Geschichte
Ungarisch Bieling, das verschwundene Dorf an der Grenze

Das Haus der Familie Wolf (Hausname Seppas) war wie die anderen acht Häuser bis 1946 bewohnt. Die Einwohner des Ortes flüchteten vor der drohenden Zwangsaussiedlung.
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  • Das Haus der Familie Wolf (Hausname Seppas) war wie die anderen acht Häuser bis 1946 bewohnt. Die Einwohner des Ortes flüchteten vor der drohenden Zwangsaussiedlung.
  • Foto: Sammlung Böö
  • hochgeladen von Martin Wurglits

Wer heute Ungarisch Bieling sucht, findet es nicht mehr. Das Dorf direkt an der burgenländisch-ungarischen Grenze wurde 1946 verlassen, die Häuser wurden 1954 abgerissen. Seitdem wuchert der Wald über das ehemalige Siedlungsgebiet.

Ungarisch Bieling lag auf einem Hügelzug entlang des Strembachs auf der heute ungarischen Seite des Stremtals, jeweils etwa eineinhalb Kilometer von Hagensdorf und Deutsch Bieling entfernt. 1375 wurde es erstmals urkundlich erwähnt, auch der Bestand einer kleinen Burg ist historisch belegt.

Neun Häuser

Groß war Ungarisch Bieling nie. In der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts lebten hier neun Familien: Wolf (Hausname Martini bzw. Seppas), Bezlánovits, Luka, Loder, Geider, Wolf (Hausname Úil), Wolf (Hausname Altmüllner), Reisinger und Unger. Auch eine Mühle und ein Gasthaus waren in Betrieb.

Deutschsprachig und nach Österreich orientiert

Politisch gehörte Ungarisch Bieling zu Csákánydoroszló, fast alle Leute waren aber schwäbischstämmige Deutsche und hatten ihre Verwandtschaft auf der österreichischen Seite. Sie gingen in Hagensdorf in die Kirche, die Kinder dort in die Schule. Die österreichischen Bauern ließen ihr Getreide in Ungarisch Bieling mahlen.

Flucht vor Zwangsaussiedlung

Nach dem Zweiten Weltkrieg fand das Dorf sein abruptes Ende. So wie in Polen oder der Tschechoslowakei wurden viele Deutschsprechende zwangsausgesiedelt. Die Ungarisch Bielinger kamen ihrer Deportation zuvor, indem sie selbst am 27. Mai 1946 samt ihrem Vieh das Dorf verließen und auf die österreichische Seite flohen. Sie fanden Zuflucht in den Dörfern des Stremtals, in Wien und Fürstenfeld.

1954 abgerissen

1948 wurden in dem ehemaligen Grenzdorf Wachtürme aufgestellt, dann der "Eiserne Vorhang" aus Stacheldraht aufgezogen und Minenfelder angelegt. 1954 wurden acht der neun Häuser dem Erdboden gleichgemacht.

Seit dem Fall des Eisernen Vorhangs 1989 und der Schengen-Grenze 2007 kann man von österreichischer Seite wieder zu der Wüstung gelangen. In dem heutigen Wald- und Unterholzgebiet sind aber nur noch wenige Relikte zu finden: der Schweinestall der Bauernfamilie Wolf, ein alter Brunnen, Reste der Mühlenwehr, der ehemalige Hohlweg, der die Häuser verband, und der Friedhof, auf dem 2013 ein Gedenk-Obelisk aufgestellt wurde. Er hält die Erinnerung wach an die Menschen, die hier beerdigt wurden und die in einem Dorf lebten, das heute verschwunden ist.

Letzte Überlebende

Ein einziger Mensch, der in Ungarisch Bieling daheim war, ist im Jahr 2021 noch am Leben: Maria Wolf wohnt 96-jährig in Wien.

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