Interview
"Wir müssen Verantwortung für zukünftige Generationen übernehmen"

Hannes Hohensinner setzt sich für das Klima ein.
  • Hannes Hohensinner setzt sich für das Klima ein.
  • Foto: Hohensinner/privat
  • hochgeladen von Michael Losbichler

Im Gespräch: Hannes Hohensinner – 51 Jahre alt, lebt in Enns – unterrichtet an der HLBLA St. Florian und ist Mitglied der Klimaallianz Oberösterreich.

ENNS. BezirksRundschau Enns: Seit wann ist Klimaschutz ein wichtiges Thema für Sie?
Hohensinner: Klimaschutz hat mich schon während meines Studiums an der BOKU in den 1990er Jahren interessiert. Der Schutz unserer Umwelt und Natur beschäftigt mich seit meiner Jugend. Klimaschutz ist gleichzusetzen mit dem Schutz und den Erhalt unserer Lebensgrundlagen, deshalb ist dieses Thema so wichtig. Wenn man sich vorstellt, dass die Menschheit viele Jahrtausende für die Entwicklung unserer Zivilisation benötigt hat und wir jetzt innerhalb weniger Jahrzehnte eine planetare Katastrophe verursachen, dann ist das an Egoismus und Kurzsichtigkeit nicht zu überbieten. Ich mache da nicht mit, denn ich will meinen Kindern und Enkelkindern ohne schlechten Gewissens in die Augen schauen können. Mir ist bewusst, dass wir Verantwortung für die zukünftigen Generationen übernehmen müssen.

Wie bringen Sie das Thema Ihren Schülern an der Hlbla näher?
An der Hlbla St. Florian ist das Thema Klimaschutz ein wesentlicher Bestandteil der Ausbildung, da die Land- und Forstwirtschaft die Auswirkungen des Klimawandels unmittelbar zu spüren bekommt. Leider sind diese in der Mehrzahl negativ. Trockenperioden, Starkregen und andere Extremwetterereignisse, Schädlinge und Krankheiten stellen eine immer größere Belastung dar, wie zum Beispiel die großen Schadholzmengen durch den hohen Borkenkäferbefall der letzten Jahre zeigen.

Aber nicht nur die Land- und Forstwirtschaft ist von den Auswirkungen des Klimawandels betroffen, sondern die gesamte Bevölkerung. Denken wir nur an die Hitzeperioden oder Hochwasserkatastrophen der letzten Jahre. Damit die Jugendlichen diese Herausforderungen meistern können, müssen sie lernen und verstehen, welche Ursachen die Veränderung des Klimas bewirken, welche Lebens- und Wirtschaftsweisen dafür verantwortlich sind und wie man zum einen die Treibhausgasemissionen reduzieren und zum anderen sich an die geänderten klimatischen Bedingungen anpassen kann. Dieses Wissen wird nicht nur in einzelnen Unterrichtsfächern von meinen Kollegen und mir vermittelt, sondern auch in verschiedenen Projekten behandelt.

Wie sehen diese Projekte aus?
Aktuell bin ich schulinterner Koordinator für das Klimaschutzprojekt „makingAchange“. Initiiert wurde es vom Climate Change Center Austria unter der Leitung von Helga Kromp-Kolb, Österreichs bekanntester Klimaforscherin. Im Rahmen dieses Projektes werden die Treibhausgasbilanz der Schule ermittelt, Klima-Peers ausgebildet, klimatische Veränderungen anhand der bestimmter Pflanzen beobachtet und fächerübergreifende Schülerprojekte zum Thema „Der Weg ins Solarzeitalter“ durchgeführt. Die Schule als Vorbild und als Ort für einen tiefgreifenden gesellschaftlichen Transformationsprozess sind die Ziele des Projektes. Deshalb arbeitet die HLBLA St. Florian auch intensiv daran, sich hoffentlich bald „erste klimaneutrale Schule in Österreich“ nennen zu dürfen. Das ist zwar noch ein längerer Weg, aber er lohnt sich.

