6. Februar 2017: "Polizei TV", die Sicht der Exekutive und das Problem der Objektivität

WIEN. Der Akademikerball ist vorbei und die Wiener Polizei wartet mit einem neuen Format auf: Der als "Polizei TV" vorgestellte Youtube-Kanal soll die "Sicht der Exekutive" zeigen – nicht nur bei Großeinsätzen wie am vergangenen Freitag, sondern, wie das erste Video bereits zeigt, auch bei alltäglichen Einsatzgeschichten. In 1:54 Minuten erklärt uns dort die Polizei ihren Einsatz bei der Gasexplosion in Hernals – durchwegs im Stil eines klassischen TV-Beitrags. Mehr als 6.000 mal wurde das Video bereits angesehen.

Am Wochenende wurde schließlich das angekündigte Video mit dem trockenen Namen "Polizeieinsatz rund um den Akademikerball 2017" hochgeladen. Dramatische Musik zu Beginn, Interviews mit verschiedenen Schlüsselpersonen und knackige Bilder von Polizisten in vollem Riot-Gear kennzeichnen das sieben Minuten lange Video. Potentiell erkennbare Demonstranten hat man immerhin verpixelt. Der Beitrag wurde mittlerweile mehr als 30.000 Mal aufgerufen.

Warum versucht sich die Polizei in klassischer journalistischer Berichterstattung? Durch Social Media Plattformen wie Facebook kann sich die Exekutive den Umweg über die traditionellen Medienkanäle ersparen. Die FPÖ und Heinz-Christian Strache haben schon vor Jahren erkannt, wie sie ihre Anhänger effektiv ansprechen können. Einerseits erreicht Strache mehr als 300.000 Menschen direkt über Facebook, andererseits hat sich mit FPÖ-TV auf Youtube ein parteieigenes TV-Format entwickelt, das klassische Berichterstattung im Stil traditioneller Medien betreibt. Das Problem? Die Information fließt vom Absender zum Empfänger, ohne jegliche Filter zu passieren. Der kritische Blick auf die Inhalte entfällt. In letzter Konsequenz könnte FPÖ-TV, aber auch Polizei-TV, eine eigene Wahrheitsblase mit "alternativen Fakten" aufbauen.

Aus der Sicht der Partei ist der direkte Weg zum Wähler durchaus nachvollziehbar. Man erspart sich kritische Berichte und ist nicht einer externen Auswahl der Themen unterworfen. Auch die Polizei darf Werbung machen, doch ihre Aufgabe ist im Kern eine vollkommen andere. Als eine der drei Staatsgewalten hat die Exekutive ausschließlich dafür zu sorgen, die Ausführung der Gesetze zu überwachen und die Sicherheit und Ordnung zu gewährleisten. Journalistische Arbeit im Sinne eigener Videobeiträge fällt nicht unter die Agenden der Polizei. Einen Youtube-Kanal als "TV" zu verkaufen wird problematisch. Gerade bei Großeinsätzen wie der Akademikerballdemo sollte es weiterhin klare Abgrenzungen geben: Polizisten, Demonstranten, Journalisten – jeder hat seine Zuständigkeiten und seine spezifische Verantwortung.

Zwar behauptet Polizeipräsident Gerhard Pürstl, dass es nicht darum gehe, geschönte Bilder zu zeigen, sondern objektiv zu berichten. Ob die Bilder auch dann objektiv bleiben, wenn die eigenen Leute über die Stränge schlagen, ist jedoch zu bezweifeln.

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Autor:

Andreas Edler aus Wieden

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