Geschichte wird lebendig: Mit Karl Knor durch Neuberg

Schuldirektor Karl Knor beim Friedensstein in Neuberg-Bergen. Hier war 1945 ein Kriegsschauplatz.
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  • Schuldirektor Karl Knor beim Friedensstein in Neuberg-Bergen. Hier war 1945 ein Kriegsschauplatz.
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Daran, dass Neubergs Geschichte außergewöhnlich gut dokumentiert ist, hat Karl Knor einen guten Anteil. Der Volksschuldirektor hat bisher nämlich schon über 20 Bücher geschrieben. Zum einen deutsch-kroatische Kindertitel und Mathematik-Schulbücher, zum anderen eben auch schon sieben Werke über seinen Heimatort. "Zwei Bücher sind Chroniken, drei sind Bilddokumentationen", erzählt Knor.

Er kann also einiges über Besonderheiten von Neuberg zu erzählen. Zum Beispiel über das schlichte Wegkreuz an einem Feldweg westlich des Ortszentrums. "Es wurde im Gedenken an einen Mann errichtet, der an dieser Stelle im Jahr 1950 von einem Blitz erschlagen wurde", weiß Knor.

Wanderer, Spaziergänger und Walker, die den gern frequentierten Weg benutzen, stoßen weiter nördlich auf einen ehemaligen, mustergültig restaurierten Ziehbrunnen. "Er erinnert daran, dass in früheren Zeiten die Wasserversorgung vor allem in höherer gelegenen Ortsteilen keine Selbstverständlichkeit war", erklärt Knor. Das hier aus der Erde geholte Wasser wurde vor allem zum Tränken des Viehs verwendet.

Zu finden ist der Brunnen übrigens im Ortsteil Kleinfavoriten. Der Name wurde - eher scherzhaft - von einem Neuberger Wien-Pendler geprägt, ging aber sofort in den Sprachgebrauch und sogar in das offizielle Straßennamenregister ein. Seitdem verbindet Neuberg mit dem Wiener Stadtbezirk Wien-Favoriten sogar eine freundschaftliche Beziehung.

Eine Geschichte steckt auch hinter dem Friedensstein am Rande von Neuberg-Bergen, der idyllisch unter schattigen Bäumen aufgestellt wurde. "Hier bezogen russische Soldaten im Jahr 1945 eine Frontstellung, um Neuberg unter Beschuss zu nehmen. Fünf Häuser sind abgebrannt. Der Friedensstein wurde 1995 aufgestellt, als die Jubiläen 50 Jahre Kriegsende und 40 Jahre Staatsvertrag begangen wurden", schildert Knor.

Die Geschichte von besonderen Neuberger Stätten und Bauwerken lassen sich an neuen Informationstafeln ablesen. Die ersten Tafeln - etwa beim Ziehbrunnen und vor der Kirche - sind schon aufgestellt, weitere werden folgen. Sie sind zweisprachig formuliert, denn Neuberg/Nova Gora will seine deutsch-kroatische Identität auch zukünftig zum Ausdruck bringen.

"Im Alltag schwindet das Kroatische vor allem unter Jüngeren zwar merkbar, aber in der Schule und in der Kirche ist es noch immer stark verankert", beobachtet Knor.

Es gibt sogar eine Renaissance der Volksgruppensprache, nämlich unter Zugezogenen und Zugeheirateten. "Wir haben im Herbst über die Volkshochschule einen Anfängerkurs ausgeschrieben, und es gibt schon 16 Anmeldungen", freut sich Knor.

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