Haben Sie Tipps für den Umweltschutz? Was kann jeder zuhause oder durch Lebensweise beitragen?
Die Coronakrise hat uns gelehrt, dass plötzliche und drastische Veränderungen des Alltages möglich sind und dass massive Einschränkungen der persönlichen Freiheiten von einem Großteil der Bevölkerung mitgetragen werden. Sie hat aber auch aufgezeigt, dass es ohne gesetzliche Vorgaben und Kontrollen sowie Strafen bei Vergehen gegen das Gesetz unmöglich ist, die Herausforderung zu meistern. Im Falle der Klimakrise stellt sich die Situation ähnlich dar. Persönliches Engagement ist wichtig, führt aber ohne gesetzliche Klimaschutzregelungen zu Frustration und Verärgerung des Einzelnen. Je länger Klimaschutzgesetze auf sich warten lassen, desto stärker werden uns die Veränderungen des Klimas treffen, sowohl durch Naturkatastrophen als auch durch Strafzahlungen.

So werden wegen verfehlter Treibhausgasreduktionen, bis zu neun Milliarden Euro bis 2030 fällig. Um unsere Lebensqualität und die unserer Kinder und Enkel zu erhalten, bedarf es zivilgesellschaftlicher Initiativen, die zum einen zukunftsfähige Lösungen umsetzen und der Zerstörung unserer natürlichen Lebensgrundlagen entschieden entgegentreten und zum anderen Druck auf die Politik aufbauen, damit Klimaschutz in den Gesetzen verankert wird und in allen Lebens- und Wirtschaftsbereichen mit oberster Priorität behandelt wird.

Wie können Privatpersonen ihren Beitrag leisten?
Natürlich müssen wir alle unseren Beitrag leisten. Das machen wir am besten, indem wir weniger Fleisch essen und regional produzierte Lebensmittel im Hofladen oder am Bauernmarkt einkaufen. Die Auswahl in unserer Region ist riesengroß und sie wird ständig erweitert. Unsere Alltagswege legen wir zu Fuß, mit dem Fahrrad oder dem E-Bike zurück oder nutzen die öffentlichen Verkehrsmittel. Anstatt des Kaufs eines Autos investieren wir das Geld besser in eine Photovoltaikanlage auf dem Dach oder in eine Gemeinschaftsanlage, damit erzeugen wir unseren eigenen elektrischen Strom. Für weitere Wege nutzen wir Car-sharing, am besten mit E-Autos. Wir versichern uns, dass die Unternehmen mit denen wir zusammenarbeiten oder bei denen wir Kunden sind, kein Geld in die Erdöl-, Erdgas oder Kohleindustrie investieren. 

Welche Ziele haben Sie sich selbst gesetzt?
Als Klimaschutzbeauftragter der HLBLA St. Florian bin ich bestrebt, Klimaschutz an der Schule weiter voranzutreiben. Darüber hinaus sehe ich das Bildungsministerium und die Bildungsdirektionen in der Verantwortung die Themen „Klimaschutz“ und „Klimagerechtigkeit“ in den Lehrplänen zu verankern und verfolge dies in meiner Rolle als „Teacher for Future“ mit den Forderungen der Teachers for Future Österreich für eine klimagerechte Schule 2024. In meiner Heimatgemeinde, Enns, arbeite ich im Arbeitskreis Umwelt und Energie für die Umsetzung klimaneutraler Lösungen zum Beispiel in den Bereichen Bauen, Mobilität und Energie. Und zu guter letzt versuche ich privat – mit Solar- und Photovoltaikanlage am Dach, Biomasseheizung, mit dem Fahrrad in die Arbeit fahren – den Übergang ins Solarzeitalter so bald als möglich zu schaffen.

Steckbrief: Hannes Hohensinner

  • ´Geboren: In Enns, wohnhaft in Enns
  • Alter: 51 Jahre
  • Familie: Verheiratet, zwei Kinder
  • Ausbildung: Studium der Landwirtschaft an der Universität für Bodenkultur (BOKU) in Wien und Pädagogische Ausbildung an der Hochschule für Agrar- und Umweltpädagogik ebenfalls in Wien.

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