27.09.2016, 13:51 Uhr

Krankenpfleger gründen eine eigene Gewerkschaft

Das Gründungsteam: Die Diplomkrankenpfleger Fabian Martin und Lukas Ertler, die in Salzburg und Kärnten tätig sind. (Foto: Sabine Hertel)

Der Salzburger Diplomkrankenpfleger Fabian Martin ruft zum gewerkschaftlichen Zusammenschluss unter den Pflegeberufen in ganz Österreich auf. Man fühlt sich von den etablierten Gewerkschaften nicht ausreichend vertreten.

WIEN. Der Streit zwischen Ärzteschaft und Stadt Wien zeigt den Beschäftigten im Gesundheitsbereich vor allem eines: Die Vertretung durch die etablierten Gewerkschaften seien für die Arbeitsnehmer unzureichend. Nach den Ärzten gründen nun auch die Pflege und weitere Gesundheitsberufe eine eigene, unabhängige Gewerkschaft.

"Im Konflikt KAV/Stadt Wien gegen die Ärztekammer war zu sehen, wie sich der Österreichische Gewerkschaftsbund auf Seiten des Arbeitgebers stellt. Damit verfehlt er auf eindrucksvolle Weise seine ureigenste Bestimmung – die Arbeitnehmervertretung", sagt der Obmann der Ärztegewerkschaft "Asklepios". Aufgrund der politischen Verflechtungen innerhalb des ÖGB würden auch unüberbrückbare Interessenskonflikte entstehen, so Rainer. Man nahm die Umstände als Anlass zur Gründung der Ärztegewerkschaft.

Mit Oktober soll die Gründung der nächsten Gewerkschaft folgen. Initiator ist der Salzburger Krankenpfleger Fabian Martin. Der will Krankenpfleger, Altenfachbetreuer und Diplomsozialbetreuer in einer Gewerkschaft einen. "Ziel ist die Schaffung einer unabhängigen, mitgliederstarken und schlagkäftigen Vertretung, die ihre Interessen durchsetzen kann", so Martin. Bei der Bezirksbehörde in Salzburg wurde die neue Gewerkschaft nun als Verein angemeldet. Bald soll die erste Generalversammlung stattfinden. Einzelne Ländersektion werden folgen – so auch die Wiener. Derzeit werden Mitglieder angeworben. Auf der Homepage www.pflege-gewerkschaft.at können sich Interessierte registrieren.

Rund 80 Prozent der Pfleger in Wiener Gemeindespitälern sind bei der Younion Gewerkschaft vertreten. Fraglich ist, ob die Mitglieder zur neuen Gewerkschaft wechseln werden. Das werde sich zeigen, so Martin. Für ihn stehe fest, dass es eine große Unzufriedenheit mit den etablierten Vertretungen gebe.

Dachverband geplant

In weiterer Folge sei der Zusammenschluss mit den Ärzten unter dem "Dachverband der unabhängigen Gewerkschaften der Gesundheitsberufe (UGGB)" geplant. "Hier sollen die Ärztegewerkschaft Asklepios, die Pflegegewerschaft und die Vertretungen weiterer Berufsgruppen der Gesundheitsbereiche zusammengefasst werden", sagt Anna Steil von Asklepios. Unter den derzeitigen Umständen und unter den derzeitigen Arbeitsbedingungen sei eine optimale Gesundheitsversorgung für die Patienten nicht gegebenen, so Fabian Martin. Man sitze mit den Ärzten schließlich untrennbar in einem Boot.
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Zoltán Odri aus Josefstadt | 27.09.2016 | 16:08   Melden
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