"Sind keine Spekulanten"
Wieso sich Bewohner der Heimkehrersiedlung gegen Umwidmung wehren

Josef und Silvia Ljubic leben seit Jahrzehnten in der Heimkehrersiedlung. Spekulanten sind sie nicht, dennoch haben sie die Petition gegen den anstehenden Flächenwidmungsplan unterschrieben. | Foto: Nathanael Peterlini/MeinBezirk
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  • Josef und Silvia Ljubic leben seit Jahrzehnten in der Heimkehrersiedlung. Spekulanten sind sie nicht, dennoch haben sie die Petition gegen den anstehenden Flächenwidmungsplan unterschrieben.
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Die Familie Ljubic lebt seit Jahrzehnten in der Heimkehrersiedlung. Dass ihre Ortschaft mit einer Flächenumwidmung vor Spekulanten geschützt werden soll, halten sie für wichtig. Doch von den geplanten Maßnahmen fühlen sie sich bestraft. 

WIEN/FAVORITEN. Im Garten von Josef und Silvia Ljubic gackern die Hühner, die Blumen blühen und das Gemüse sprießt glücklich der Sonne entgegen. Josef Ljubic ist in der Heimkehrersiedlung in Favoriten aufgewachsen, seine Frau ist vor 40 Jahren zugezogen. Gemeinsam haben sie sich neben Josefs Elternhaus ein Grundstück gekauft, das sie nun stolz ihr trautes Heim nennen.

Die Heimkehrersiedlung ist eine Idylle. Um zu verhindern, dass Immobilienspekulanten das Gebiet willkürlich verbauen, hat die Stadt Wien einen Flächenwidmungs- und Bebauungsplan veranlasst. Dieser sorgt bei Josef und Silvia Ljubic für ernste Mienen – damit sind sie nicht alleine.

Quer durchs Wohnzimmer

"Alle in der Heimkehrersiedlung finden es gut, dass die Spekulanten gestoppt werden", erzählt Josef Ljubic. Um deren Treiben zu erkennen, muss man in der Heimkehrersiedlung nicht lange suchen. Etwa in der naheliegenden Sindelargasse. Das Mehrparteienhaus zieht sich dem ganzen Grundstück entlang, Natur ist keine mehr zu sehen: "Aber mit den Maßnahmen gegen Spekulanten straft man gleichzeitig diejenigen, die hier wohnen", so der Favoritner. 

Ein Gebäude in der Sindelargasse zieht weit ins Grundstück hinein. | Foto: Nathanael Peterlini/MeinBezirk
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Größter Kritikpunkt sind die von der zuständigen Magistratsabteilung 21 festgelegten Baufluchtlinien, die quer durch die Grundstücke ziehen – hinter ihr darf nicht mehr gebaut werden. Im Fall der Familie Ljubic zieht sich die Baufluchtlinie quer durchs Wohnzimmer. 

Sanierung ja, Neubau nein

Die Magistratsabteilung 37 – Baupolizei ist die Behörde, die Bauprojekte prüft. "Bereits bestehende Gebäude können weiter bestehen bleiben", betont die Baupolizei, und "bloße Sanierungen können an Bestandsgebäuden auch jenseits der Baufluchtlinien vorgenommen werden". Darüber hinaus wird es aber schwierig. "Eine bauliche bzw. räumliche Erweiterung bildet keine 'Sanierung' im Sinne der Bauordnung."

Ein Wintergarten wird sich für die Familie Ljubic also nicht ausgehen. Besonders ärgert es das Ehepaar, dass Gebäude anderer Grundstücke von der Baufluchtlinie umrundet werden. "Wieso werden sie verschont?", fragt Silvia. MeinBezirk hat die Frage an die MA 21 weitergereicht: "Zu laufenden Verfahren können keine Auskünfte gegeben werden", heißt es von der Behörde.

Schlimm hat es den Nachbarn der Familie Ljubic getroffen. Dessen Schuppen ist vor wenigen Wochen abgebrannt. Er befindet sich hinter der Baufluchtlinie. Mit dem faktischen Untergang eines Gebäudes erlischt laut Baupolizei die Bewilligung, eine neue Erlaubnis an der alten Stelle wird er wohl nicht bekommen.

"Sind keine Spekulanten"

Die kritische Haltung gegenüber den Umwidmungsplänen teilen viele in der Siedlung. Eine Petition hat die notwendigen 500 Stimmen erreicht und wird nun im Gemeinderat behandelt. In der Petition heißt es, die Grundstücke verlieren durch die Flächenwidmung an Wert.

Die Bezirksvorstehung betonte gegenüber MeinBezirk, eine Wertminderung betreffe nur Spekulations-Grundstücke. Josef Ljubic teilt die Meinung nicht. "Wir sind keine Spekulanten, im Gegenteil: Wir wollen den Grund der Familie bewahren."

Im weitläufigen Garten der Familie Ljubic leben Hühner und wachsen Pflanzen. | Foto: Nathanael Peterlini/MeinBezirk
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Um das Grundstück der Eltern nicht möglichen Spekulanten zu überlassen, hat das Ehepaar die Fläche der Schwester abgekauft und besitzt nun insgesamt fast 900 Quadratmeter. "Wir wollten nie die ganze Fläche verbauen, wollten nur ein kleines Haus in der Mitte für die Tochter. Damals wäre das rechtlich möglich gewesen. Nun nicht mehr."

Haus für die Tochter

Gäbe es Alternativen zu der Baufluchtlinie? Etwa ein Heruntersetzen des maximalen Bauvolumens oder der Anzahl der Wohneinheiten? Die Magistratsbehörde bat um Verständnis, man äußere sich nicht zu laufenden Verfahren.

Josef und Silvia Ljubic haben die Petition unterschrieben. Sie haben auch die Möglichkeit genutzt, um Stellung zur Flächenwidmung zu beziehen – wie zahlreiche Nachbarn auch. Diese werden nun behandelt, anschließend wird der Plan dem Gemeinderat vorgelegt. Ob die ernsten Mienen zwischen Hühnern, Blumen und Zucchini dann wieder aufhellen, bleibt abzuwarten.

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