Kundgebung in Mödling
Herbergsuche hat viele Gesichter
- hochgeladen von Gabriela Stockmann
Mit einer Kundgebung am 13. Dezember wiesen Aktivisten und Aktivistinnen von #zusammenhaltNOE auf die vielen Facetten von Herbergsuche im Jahr 2020 hin: Zum einen wurde für die Wiederaufnahme einer irakischen Familie in die NÖ-Grundversorgung demonstriert, zum anderen auf die unmenschliche Lage in den griechischen und bosnischen Flüchtlingslagern hingewiesen.
BAD VÖSLAU/MÖDLING. "Eine Folge des inhumanen NÖ SAG / NÖ Sozialhilfe-Ausführungsgesetzes", kritisiert Gerlinde Buchberger, Obfrau des Vereines VÖMIT, der eine sechsköpfige irakische Familie betreut, die trotz humanitärem Bleiberecht aus der Grundversorgung flog. Die Konsequenz dieser Maßnahme: Verlust der Wohnung, der Krankenversicherung, jeglicher finanzieller Unterstützung und - wie schon so oft in ähnlichen Fällen - Überantwortung des ‚Problems‘ an die Zivilgesellschaft.
In Bad Vöslau machte man mobil: Ehrenamtliche und auch Sozialstadträtin Anita Tretthann versuchten bis in Büro der Landeshauptfrau vorzudringen, um Lösungsvorschläge zu erreichen. Bisher vergeblich.
Im Verein VÖMIT fragt man sich nun: "Wohin soll die Familie mit vier Kindern zwischen zweieinhalb und elf Jahren gehen, wovon soll sie leben, wie sollen die Eltern inmitten einer Corona-Pandemie bzw. eines Lockdowns Arbeit finden? Es kann nicht sein, dass eine Familie mit humanitärem Bleiberecht - also mit Aufenthaltsberechtigung und Abschiebeverbot völlig inhuman auf die Straße gestellt wird."
Gerlinde Buchberger: "Wir fordern von der NÖ Landesregierung in Zeiten einer Pandemie, des Lockdowns und des Winters eine Verlängerung der Grundversorgnung für diese Familie um einige Monate. Dann könnte der Familienvater gemeinsam mit unseren Helfern und Helferinnen eine Arbeit suchen“. Siehe auch Bericht von Maria Ecker (mit Video).
Kundgebung in Mödling
Am Samstag wurde im Rahmen von #zusammenhaltNOE dafür demonstriert, dass die Familie unverzüglich wieder in die Grundversorgung aufgenommen wird und die gesetzliche Basis für diese „absurde und menschenrechtswidrige Vorgangsweise“ umgehend gestrichen wird. Die irakische Familie war selbst bei der Kundgebung anwesend und beeindruckt von diesem Zeichen der Solidarität.
Herbergsuche auch in unmenschlichen Flüchtlingslagern
Slogan der Kundgebung war „Herbergsuche 2020“. Er sollte auch auf die nach wie vor untragbare Situation der Flüchtlinge auf Lesbos aufmerksam machen. Dort gibt es für ca 7000 Flüchtlinge drei Duschen. Jüngste Regenfälle haben das neue Lager Kara Tepe unter Wasser gesetzt und die Flüchtlinge müssen wegen strikter Ausgangssperren in dünnen durchnässten Sommerzelten ausharren,“ berichtete Helga Longin aus Bruck/Leitha. Sie war mehrere Wochen in Kara Tepe als ehrenamtliche Helferin im Einsatz. Die seit Jahren unhaltbare Situation in den griechischen Flüchtlingslagern bezeichnet sie als „Schande Europas“. Auch von unhaltbaren Zuständen in bosnischen Lagern wurde an diesem Abend von Augenzeugen berichtet.
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