19.10.2016, 19:32 Uhr

Althanstraße: Gemeindebau nach Friedl-Dicker-Brandeis benannt

SP-Wohnbaustadtrat Michael Ludwig und SP-Bezirksvorsteherin Martina Malyar vorm neu benannten Friedl-Dicker-Brandeis-Hof in der Althanstraße 33. (Foto: PID/Jobst)

Wohnhaus trägt nun Namen von jüdischer Innenarchitektin

ALSERGRUND. Friedericke „Friedl“ Dicker-Brandeis war eine Wiener Innenarchitektin und Malerin, der es Anfang des letzten Jahrhunderts gelang, sich in einer Männerdomäne durchzusetzen. Nach ihrer Deportation ins Ghetto Theresienstadt, wo sie Kindern mit Zeichenunterricht Überlebenshilfe bot, wurde die Jüdin 1944 in Auschwitz-Birkenau ermordet. Wiens Wohnbaustadtrat Michael Ludwig und die Bezirksvorsteherin des 9. Wiener Gemeindebezirks, Martina Malyar, gedachten ihrer Persönlichkeit bei der Benennung des Gemeindebaus Althanstraße 33 in Friedl Dicker-Brandeis-Hof.

„Wir setzen hier ein sichtbares Zeichen der Wertschätzung. Trotz emanzipationsfeindlichem Hintergrund vermochte es Dicker-Brandeis Talent und Können erfolgreich in die Praxis umzusetzen. Das verdient unbedingt Anerkennung!“, so SP-Wohnbaustadtrat Michael Ludwig. „Gleichzeitig dient uns ihr Schicksal – die barbarische Ermordung in Auschwitz-Birkenau – als Mahnung, kontinuierlich den hohen Wert unserer Demokratie zu betonen“, sagt Ludwig.


Zur Person:
Friedericke „Friedl“ Dicker-Brandeis wurde am 30. Juli 1898 in Wien geboren. Die Malerin, Innenarchitektin, Designerin und Bühnenbildnerin entstammte einem jüdisch-bürgerlichen Elternhaus und studierte Photographie und Reproduktionstechnik an der Graphischen Lehr- und Versuchsanstalt in Wien. Es folgte eine Studienzeit am Bauhaus in Weimar.

Nach einem kurzen Berlin-Aufenthalt kehrte sie nach Wien zurück und gründete gemeinsam mit Fritz Singer das Atelier „Singer-Dicker“ in der Alsergrunder Wasserburgergasse, welches aufgrund gemeinsamer privater Turbulenzen 1931 aufgelöst wurde.

Dicker-Brandeis war Mitglied der Kommunistischen Partei und wurde als solches 1934 verhaftet. Später emigrierte sie nach Prag, wo sie 1936 Pavel Brandeis ehelichte. Das Paar verzichtete auf die Flucht, lebte von 1938 bis 1942 in Hronov und wurde am 17. Dezember 1942 ins Ghetto Theresienstadt deportiert. Mit einem der letzten Zugtransporte folgte am 6. Oktober 1944 die Deportation nach Auschwitz-Birkenau. Drei Tage später, am 9. Oktober 1944, wurde sie dort ermordet. Ihr Mann überlebte das Vernichtungslager.
0
Schon dabei? Hier anmelden!
Schreiben Sie einen Kommentar zum Beitrag:
Spam und Eigenwerbung sind nicht gestattet.
Mehr dazu in unserem Verhaltenskodex.