G'schead oda g'scheit red'n?

Die Älteren verstehen keine Facebook-Sprache, die Jüngeren keinen Dialekt.
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BEZIRK. "G'schead oda g'scheit red'n?" - das ist hier die Frage. Wenn's um Mundart geht, sind junge Leute unterschiedlicher Meinung, je nach Wohnort. In den bürgerlichen Städten des Bezirks (Baden, Bad Vöslau) und in den sich ausbreitenden Zuzugsgebieten wachsen Kinder oft mit gehobener Umgangssprache, quasi dialektfern, auf. "Wenn mich einer auf g'schead anmacht, komm' ich zwar mit ihm eventuell leichter ins Gespräch. Aber mehr geehrt fühle ich mich, wenn mich einer g'scheit anredet, also in Schriftsprache", erzählt Andrea (30) aus dem Triestingtal. In ihrem Elternhaus wurde noch Dialekt gesprochen, sie steht dem Dialekt unvoreingenommen gegenüber.
Nicht so Jenny (29) aus Baden. Sie wurde mit Schriftsprache erzogen. Für sie ist Dialekt eher "prolo". "Wer mich so anmacht, hat keine Chance. Das Einzige, was ich im Dialekt tu, ist blödl'n oder fluch'n."
In Jugendlokalen und sozialen Netzwerken gilt längst ein anderer Slang als beim Heurigen. "Früher haben die Leute in Briefen 'Wie geht es dir?' geschrieben", weiß Jenny, "heute auf Facebook lese ich 'Wie gezda'? Ich verstehe es, aber gefallen tut's mir eigentlich nicht."
Stefan (25) aus Bad Vöslau hat daheim "hochdeutsch" gesprochen und tut dies auch im Freundeskreis und - "natürlich" - in der Arbeit. Nur am Fußballfeld, da rutscht ihm schon auch mal ein "Spü ham" heraus, will heißen: Spiel zum Tormann zurück. Wenn seine Mannschaft ein Tor bekommt, entrutscht ihm eventuell auch ein verzweifeltes "OoooMG" - Ooooh My God!
Gschead oder gscheid red'n? Was empfiehlt der Deutschlehrer? "Optimal ist, wenn Kinder beides, Standardsprache und Dialekt, schon daheim im Elternhaus hören und sich aneignen. Schließlich sollten sie in der Lage sein, je nach Situation die passende Variante, das passende Sprachregister einzusetzen", meint Badens Literatur-Experte Herbert Först. Immer wieder unterhält er sich selbst mit Freunden und Bekannten im Dialekt.
Eine Gefahr, dass die Liebesgeständnisse der Zukunft nicht mehr "I hob di gean" heißen, sondern schlicht "hdl" (habdichlieb), sieht Herbert Först nicht. "Einzelne Worte der Internet- oder Jugendsprache fließen in die Alltagssprache ein", so seine Beobachtung. Und seine Schlussfolgerung: "Sprache verändert sich und bleibt dadurch lebendig, gerade auch im Dialekt".

Die Älteren verstehen keine Facebook-Sprache, die Jüngeren keinen Dialekt.
Beim Heurigen und im Austro-Pop wird noch die Mundart gepflegt. Aber wer versteht sie noch?

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