Unterwegs in Südkärnten
Der gewaltige Bergstock

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Die Petzen/Peca ist ein gewaltiger Bergstock, etwa 11 km lang und 8 km breit, der sich mehr als 1700 m über das nördlich vorgelagerte Jauntal erhebt.

Bis vor wenigen Jahrzehnten stellte noch der Bleibergbau, heute die zahlreichen ergiebigen Quellen den Reichtum der Petzen/Peca dar.  Unter der Petzen (Peca) lagerten bedeutende Blei- und Zink­erze. Auf österreichischer Seite endete der Abbau schon Anfang 20. Jh., auf slowenischer Seite (Mežica) lief er von der ersten Konzession 1665 bis zur Stilllegung 1994.
In mehr als drei Jahr­hunderten wurden rund 19 Mio. t Erz gefördert; nach dem Ersten Weltkrieg stammten etwa 1 % der weltweiten Bleiproduktion von hier.
Der Bergbau prägte die Region mit bis zu 1 000 km Stollen, eigener Schmal­spurbahn und unter­irdischen Kraftwerken – ein zentrales Standbein der lokalen Wirtschaft bis in die 1990er.

Auf dem Weg  zur Hochpetzen

Ich folge nun teilweise der Beschreibung von Manfred Posch in seinem prächtigen Bergbuch Alme, Grate, Gipfelträume:

Der Obere Petzen-Rundmarsch führt von der Bergstation Kabinenbahn auf den Knieps-Sattel und von dort in wenigen Minuten auf den Knieps. Der Knieps ist ein 2110 m hoher Berg. Zur Feistritzer Spitze (Hochpetzen) sind es noch etwa 40 Minuten, der Steig windet sich an den Abbrüchen entlang. Bis zum Gipfel gibt es keine einzige schwierige Stelle. Vorsicht jedoch, wenn noch viel Schnee liegt, dann besteht die Gefahr, auf eine große Wächte zu treten. "Und beim Aufzug eines Gewitters den Grat sofort verlassen", warnte Manfred Posch. Der mächtige Bergstock der Petzen baut sich u.a. aus erzführendem Wettersteinkalk auf und ist somit dem Blitzschlag ganz besonders ausgesetzt. Es folgt ein leichter Abstieg und dann noch einer. Zuletzt geht es sanft ansteigend zum Gipfel auf 2113m. Für den Abstieg bietet sich eine Variante an: Man wandert über Schrofenhänge und Latschenfelder in Richtung Neuberstein, (Neubersch-Steig) wo der Weg nach rechts abzweigt und eine Jagdhütte (Krischa Jagdhütte)sowie eine Quelle erreicht wird. Man wendet sich wieder nach rechts und gelangt nach einem längeren Gegenanstieg im felsdurchsetzten Wald zur Bergstation der Kabinenbahn. Die Tour wird als mittel bis schwierig, die Dauer mit 4 Stunden angegeben. Der Weg wird als P4 bezeichnet.

Die Primula auricula

Manfred Posch schreibt auch über die unwahrscheinliche Blütenpracht der Petzen/Peca: "Uns sind schon bald leuchtend gelbe Gewächse mit großen Blättern aufgefallen. " Die Alpen-Aurikel, die er da sieht, ist eine mehrjährige, immergrüne Pflanze, die sich durch ihre behaarten, rosettenförmigen Blätter und ihre meist gelben Blüten mit gelbem Zentrum auszeichnet. Sie ist auch als Petergstamm bekannt. Die Pflanze ist bekannt für ihre Anpassungsfähigkeit an extreme Bedingungen, wie steile Hänge und wechselnde Feuchtigkeit. Herr Posch präzisiert: "Mit ihren ungemein kräftigen Wurzeln verspreizt sie sich fest im felsigen Grund. Sie erträgt mühelos extreme Temperaturunterschiede und gedeiht sogar in Arealen mit täglichen Temperaturunterschieden von mehr als 50 Grad. Die fleischigen Blätter sind in der Lage, Wasser zu sammeln, welches dann bei anhaltender Trockenheit zur Verfügung steht. Die Aurikel ist gänzlich geschützt." Manfred fand auch Soldanellen, den Frühlingsenzian, die Clusius-Primel, die Küchenschelle, die Zwerg-Primel, sowie in Massen Schneerosen (Helleborus niger), die giftigen, wenn auch so schönen Hahnenfußgewächse.

Matthias Corvinus und die Percht

Eine Petzen-Sage erzählt, dass der legendäre ungarische König Matjaž (Matthias Corvinus) mit seinem schlafenden Heer tief im Inneren des Bergmassivs Petzen/Peca ruht.
Der Überlieferung nach erwacht er jede Mitternacht für eine Stunde, prüft den Zustand der Welt und kehrt dann in die Höhle zurück; eines Tages wird er mit seinen Kriegern zu einer kurzen, aber entscheidenden Weltschlacht ausziehen, nach der Frieden einkehren soll.

Interessant ist, dass der König im Inneren der Petzen/Peca eine Vorgängerin hatte, schreibt Manfred Posch: Auf der Petzen erzählt man sich, dass in stürmischen Rauhnächten eine gewaltige Gestalt – die Percht – über den Kamm zieht. Sie kommt als bleiche Frau in flatterndem Gewand, silbern glänzend wie gefrorener Reif und doch von rauer Wildheit. Vor ihr bimmeln Glocken, hinter ihr dröhnt das Totenheer: eine Schar ruheloser Seelen, die im fahlen Mondlicht über Schnee- und Felsfelder reitet. Wer der Prozession im Wege steht, wird mitgerissen und muss ein Jahr lang im Heer mitlaufen; wer sich rechtzeitig auf den Bauch wirft und schweigt, bleibt verschont. So mahnt die Percht an Ordnung und Respekt vor den dunklen Nächten des Winters.
Wenn die Geisternacht verklungen ist, sagt man, hallen noch lange Kettengerassel und Hufschläge aus den alten Bergstollen, als erinnere der Berg an jene, die einst mit der Percht zogen. Wanderer schwören, zuweilen eine ferne Glocke zu hören – das Zeichen, den Rückweg ins Tal nicht zu spät anzutreten.

Chancen und Herausforderungen

Historisch war die Petzen ein Bergbau-Hotspot von europäischem Rang. Heute liegt das wirtschaftliche Potenzial in sanftem Tourismus (Ski, Bike, Geo- & Unterwelt-Erlebnisse) und im strategisch wichtigen Karst­wasser, das durch koordiniertes Management langfristig gesichert und vermarktet werden soll. Slowenien nutzt an der Petzen/Peca heute primär immaterielle Bergbau- und Naturerlebnisse, flankiert von Holz und dezentraler Wasserkraft. Das Gebiet zeigt damit einen gelungenen Wandel von klassischer Rohstoffförderung hin zu nachhaltiger, diversifizierter Regional­ökonomie – ein Beispiel für erfolgreiche Nachbergbau-Entwicklung im Alpenraum.  Der Tourismus hat sich zum wichtigsten aktuellen Wertschöpfungszweig entwickelt und kompensiert einen Teil der früheren Bergbauarbeitsplätze.

Fotos: Fritz und Lisa Grabner/ Doris und Franz Waditzer
Manfred Posch: "Almen, Grate, Gipfelträume. Die schönsten Kärntner Bergtouren, 2. erweiterte Auflage, Kärntner Druck - und Verlagsgesellshaft m.b.H., Klagenfurt, 1989

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