arbeiter beteiligt gewesen waren, zu finden, aber auch weitere private Fotos von der Ausgrabungsstätte zu sammeln und zu digitalisieren.
Für den Sommer 2018 ist zudem vorgesehen, die archäologischen Arbeiten im Gelände wieder aufzunehmen um gezielt die Angaben der Altgrabungen zu überprüfen. Die vor Jahrzehnten freigelegten und mittlerweile wieder verschütteten Gebäude sollen anhand der zahlreichen Fotos und Pläne genau lokalisiert und somit in einem Gesamtplan des Hügels verortet werden. „Dadurch soll die Dokumentation der Altgrabungen auch für moderne Forschungen wieder nutzbar gemacht werden, da nun auch bislang unerforschte Bereiche genau identifiziert und in der Zukunft untersucht werden können“ merkte Florian Müller an.

Aufruf

Gesucht werden Fotos von der „Hohen Birga“ – egal aus welcher Zeit. Wer über solche verfügt bzw. auch Personen, die selbst noch an den Grabungen beteiligt waren und darüber berichten möchten, kann sich ab sofort melden: assoz.-Prof. Dr. Florian Müller, Tel. 0676/7399340, Email: Florian.M.Mueller@uibk.ac.at.

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