Kärnten und Friaul im Blickpunkt
Plöckentunnel zwischen Hoffnung und Widerstand
- Der Plöckenpasstunnel spaltet die Gesellschaft. Während die einen in ihm eine Chance sehen, sehen die anderen eine Bedrohung
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HERMAGOR. Der Besuch von Matteo Salvini sorgt für neue Bewegung in der Verkehrspolitik. Der italienische Infrastrukturminister kommt am 18. September zu einem Gipfeltreffen mit seinem österreichischen Amtskollegen Peter Hanke an den Brenner. Neben der Transitachse Tirol steht dabei auch der Plöckenpass im Mittelpunkt der Gespräche. Die italienische Seite drängt auf einen Scheiteltunnel, nachdem die Passstraße nach dem Felssturz im Dezember 2023 über 500 Tage gesperrt war. Laut Experten bietet ein rund vier Kilometer langer Tunnel auf 1000 Metern Seehöhe mehr Sicherheit und eine nachhaltige Lösung für die instabile Passage.
Sicherheit
Die Verantwortlichen in Friaul-Julisch Venetien haben sich bereits klar für den Scheiteltunnel ausgesprochen. Mit bis zu 85 Prozent EU-Förderung und zusätzlicher Finanzierung durch die Europäische Investitionsbank soll das Projekt möglich sein. Das Investitionsvolumen liegt bei 350 Millionen Euro. Ingo Ortner und Enzo Unfer, die eine Studie zum Plöckentunnel veröffentlicht haben, betonen die Bedeutung: „Der Scheiteltunnel sollte als vorrangige Maßnahme weiterverfolgt werden, da er Sicherheit, Erreichbarkeit und ökologischen Schutz in Einklang bringt. Neue Alternativtrassen durch sensible Bergregionen sind aus Naturschutzsicht klar abzulehnen.“
Politischer Rückenwind
Alle 28 Bürgermeister der Region Friaul-Julisch Venetien sowie Regionalpräsident Massimiliano Fedriga und Salvini selbst haben ihre Unterstützung zugesagt. Nun liegt der Ball bei Kärnten und Wien. Landeshauptmannstellvertreter Martin Gruber und Infrastrukturminister Hanke müssen die Linie Österreichs klären. Die Befürworter sehen im Tunnel nicht nur ein Sicherheitsprojekt, sondern auch eine Perspektive für den Nord-Süd-Korridor von Triest bis zum Felbertauern.
Widerstand PRO CARNICUM
Parallel zum wachsenden Druck aus Italien hat sich die grenzüberschreitende Arbeitsgruppe PRO CARNICUM gebildet. Bürgerinitiativen aus Kärnten, Friaul und Tirol lehnen den Tunnel strikt ab. Sie warnen vor zusätzlichem Transitverkehr, hohen Folgekosten und massiven Eingriffen in die Natur. „Dass wir eine sichere Straßenverbindung über den Plöckenpass brauchen, steht außer Frage. Aber es deutet alles darauf hin, dass der so vehement geforderte Scheiteltunnel auch und vor allem dem Transitverkehr dienen soll“, so Sepp Lederer, Obmann des OEAV der Sektion Obergailtal/Lesachtal. Auch die Gefährdung der Wasserversorgung im Buttal wird betont.
Europas Verkehrsstrategie
Die Gegner verweisen auf bestehende und geplante Schienenkorridore wie die Tauernachse. Neue Straßenprojekte widersprächen dem europäischen Green Deal, der den Güterverkehr auf die Schiene verlagern will. Zudem sei die Finanzierung keineswegs gesichert. Der Geologe Maurizio Ponton, Ex-Dozent an der Universität Triest und Gewässer-Experte bei Legambiente FVG betont: „Großflächige Tunnelbohrungen würden gravierende Folgen für den Wasserkörper im Bereich des „Fontanone di Timau“ nach sich ziehen und nicht nur die Trinkwasserversorgung im Buttal von Timau bis Tolmezzo gefährden, sondern auch die Energieversorgung, da das lokale Wasserkraftwerk auf diese Quelle angewiesen ist.“
Entscheidung noch offen
Ob der Plöckentunnel Realität wird, entscheidet sich in den kommenden Monaten. Befürworter und Gegner stehen einander unversöhnlich gegenüber. Der Besuch von Salvini in Österreich könnte zum Testfall für die europäische Verkehrspolitik werden.
Zwischen Studie und Bürgerinitiative
Studie von Ingo Ortner und Enzo Unfer
Bürgerinitiative PRO CARNICUM
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