25.10.2017, 08:53 Uhr

Auch größere Pflegekinder brauchen Halt

Oswald Hons, BH Freistadt (Foto: Erwin Pramhofer)

Die Bereitschaft, Pflegekinder aufzunehmen, ist groß. Wermutstropfen: Eltern wollen kleinere Kids.

BEZIRK FREISTADT. In 37 Familien im Bezirk werden derzeit 52 Pflegekinder liebevoll betreut. Diese Kinder und Jugendlichen erhalten damit eine Chance auf ein Aufwachsen in stabilen Verhältnissen. Mangel an Plätzen gibt es in unserer Region nicht. Bei der Bezirkshauptmannschaft Freistadt, Abteilung Kinder- und Jugendhilfe, gibt es laufend Anfragen von Interessenten. Der Grund ist sehr häufig Kinderlosigkeit. Dazu der leitende Referent Oswald Hons: „Ein großer Pool ist hilfreich, um das betreffende Kind in die geeignete Familie zu vermitteln. Nicht jedes Kind passt in jede Familie!“ Für eine kurzfristig turbulente Zeit im Leben der Kleinen stehen Krisenpflegeplätze zur Verfügung.
Üblicherweise wird mit dem Hintergrund der Dauerpflege vermittelt. In den wenigsten Fällen kehren die Kinder in ihre Ursprungsfamilie zurück.
Das dürfte auch einer der Gründe sein, warum viele Väter und Mütter kleine Kinder zu sich nehmen wollen. Hons: „Schwierig ist oft, ältere Kinder, Geschwisterkinder und besonders auch beeinträchtigte Kinder zu vermitteln.“ Gefragt sind also vor allem Kinder ohne große „Vorprägungen“. Auch aus diesem Grund werden die Pflegemodelle ständig weiterentwickelt. Freistadt ist in diesem Bereich einer der führendsten Bezirke und deshalb auch in der Konzept-Arbeitsgruppe „Stärkung familiärer Betreuungsformen“ vertreten, die mit Anfang 2018 aktuell wird.
Vor allem die verschiedenen Formen von Pflegeelternschaft und die Unterstützungsangebote sollen in den Mittelpunkt gerückt werden.
Es werden also auch Pflegeeltern gesucht, die flexibel sind und sich vorstellen können, die Schützlinge „nur“ wochentags zu sich zu nehmen. Die Besuchskontakte zu den leiblichen Eltern werden anfangs begleitet. „Ziel ist, dass der Kontakt zur Herkunftsfamilie bestehen bleibt. Maßgeblich ist immer das Wohl der Kinder“, bekräftigt Hons.

Zur Sache:

Ob jemand als Pflegeperson geeignet ist, testet die zuständige Sozialarbeiterin nach einem standardisierten Verfahren unter Einbeziehung von medizinischen und psychologischen Expertisen. Man muss flexibel, belastbar und tolerant sein, und muss mit der Kinder- und Jugendhilfe und den leiblichen Eltern zusammenarbeiten. Interessenten melden sich unter: 07942-702-62 341.

„Kinder sollen nicht in einem Heim aufwachsen“

BEZIRK. Pflegefamilien leisten unbezahlbare Arbeit. „Wir von P und P Sozialforschung haben die Studie ‚Pflegefamilien in OÖ‘ durchgeführt. Auftraggeber war die Kinder- und Jugendhilfe vom Land OÖ“, so Heidemarie Pöschko. In vielen persönlichen Interviews wurde erhoben, was Frauen und Männer motiviert, sich um „fremde“ Kinder zu kümmern. Eine davon ist Eva Penn, die selbst vier eigene Kinder hat und seit 17 Jahren Krisenpflegemutter ist. In dieser Zeit hat sie 36 Kinder betreut. Diese haben kurzfristig (zwischen zwei Tage und über einem Jahr) ein vorübergehendes Zuhause gebraucht, bevor sie wieder zurück zu ihren Eltern und Großeltern konnten. Manche sind auch in eine Pflegefamilie übersiedelt. Außerdem kümmert sich Eva Penn derzeit um einen siebenjährigen Pflegesohn. Ihr und allen anderen Befragten ist es wichtig, dass Kinder nicht in einem Heim aufwachsen müssen. „Es ist eine sehr sinnstiftende Aufgabe“, so eine der Pflegemütter. Ein Pflegevater wiederum rät, ganz genau die Für und Wider abzuwägen. Man müsse schließlich sehr viel Konfliktbereitschaft, vor allem mit der Herkunftsfamilie, und natürlich auch Kontaktfreude mitbringen.

Kommentar:

Wenn eigene Eltern überfordert sind

1954 proklamierte die UNICEF im November einen „Universal Children’s Day“. Ein Tag, an dem die Anliegen der Kinder im Mittelpunkt stehen. Eines davon ist das Recht auf Geborgenheit. Alkohol, Gewalt oder psychische Krankheiten machen die Idylle oft zunichte. Wie gut, dass es Menschen gibt, die sich um Kinder aus Problemfamilien kümmern: Sei es, dass sie kurzzeitig einen Krisen- oder langfristig einen Pflegeplatz anbieten. Dieses Engagement ist nicht hoch genug einzuschätzen! Mit jedem dieser Kinder holt man sich schließlich auch „fremde“ Familien ins eigene Leben. Verständlich, dass manche kleinere Pflegekinder bevorzugen, die leichter lenkbar und weniger vorgeprägt sind. Aber gerade Teenager brauchen enorm viel Rückhalt und jemanden, der gangbare Lebenswege aufzeigt. Eine schwierige, aber lohnende Aufgabe.
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