Nach Polizistenmord: "Die Betroffenheit unter den Kollegen ist groß"

Die Polizei rückte in den Morgenstunden aus, um das UKH Lorenz Böhler zu durchkämmen.
  • Die Polizei rückte in den Morgenstunden aus, um das UKH Lorenz Böhler zu durchkämmen.
  • hochgeladen von Andreas Edler

WIEN. "Die Betroffenheit unter den Kollegen ist groß. Es wird sehr viel untereinander über den Vorfall gesprochen. Ich würde jedoch nicht sagen, dass wir nun unseren Dienst mit einem mulmigeren Gefühl versehen", sagt ein Wiener Polizist zur bz. Das Berufsrisiko ist bei den Exekutivbeamten durchaus Thema. "Jeder, der sich für diesen Beruf entscheidet, sollte wissen, welches Risiko er im schlimmsten Fall eingeht", so der Beamte.

Seitens des Innenministeriums betreut man traumatisierte Beamte im Rahmen des psychosozialen Dienstes oder "peer supports" (Betreuung durch geschulte Kollegen nach belastenden Ereignissen). Jeder Polizist kann dieses Angebot in Anspruch nehmen – insbesondere nach Schusswaffengebrauch. Laut ORF wurden im Jahr 2014 österreichweit 511 Beamte im Rahmen des psychoszialen Dienstes betreut. Im Vorjahr stieg diese Zahl auf 689. Im Jahr 2016 nahmen bis Mitte März 53 Polizeibeamte derartige Hilfe an. In Situationen wie vergangenen Samstag wird der psychosoziale Dienst automatisch aktiv und betreut die Beamten vor Ort.

16.000 Alarme im Jahr

Geschult und trainiert werden Beamte jedoch laufend. "Für die nächsten Einsatztrainings wird der aktuelle Fall sicher in die möglichen Szenarien aufgenommen", sagt LPD Wien Pressesprecher Paul Eidenberger. Doch muss man sich vor Augen halten, dass es pro Jahr 16.000 derartiger Alarme gibt. 99 Prozent davont seien jedoch Fehlalarme, so Eidenberger. Wie sich derzeit zeigt, hätten die Beamten vor Ort überhaupt nichts falsch gemacht. Auf einen derart brutalen Täter mit Tötungsabsicht zu treffen, hätte nicht erwartet werden können. Jedenfalls nicht in Wien. "Würde man bei jedem Täter annehmen, er hätte Tötungsabsicht, müssten die Polizisten wie Soldaten zum Einsatz fahren", sagt der Pressesprecher. Eine nicht notwendige Militarisierung der Polizei wäre die Folge.

Unterziehschutzweste privat gekauft

Die Polizeibeamten versuchen sich vermehrt darauf zu konzentrieren, während der Einsätze wachsamer zu sein. Privat kauft man sich schon mal Unterziehschutzwesten, da diese nicht von der Behörde zur Verfügung gestellt werden. "Es gibt zwar in jedem Funkwagen mindesten zwei ballistische Überziehwesten, diese legen jedoch die wenigsten Kollegen bei einer simplen Alarmauslösung", sagt ein Polizist. Er trage seine privat erworbene Unterziehweste jedenfalls immer, wenn er die Dienststelle verlasse. Das sei es wert.

Der tragische Polizistenmord in Penzing ist der erste Fall seit 1993, wo ein Beamter im Dienst gewaltsam getötet wurde.

Hintergrund

Bericht:Billa-Überfall in Penzing: Polizist erlag seinen Verletzungen
Kommentar:Geltungsdrang statt Solidaritätsbekundung?

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