06.06.2017, 08:23 Uhr

Schikanedergasse: Anrainer gegen Discofieber

"Ich halte alle Auflagen und Vorschriften ein. Man will mich hier schikanieren", so Lokalbetreiber Markus Putz.

Ein Lokal nervt die Anrainer, die sich über Lärm und Scherben beschweren. Der Besitzer weist die Vorwürfe zurück.

WIEDEN. Blutlachen, Scherben am Gehweg, Geschlechtsverkehr im Hausflur. Die Beschwerdeliste von Fabian F. (Name geändert) aus der Schikanedergasse 12 ist eine lange. Er und Markus Putz, Inhaber des Lokals "Inside Bar Vienna", fechten einen regelrechten Rosenkrieg aus. "Es geht aber nicht nur um mich", so Fabian F. "Bei vielen Mietern liegen die Nerven blank. Vor allem auch wegen des Lärms." 80 Dezibel habe er bei einer selbst vorgenommenen Messung gemessen.

Nicht nur innerhalb des Lokals soll es laut zugehen. "Die haben bis sechs in der Früh geöffnet. Da stehen dann Gruppen von Besoffenen vor der Tür, manchmal kommt es zu Auseinandersetzungen. "Lokalbetreiber Markus Putz weißt die Vorwürfe "entschieden zurück" und fühlt sich schikaniert. "Seit sechs Jahren betreibe ich das Lokal. Viele Prominente sind bei mir zu Gast. Ich habe einen Ruf zu verlieren. Deshalb passe ich sehr genau auf." Lange Zeit habe es keine Probleme gegeben. "Doch vor drei Jahren hat ein Mieter angefangen, mir alles, was er finden kann, anzuhängen. Dagegen wehre ich mich mit allen Mitteln." Erst in der vergangenen Woche habe Putz wieder Schallmessungen durchgeführt. Dabei sei "nichts herausgekommen".

Kebabmesser-Attacke

Als besonders drastisches Beispiel zieht Mieter F. einen Vorfall mit einem Kebabmesser heran. Dieses habe ein Gast der "Inside Bar Vienna" vom Naschmarkt geholt, um in der Schikanedergasse auf jemanden loszugehen. "Das stimmt so nicht", entgegnet Putz. "Ja, der Mann war in meinem Lokal. Er ist dort rausgeflogen. Dann ist er aus einem anderen Lokal rausgeflogen und hat dann das Kebabmesser besorgt. Mein Türsteher hat das gesehen und die Polizei gerufen. Deshalb steht der Name meines Lokals auch im Polizeibericht. Weil mein Türsteher eingeschritten ist. Der Mann war nicht mehr mein Gast." Ein Einschreiten des Türstehers, das wünscht sich Fabian F. öfters: "Ich finde, der Betreiber hat auch eine Verantwortung dafür, was vor dem Lokal stattfindet. Warum werden dauernd Flaschen auf der Straße abgestellt?"

Fremde Flaschen vor der Tür

Die Antwort des Betreibers: "Ich bin nicht die Polizei. In meinem Lokal sorge ich für Ordnung. Vor der Tür ist das nicht meine Aufgabe." Die Schikanedergasse sei außerdem eine Durchgangsstraße für viele Nachtschwärmer. "Ich kann einige Lokale aufzählen, vor denen es wilder zugeht als bei mir. Viele der abgelegten Flaschen, über die man sich beschwert, verkaufe ich überhaupt nicht." Die Situation ist verfahren. Putz sagt, man könne ihn jederzeit anrufen, er habe seine Nummer den Anrainern gegeben. F. fürchtet sich wiederum vor Putz: "Er will seine Kritiker mundtot machen", meint er.
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