30.03.2016, 10:51 Uhr

Dort, wo die Vergangenheit einen guten Platz hat...

Der Hof besteht seit 300 Jahrhunderten. Über einen ebenso langen Zeitraum gewährt das Bauernmuseum Einblick in die Entwicklung des bäuerlichen Lebens
Von Josef Fürbass

Bäuerliche und gewerbliche Raritäten am Lateinberg


Ein idyllisch gelegenes Gehöft in Haselbach, Gemeinde Eibiswald, beherbergt das Lateinberger Bauernmuseum vulgo Hoara. Der Eibiswalder Schuhmachermeister Johann Krampl hat hier seine antiquierten Schätze anschaulich präsentiert. In den acht Räumen sind über 1000 Exponate aus der bäuerlichen und gewerblichen Welt zu bestaunen. Heuer feiert das Museum den 20. Geburtstag. Das runde Jubiläum wird am 24. Juli gebührend gefeiert!


Ein frühlingshafter Tag am Lateinberg. Die Nachmittagsonne lädt zum Verweilen im Freien ein. Josefine Krampl macht für die „Krone“ eine Sonderführung. Bei Kaffee und Kuchen erzählt sie von der Sammelleidenschaft ihres im Jänner 2002 verstorbenen Mannes und der Entstehung des Lateinberger Bauermuseums vulgo Hoara. Der Name prangt in großen Lettern aus Holz an der Wand des ehemaligen Wirtschaftsgebäudes. Dem Eibiswalder Schuhmachermeister Johann Krampl ist es auf dem Hof seines Großvaters gelungen, mit viel Liebe und Herzblut ein Museum zu gestalten und einzurichten, das mitunter Geräte hütet, die heute nur noch vereinzelt zu finden sind.
Das Juwel gefällt nicht nur durch seine Lage, sondern vor allem durch die stattliche Sammlung an Gerätschaften, die einen Überblick über die Entwicklung des bäuerlichen Lebens der letzten 300 Jahre geben.

Vom Rinderstriegel bis zum Firsthahn...


Bald dreht sich der Schlüssel im alten Schloss und wir stehen im Stall. Wo früher Rinder gehalten wurden, kann man nun Dinge betrachten, die das Rad der Zeit überholt hat: Kuh- und Schlittenglocken, Zangen, Jar, Rinderstriegel, Schleifstein. „Manche Geräte kennen die Leute gar nicht, weil mit ihnen heute nicht mehr gearbeitet wird“, sagt Josefine Krampl. Auch die Esse der Feldschmiede aus dem Jahr 1850 ist längst ausgegangen...
In der Wagenhütte sind verschiedene Fahrzeuge eingeparkt. Darunter ein Korbschlitten für Transporte, ein Steirerwagerl für zwei Personen und Landefläche sowie ein Erdäpfelwurler (Kartoffelerntemaschine). In der Tenne darüber befinden sich alte Getreidemühlen und -winden. Der Handwerksraum ist mit einer Schusterwerkstatt ausgestattet. Man findet aber auch allerlei Maurer- und Zimmermannswerkzeuge vor. Am Dachboden rasten Pflüge und Eggen aus. Ein 300 Jahre alter Webstuhl und die erste Miele-Waschmaschine, Bj. 1925, aus Holz gehören zu den ganz besonderen Ausstellungsstücken.
In der Galerie sind Heu- und Streurechen, Dreschflegel, Heubogen, Sichel, Obstspritze und Traubenrebelmaschine von anno dazumal ausgestellt. Dem Lateinberger Museum angebaut ist eine historische Obstpresse aus dem Jahr 1900 mit Spindel, Pressbaum und Katschger. Im 300 Jahre alten Gewölbekeller unter dem Wohnhaus lagern alte Fässer, verschiedene Krüge, ein Brotkorb, Wein- bzw. Mostheber.
Das Lateinberger Bauernmuseum vulgo Hoara wurde am 26. Oktober 1996 erstmalig eröffnet. Anlässlich des 20-jährigen Bestehens richtet die Marktmusikkapelle Eibiswald – Museumsgründer Johann Krampl war treues Mitglied und spielte 40 Jahre lang das Flügelhorn – am 24. Juli ein Jubiläumsfest aus.
Daten & Fakten: Mit mehr als 1000 interessanten Exponaten, die sich auf acht Räume verteilen, kann das Lateinberger Bauernmuseum vlg. Hoara aufwarten. Nach dem plötzlichen Tod von Johann Krampl hat die Gemeinde Pitschgau und nunmehr die Marktgemeinde Eibiswald das Kleinod gepachtet, um es weiter zu führen. Am 6. und 7. Mai 2016 hat das Museum im Rahmen der kulinarischen Schilcherreise „Gemmas an“ jeweils ab 10 Uhr geöffnet. In der übrigen Zeit wird um Voranmeldung gebeten: 03466/43256 oder 03466/45400

Fotos: Josef Fürbass
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