Nach Landwirtschafts-Kritik
Waizenkirchner Landwirt zu Hans Söllner & Til Schweiger: "Setzt euch mit uns zusammen"

Bio-Kuh soll laut Til Schweiger täglich 23 Stunden lang an der Maschine hängen. Der Waizenkirchner Landwirt Georg Doppler findet: "Erst informieren, bevor man etwas sagt."
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  • Bio-Kuh soll laut Til Schweiger täglich 23 Stunden lang an der Maschine hängen. Der Waizenkirchner Landwirt Georg Doppler findet: "Erst informieren, bevor man etwas sagt."
  • Foto: Doppler
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Biokühe, die 23 Stunden an der Maschine hängen. Landwirte, die das Land kaputt machen. Diese Aussagen von Til Schweiger und Hans Söllner will der Waizenkirchner Landwirt Georg Doppler nicht so einfach hinnehmen. In einem Facebook-Video ruft er beide auf: "Setzt euch mit uns Landwirten zusammen."

WAIZENKIRCHEN (jmi). Landwirt Georg Doppler ist wütend: "Das ist Machtmissbrauch, was ihr aufführt." Gemeint sind Schauspieler Til Schweiger und Liedermacher Hans Söllner. Die beiden Künstler haben kürzlich die Landwirtschaft stark kritisiert.  In einem Interview mit dem Rundfunk Berlin-Brandenburg (rbb) erklärte Schweiger: "Ich habe auch gelernt, dass wenn da 'bio' draufsteht, dass das nicht viel bedeutet. Eine Biomilchkuh darf am Tag vielleicht eine Stunde auf die Weide und dazwischen hängt sie 23 Stunden an der Maschine." Söllner hatte die Bauernproteste in Berlin auf seiner Facebook-Seite im Visier:  "Ihr macht dieses Land kaputt mit euren schweren Maschinen, die Böden verdichtet ihr dass sie kein Wasser mehr aufnehmen , [...] ihr quält eure Tiere und vergewaltigt diese Erde ..." (der Originalbeitrag wurde bereits gelöscht, Anm. d. R.)

Verantwortung wahrnehmen

Diese Aussagen will der Waizenkirchner Landwirt nicht so einfach stehen lassen und erklärt in einem Facebook-Video: "Wir wollen alle das gleiche. Wir wollen eine nachhaltige Landwirtschaft, eine europäische Landwirtschaft. Mit der Herkunft aus Europa, die vor allem noch lange so weiterproduzieren kann weil sie auf die Natur und den Boden schaut." Er appelliert an den Einfluss, den Söllner und Schweiger haben: "Ihr habt eine gewaltige Macht - zehntausende Leute rennen euch nach. Nehmts eure Verantwortung wahr, informierts euch und dann machts den Mund auf. Und dann können wir positiv was verändern. Setzt euch mit uns Landwirten zusammen und setzt eure Macht positiv ein." 

Facebook-Video macht die Runde

Dopplers Video wurde innerhalb von drei Tagen fast 69.000 Mal aufgerufen, 1.200 Mal geliked und 1.500 Mal geteilt. "Ich habe aus der Emotion heraus das Video gemacht. Bin übers Feld gegangen und gesagt, was mir zu diesen Aussagen eingefallen ist", so Doppler zur BezirksRundschau. Ein notwendiger Schritt, wie der Waizenkirchner findet, denn anders als in anderen Ressorts habe die Landwirtschaft kein Testimonial, die als Sprachrohr zu Politikern, Meinungsbildnern und Bürgern fungiert. "Bei den Testimonials geht es immer um Authentizität - und die kann nur ein Landwirt bringen. Über Dinge wie Tierwohl oder Klimaschutz sprechen. Aber auch: Sich zu wehren oder etwas klarstellen gegenüber einem Til Schweiger. Das macht ja keiner für uns."

Viele Herausforderungen - wie etwa die NEC-Richtlinie oder den drohenden EU-Mercosur-Pakt - sieht der Waizenkirchner in nächster Zeit auf die Landwirtschaft zurollen. "Die Politik kann man nicht aus dem Spiel lassen, die Rahmenbedingungen werden ja von ihr gemacht." Eine Rolle spielen freilich auch die Konsumenten. Ihnen will Doppler beispielsweise aufzeigen, wie die Arbeit am Bauernhof verläuft - etwa über seine Storys auf Instagram. Denn viele haben durch Werbung - wie jene mit dem Ja-Natürlich-Schweinderl - noch eine verträumte Vorstellung von Landwirtschaft. "Wichtig ist, dass der Konsument informiert wird: Was gibt es? Wie wird es produziert? Die Konsumenten bestimmen mit jedem einzelnen Einkauf, wie sich die Landwirtschaft vor der Haustüre entwickelt", ist der Landwirt überzeugt. 

Einladung steht noch

Mittlerweile wurde vor allem Schweiger von vielen Landwirten in Österreich und Deutschland auf deren Höfen eingeladen. Auch Dopplers Einladung an den Schauspieler als auch an Söllner steht noch: "Promis sind sich ihrer Wirkung extrem bewusst. Aber sie sollen ihre Anliegen doch in positiver Form vermitteln. Heißt: Egal bei welchem Produkt, sich bei einem Bauern informieren, was die Vor- und Nachteile sind, und dann dies weitervermitteln", betont der Landwirt im Gespräch mit der BezirksRundschau.

Auf seiner Facebook-Seite entschuldigt sich Söllner nun für sein Posting: "Ich habe hier vor ein paar Tagen einen Artikel geschrieben über diese demonstrierenden Landwirte, die konventionelle Landwirtschaft und Tierhaltung. Er wurde von FB (Facebook, Anm. d. R.) entfernt. Ich habe ihn nochmal gelesen und entschuldige mich hiermit für meine Beleidigungen und Verallgemeinerungen die sehr undifferenziert waren." Für die Zukunft plant der Liedermacher einen Abstecher zu den Landwirten: "Ich werde oft eingeladen, mir landwirtschaftliche Betriebe anzuschaun und werde das dieses Jahr tun. Ich bin gespannt was dabei raus kommt." Vielleicht ist auch ein oberösterreichischer Betrieb dabei.

Auf BezirksRundschau-Anfrage beim Management von Til Schweiger heißt es, dass "momentan kein Statement dazu abgegeben werden kann."

Bio-Kuh soll laut Til Schweiger täglich 23 Stunden lang an der Maschine hängen. Der Waizenkirchner Landwirt Georg Doppler findet: "Erst informieren, bevor man etwas sagt."
Einige Tage nach seiner Kritik an den Landwirten entschuldigt sich nun Hans Söllner dafür auf seiner Facebook-Seite. (Screenshot vom 25.01.2019)
Autor:

Julia Mittermayr aus Grieskirchen & Eferding

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