12.06.2018, 12:14 Uhr

Ziesel beim ehemaligen Heeresspital wollen dem Bauprojekt nicht weichen

Die Ziesel am Gelände des ehemaligen Heeresspitals sorgen auch 2018 für Aufregung in Floridsdorf. (Foto: Roman Edlinger)

Die Abwanderung der Ziesel funktioniert laut IGL Marchfeldkanal nicht. Zudem habe es eine hohe Wintersterblichkeit gegeben. Laut Bauträger wird dennoch weitergebaut.

FLORIDSDORF. Ziesel stehen EU- weit unter strengem Schutz. In Österreich befinden sich die Nagetiere sogar an erster Stelle der Roten Liste. Von der einst weit verbreiteten Tierart sind heute nur noch kleine Restpopulationen übrig. Eine der größten Zieselkolonien Wiens ist auf den Grünflächen rund um das Heeresspital in Floridsdorf zu finden.

Genau hier möchte die Stadt Wien aber schon seit Langem neue Wohnungen errichten, die Bauarbeiten dazu haben bereits begonnen. Die Ziesel müssen deshalb weichen. Die Bauträger sprechen von einem geglückten Umsiedelungsprozess. Das sieht die Interessensgemeinschaft Lebensqualität (IGL) Marchfeldkanal jedoch anders. Sie will verhindern, dass weitere Ziesel im Bereich der Baustelle umgesiedelt werden müssen oder sogar sterben.

Umsiedlungsprozess der Ziesel

Lukas Mroz von der IGL Marchfeldkanal erzählt im Gespräch mit der Bezirkszeitung, dass die Behörden bereits im Jahr 2007 von den Zieseln in Stammersdorf wussten. "Obwohl die Tiere in Österreich unter strengem Schutz stehen, wurde der Bau aus sogenannten 'Gründen des überwiegenden öffentlichen Interesses' erlaubt", berichtet er. Diese "Gründe des überwiegenden öffentlichen Interesses" sind zwingende Voraussetzung dafür, überhaupt eine Ausnahmegenehmigung vom Wiener Naturschutzgesetz erhalten zu können. Laut EU-Richtlinie betrifft das unter anderem große Infrastrukturprojekte wie Brücken, Bahnstrecken oder hochrangigen Straßen. "Von privatem Wohnbau ist dort nicht die Rede", weiß Lukas Mroz.

Zudem nahm die Floridsdorfer Bezirksvertretung bereits 2011 einen Antrag auf die Suche nach einem Ersatzgrundstück an, für den sich eine große Mehrheit aussprach. Nichtsdestotrotz startete der Bau des Wohnprojekts 2016, die Umsiedlung der Ziesel war beschlossene Sache. 13 Ziesel, deren Bauten sich im Herbst 2017 noch auf den abzutragenden Flächen befanden, wollte man im April abfangen und umsiedeln. Die meisten von ihnen haben den Winter in Baustellennähe allerdings nicht überlebt. "So viel ich weiß, waren nur noch drei der 13 Ziesel übrig", so Lukas Mroz.

Hohe Wintersterblichkeit bei Baustelle

Den Behörden zufolge komme kein Ziesel zu Schaden, erzählt Mroz weiter. "130 Ziesel im Umkreis von 50 Metern werden massiv durch die Baustelle gestört, sodass sie abwandern, sich nicht erfolgreich vermehren können oder sogar sterben. In Bereichen rund um die Baustelle wurde zudem eine Wintersterblichkeit von über 40 Prozent festgestellt." Die durchschnittliche lokale Wintersterblichkeit von Zieseln beträgt 25 Prozent, ist also deutlich geringer. Die Bauträger errichteten zur Umsiedlung der Ziesel einen Steg, damit die Tiere auf die andere Seite des Kanals abwandern. Das hat Lukas Mroz zufolge bisher nicht allzu gut geklappt:  "Aus einer großen Gruppe sind nun zwei kleinere geworden, die durch den Kanal getrennt sind. In kleinen Gruppen kommt es allerdings viel eher zu Inzucht und dadurch zu Krankheiten und weiteren Problemen."

Um die Öffentlichkeit über die Problematik zu informieren, fand am 10. Juni eine Führung der IGL Marchfeldkanal gemeinsam mit einer Biologin und Zieselexpertin beim Wiener Heeresspital statt. Der PR Consultant des Bauträgers verwies die Bezirkszeitung bei der Bitte um ein Statement auf eine Pressekonferenz am 18. Juni. Dabei werden ein Ziviltechniker und Experte für Landschaftsplanung sowie eine Verhaltensökologin und Zieselexpertin über das Wohnprojekt und die Umsiedlung der Ziesel sprechen. Die nächste Bauphase wurde dem PR Consultant zufolge allerdings bereits genehmigt. "Nicht ohne Grund", wie er betont.
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