24.08.2016, 08:00 Uhr

Invasion der fremden Pflanzenarten

Irmgard Schnederle zeigt Drüsiges Springkraut, das für seinen Geruch und den Klang der platzenden Samenknospen bekannt ist.

Drüsiges Springkraut, Riesen-Bärenklau und Riesenknöterich breiten sich von Jahr zu Jahr weiter im Bezirk aus.

ST. PÖLTEN (bt). Bei einem Spaziergang entlang der Traisen oder an den Seen besticht die Pflanzenwelt mit ihrer Vielfalt, Schönheit und Farbenpracht. Doch was da für den Laien so schön leuchtet, ist Pflanzenkundlern ein Dorn im Auge. Drüsiges Springkraut, Riesen-Bärenklau und Riesenknöterich, die hier so prächtig gedeihen, sind sogenannte Neophyten, also Pflanzen, die bei uns ursprünglich nicht heimisch waren. Sie breiten sich invasiv aus. "Andere heimische Pflanzen, wie etwa die Brombeeren, werden verdrängt. Die dürfen wir nicht aussterben lassen", fordert die naturverbundene St. Pöltnerin Irmgard Schnederle bei einem Lokalaugenschein mit den Bezirksblättern.

"Zug schon abgefahren"

Wir erkundigten uns bei Bezirksförster Josef Kimmeswenger nach dem Ernst der Lage. "Der Zug ist schon abgefahren", sagt er im Bezug auf Springkraut und Riesenknöterich. Der Punkt, an dem gegen die invasive Ausbreitung dieser Pflanzen noch etwas unternommen werden könnte, sei schon lange überschritten. Unter dem rosa blühenden Drüsigen Springkraut, das ursprünglich aus Indien kommt und wegen seiner Schönheit auch Bauernorchidee genannt wird, können andere Pflanzen noch gedeihen. Gräser und Kräuter sind aber chancenlos. "Bei Brombeeren bin ich mir nicht sicher, wer gewinnt, die können kämpfen, die zwei", lacht Kimmeswenger. Schon vor August müsste das Kraut bekämpft werden, denn sind die Samen erst ausgebildet, springen sie Meter weit und lassen im Folgejahr wieder neue Pflanzen emporschießen. "Der Riesenknöterich wird entlang der Traisen bis zu drei Meter hoch und der macht alles darunter dicht."


Giftpflanze führt ins Spital

Noch nicht so stark verbreitet ist der Riesen-Bärenklau. Berührt man ihn bei Tageslicht, können schmerzhafte Blasen auf der Haut entstehen, die schwer heilen und wie Verbrennungen erscheinen. Solche Fälle mussten im Universitätsklinikum St. Pölten heuer schon behandelt werden. "Gegen den Riesen-Bärenklau muss man mit Schutzausrüstung vorgehen." Sieht Kimmeswenger so eine Pflanze, die auch Bärenkralle, Herkulesstaude oder Herkuleskraut genannt wird, meldet er es der zuständigen Gemeinde.

Riesen-Bärenklau melden

Es gibt keine Regelungen, wie mit unliebsamen invasiven Pflanzen vorgegangen werden muss. Wird dem Magistrat St. Pölten aber ein Befall gemeldet, werden die Grundeigentümer kontaktiert, um eine Beseitigung zu veranlassen. "Zum Beispiel wurde uns heuer ein Befall des Riesen-Bärenklaus im Bereich der Traisen gemeldet. Die Pflanzen wurden dann aufgrund unserer Kontaktnahme vom Traisen-Wasserverband umgehend beseitigt", berichtet Martin Koutny vom Medienservice.
Nicht mit Invasion gerechnet
"Riesen-Bärenklau und Springkraut waren Zierpflanzen im Garten. Dass sich die so schnell ausbreiten, hat auch keiner geglaubt", erklärt der Förster. Die Gefahr für die Pflanzenwelt liegt in der Verdrängung heimischer Arten. Sterben Futterpflanzen aus, wird dadurch langfristig auch die Tierwelt gefährdet. Josef Kimmeswenger schließt aber ab: "Der Kukuruz ist auch invasiv und Erdäpfel sind auch nicht heimisch."

Zur Sache:

Als Neophyten bezeichnet man Arten, die sich ohne oder unter menschlicher Einflussnahme in einem Gebiet etabliert haben, in dem sie zuvor nicht heimisch waren. Sie werden als Bedrohung für andere Arten in deren Lebensraum betrachtet.
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