Eine Auszeit im Zwischenstock: Psychohygiene mit den Wiener U-Bahn-Stars

Heinz Ruff, Werner Grünwald und Gerhard Mayrhofer von "Da Weana" findet man regelmäßig am Westbahnhof.
  • Heinz Ruff, Werner Grünwald und Gerhard Mayrhofer von "Da Weana" findet man regelmäßig am Westbahnhof.
  • hochgeladen von Christine Bazalka

WIEN. "Freie Liebe für alle!" ruft Werner Grünwald, nachdem die Schlussakkorde des Liedes von Karl und Franz und der Tatsache, dass die beiden ein sehr hübsches Paar abgeben, verklungen sind. Die etwa 20 Umstehenden tauchen auf aus ihrem versunkenen Zuhören und beginnen zu klatschen. An diesem Nachmittag, an dem anderswo die Hitze für aggressive Gemüter sorgt, wird der Zwischenstock in der U-Bahn-Station Westbahnhof zum Ort der Entspannung.

Die Ursache dafür ist das Trio rund um den "Weana", also den Wiener Werner, das mit, wie sie es selbt sagen, proletarischen Wienerliedern, für Wohlbefinden und das eine oder andere Lächeln in den Gesichtern der Passanten sorgt. "Da Weana" ist einer von 12 U-Bahn-Stars, die abwechselnd vor dem Wandgemälde am Westbahnhof ihre Musik vortragen. Die Resonanz sei positiv, bis zu 40 Menschen würden stehenbleiben und zuhören, "manche bleiben auch eine halbe Stunde da".

Entspannte Atmosphäre bei "Da Weana" am Nachmittag am Westbahnhof

Die zuweilen belächeten Aussage von Stadträtin Ulli Sima (SPÖ), die U-Bahnen würden durch die Musik sicherer, hält Grünwald auch für falsch: "Das war meiner Meinung nach die politische Argumentation, um das Vorhaben durchzubringen." Die Wiener Linien tun mit der Initiative aber, glaubt Bassist Gerhard Mayrhofer, einen Dienst an der Psychohygiene der Stadt: "Es hat eine soziale Komponente. Es gibt wirklich Leute, die regelmäßig zuhören kommen, oft jene, denen es vielleicht nicht so gut geht." Andere würde man zumindest für ein paar Minuten aus dem Alltagstrott holen. Das ist, so ein Sprecher der Wiener Linien, auch das eigentliche Ansinnen: "Wir möchten das Öffi-Fahren angenehmer machen. Die Musiker sind keine Securities und sollen nicht noch nebenbei Taschendiebe fassen."

Den Umstehenden gefällt es jedenfalls, egal ob sie Deutsch sprechen und den Texten der Lieder folgen können oder nicht: Eine angenehme Abwechslung, eine Überraschung am ansonsten langweiligen Weg, so der Tenor. Es entstehen sogar Gespräche unter Fremden. Und auch der Zeitungsverkäufer gegenüber, der nun immerhin schon ein Monat jeden Nachmittag dauerbeschallt wird, spendet dem Projekt Lob.

Kritik von Künstlern und Gewerkschaft

So positiv sind nicht alle gestimmt: An dem Konzept der U-Bahn-Stars gab es bereits breite Kritik, von Kunstschaffenden bis zur Gewerkschaft. 3.000 Menschen unterzeichneten eine entsprechende Online-Petition. Der Hauptkritikpunkt ist kurz gesagt die Bezahlung: Die Wiener Linien "engagieren" Musiker, ohne sie zu entlohnen, diese müssen aber alle Rechte an der Verwertung ihrer Auftritte abtreten. In einigen Punkten wurde aber bereits nachgebessert: Die Teilnahmegebühr haben die Wiener Linien nicht eingehoben, und anders als zunächst geplant gibt es nun doch Strom am Aufführungsort. "Grundsätzlich sind wir aber der Meinung: Das ist Straßenmusik und wird gegen Spenden gespielt."

Die Musiker von "Da Weana" können die Kritik auch nicht ganz nachvollziehen. Sie spielen auch an anderen öffentlichen Orten, etwa am Graben, und schätzen die besseren Bedingungen: ein Dach, Strom für einen Verstärker und die erhöhte Aufmerksamkeit. Freilich: Leben könnten sie von ihren Auftritten nicht, alle drei haben einen Brotberuf. Mit ihrem Hutgeld sind sie aber meist zufrieden: "Die Leute sind sehr spendabel, wir gehen oft mit einem dreistelligen Betrag nach Hause."

Keine Änderung des Auswahlverfahrens

Ausgebeutet fühlen sie sich also nicht, auch nicht durch das Abtreten der Rechte: "Wenn wir in Werbeaufnahmen vorkommen, ist das für uns eine weitere Plattform." In einem stimmt die Band den Kritikern aber zu: "Die Wiener Linien sollten nicht entscheiden, wer spielen darf. Jeder sollte die Möglichkeit haben, sich anzumelden." So ist die Ausweitung der U-Bahn-Stars aber nicht geplant: Ab September werden neben dem Westbahnhof auch der Praterstern und der Karlsplatz bespielt, die dafür nötigen zusätzlichen Künstlerinnen und Künstler will man am am Busker Festival für Straßenkunst vom 8. bis 10. September am Karlsplatz finden. Dort besteht die einfache Möglichkeit für neue Gruppen, für die Ausweitung des Projekts vor einer Jury vorzuspielen. Daran wird sich auch nichts ändern: "Einmal zumindest wollen wir uns die Leute, die bei uns spielen, schon anschauen", heißt es von den Wiener Linien, "das sind wir unseren Fahrgästen schuldig."

Hintergrund:

Kommmentar:Petition gegen die U-Bahn-Stars

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