Einstellung zu Flüchtlingen in Wien: Akzeptanz gestiegen

Laut Polizei demonstrierten am 14. März 2016 rund 1.500 Asylheimgegner am Liesinger Platz.
  • Laut Polizei demonstrierten am 14. März 2016 rund 1.500 Asylheimgegner am Liesinger Platz.
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WIEN. "56 Prozent der Befragten akzeptieren Flüchtlinge in ihrem Haushalt oder in der Nachbarschaft". Das ist unterm Strich die wichtigste Aussage der unlängst vom Meinungsforschungsinstitut SORA durchgeführten Umfrage. An der telefonischen Befragung nahmen 1.600 Personen teil – darunter 600, die in der Nähe von ausgewählten Flüchtlingsquartieren wohnen (2., Große Stadtgutgasse; 11., Donauquartier; 10., Haus Favorita; 21., Winkeläckerweg; 22., Polgarstraße; 23., Ziedlergasse). "Aufgrund der notwendigen Anzahl und der Zufallsauswahl der Befragten ist die Studie als repräsentativ für die Gesamtbevölkerung zu sehen", sagt Günther Ogris, Geschäftsführer und wissenschaftlicher Leiter von SORA.

Die Studie ergab etwa, dass 44 Prozent der Befragten vor der Eröffnung eines Flüchtlingsquartiers für die Einrichtung waren. Nach der Eröffnung stieg dieser Wert auf 69 Prozent. Umgekehrt waren vor der Eröffnung 22 Prozent gegen ein Flüchtlingsheim, wohingegen sich danach nur noch 14 Prozent dagegen aussprachen.

Wichtig: Verpflichtende Deutschkurse

Einen wesentlichen Unterschied bei der Eintstellung zum Thema macht der Studie zufolge der persönliche Kontakt zu Geflüchteten. 27 Prozent der Befragten mit Kontakt zu Flüchtlingen sind für eine Schließung der Grenzen – bei jenen ohne Kontakt zu Flüchtlingen liegt dieser Wert bei 34 Prozent. Einig ist man sich jedoch in der Frage der notwendigen sprachlichen Kenntnisse: 79 Prozent aller Studienteilnehmer sprechen sich für verpflichtende Deutschkurse aus. 72 Prozent sind für die sofortige Einschulung von minderjährigen Flüchtlingen. Mehr noch sei ein Zugang zum Arbeitsmarkt wichtig für die Integration: 49 Prozent sind dieser Meinung.

60 Prozent mit Spenden unterstützt

Dass die Wiener letzten Endes schnell schimpfen, dann aber doch ein großes Herz haben, zeigt das persönliche Engagement: 60 Prozent der Befragten haben Geld oder Sachleistungen für Flüchtlinge gespendet. Immerhin 13 Prozent haben ehrenamtlich bei der Flüchtlingshilfe mitgearbeitet und 8 Prozent für Flüchtlinge demonstriert. Ein Prozent der Befragten habe dagegen demonstriert, so die Studie.

2016: Großdemos gegen Flüchtlinge

Diese Gegendemonstrationen sorgten im vergangenen Jahr in Wien für Aufsehen: Im März versammelten sich rund 1.500 Menschen am Liesinger Platz, um gegen das Asylheim in der Ziedlergasse zu protestieren. Nur wenige Wochen später wurde das Floridsdorfer Zentrum zur Demozone: Am 18. April versammelten sich rund 450 Personen am Franz Jonas Platz – unter anderem gegen das Flüchtlingsquartier Siemensstraße. Der traditionell innerstädtische Bürgerprotest hatte den Stadtrand erreicht. Wesentlich getragen wurden beide Veranstaltungen von der FPÖ – sowohl in Liesing als auch in Floridsdorf trat, neben Vizebürgermeister Johann Gudenus, HC Strache persönlich auf die Bühne. Hier wie da wurde der Ausnahmezustand heraufbeschworen.

Die FPÖ Wien reagiert auf die nun veröffentlichte Studie naturgemäß mit Zurückhaltung. Sie sei vom Rathaus in Auftrag gegeben worden und man könne sich schon denken, wie es zu diesem Ergebnis kam, heißt es aus dem Büro Gudenus. "Diese Gefälligkeitsstudie kann über die Missstände, die durch die rot-grüne Willkommenspolitik entstanden sind, nicht hinwegtäuschen. Rekord-Schulden durch die Mindestsicherung, gestiegene Zahl an Sexualdelikten und die Bildungsmisere sind nur einige Punkte", sagt Vizebürgermeister Johann Gudenus. Eine Aussage, die für SORA-Chef Günther Orgis so nicht haltbar ist: "Die Forschungsergebnisse entsprechen denen aus anderen Bundesländern. Die Meinungen sind auch keineswegs überraschend", so Ogris.

Ziedlergasse: Nur 400 statt 1.000 Asylwerber

Konkreter als Gudenus wird der Liesinger FPÖ-Chef Roman Schmied in Bezug auf das Flüchtlingsquartier in der Ziedlergasse – Stein des Anstoßes für die Demonstranten am Liesinger Platz. "Es ist ein riesen Unterschied, ob dort 1.000 Menschen auf engstem Raum untergebracht sind oder bloß 400, die dann doch mehr Platz zur Verfügung haben", sagt Schmied. 400 Personen war im Laufe des vergangenen Jahres die Höchstbelegung. In der Regel wohnten weniger Menschen im Heim.

Interaktion ist keine Einbahnstraße

„Ich habe schon bei den Bürgerversammlungen in Liesing gesehen: Da sitzen nicht nur Gegner, sondern auch viele, die einfach unsicher sind. Daraufhin haben wir beschlossen, eine Untersuchung zu den Emotionen zu machen, um Fakten zu schaffen“, so der Geschäftsführer des Fonds Soziales Wien, Peter Hacker. „Einige Ergebnisse haben aber auch mich in ihrer Deutlichkeit überrascht. Die Kommunikation mit den Nachbarn war ganz zentral, wir wollten Interaktion ermöglichen. Das ist keine Einbahnstraße, dazu müssen auch die Flüchtlinge etwas beitragen.“

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