Hochwasser in Kärnten
Blackhawk-Einsatz in Waidegg

Der Hubschrauber des Bundesheeres, die Allouette, lädt die mit Schotter gefüllten Big Bags am Waidegger Damm ab
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  • Der Hubschrauber des Bundesheeres, die Allouette, lädt die mit Schotter gefüllten Big Bags am Waidegger Damm ab
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Bundesheer fliegt 120 Panzerigel zur Stabilisierung an den Gaildamm in Waidegg. Krisenstab vor Ort. Rattendorf weiter "Hotspot".

BEZIRK HERMAGOR (lexe). Lokalaugenschein beim Bundesheer-Einsatz in der Marktgemeinde Kirchbach. Es regnet noch immer, Aussentemperatur 10 Grad. Am Waidegger Bahndamm ist erstmal Endstation. Die FF Waidegg hat die kleine Straße abgesperrt. Feuerwehrmann Mario Trattler darf vorerst nur Einsatzfahrzeuge durchlassen. 20 Meter weiter stehen Abteilungsinspektor Albert Schellander und Gruppeninspektor Horst Kanzian von der Polizeidienststelle Kötschach-Mauthen. Es herrscht ein Betretungsverbot! Militärhubschrauber werden erwartet und direkt am Damm hat der Krisenstab noch eine Einsatzbesprechung. 

Am Damm

Die Polizeibeamten schildern der WOCHE die Situation von Montag auf Dienstag in Mauthen:" Wir sind von Station zu Station geeilt. Wir hatten zahlreiche Standplätze. Am Schlimmsten waren aber die Finsternis und das Unberechenbare." Inzwischen ist  auch die Hauptwasserleitung, die dem Hochwasser zum Opfer fiel, in der Obergailtaler Gemeinde wieder hergestellt. Dann ist es soweit! Oberstleutnant Ralf Gritschacher lotst einen nur kleinen Trupp Journalisten weiter. Am Damm sind der Militärkommandant von Kärnten Brigadier Walter Gitschtaler, sein Stellvertreter Oberst Erhard Eder, BH Heinz Pansi, BH-Stv. Günther Fian, BFK Herbert Zimmermann, der Kommandant der FF Waidegg und stv. Gemeindefeuerwehrkommandant Heimo Ramsbacher, der FF-Kdt. von Hermagor Christof Rohr und der Polizeibezirkskommandant Major Werner Mayer. 

Nächtlicher Großeinsatz

Es gibt strenge Verhaltensvorgaben und Teile der Strecke, hinunter ins überschwemmte Gebiet, müssen gelaufen werden, stehenbleiben geht nicht! Der Pilot würde sonst seinen Einsatz abbrechen. Der Anblick des vom Wasser und Schlamm verwüsteten Gebietes löst Bestürzung aus. Die Gail hat sich hier mit unwahrscheinlicher Gewalt über Felder bis nach Rattendorf gerollt und dort mit ihrer zerstörerischen Kraft größten Schaden angerichtet und zur Evakuierung von über 30 Personen geführt. "Es war Nacht, wir haben erst nicht mitbekommen, was da passiert", berichtet der stv. FF-Kdt. von Waidegg Daniel Kronhofer, "erst am nächsten Tag haben wir das ganze Ausmaß erkannt".  Feuerwehrmann Mario Trattler, dem die Erschöpfung ins Gesicht geschrieben steht, geht ins Detail: "Wir haben nichts gesehen, rundum heulten Sirenen und überall war nur noch Wasser."

Verwüstete Landschaft

Das Grüppchen Journalisten steht jetzt im "neuen" Flußbett, auch hier lauert Gefahr in Form von Treibsand ähnlichen Stellen. Grau in grau, Sand, Schlamm, braunes Wasser, Baumstümpfe und Holz lassen die einstigen Felder fremd wirken. Es wird lange Zeit brauchen bis hier wieder Landwirtschaft möglich ist. Mitten in dieser Geröllwüste stehen zwei Holzschuppen. Einer davon wurde für rund 30 trächtige Mutterschafe zur tödlichen Falle. Jetzt sind sie zu hören, die Allouette, einer der Hubschrauber, ist im Anflug und wirkt greifbar nahe. An einem langen Seil fliegt er einen Traktor zu den Schuppen. Der Blackhawk S70 folgt und lässt ein paar Leute aussteigen um die toten Tiere zu bergen. Gleich darauf wechseln sich die Bundesheerpiloten ab. Der eine fliegt die Panzerigel, von LKWs aus einer Villacher Kaserne angeliefert, zur Bruchstelle des Dammes und positioniert präzise Stahlsperre für Stahlsperre. Abgelöst vom zweiten, der die Big Bags zwischen die Panzerigel setzt. Langsam wächst die provisorische "Mauer". Zurück aus dem Schlamm kann die Gruppe wiederum nur im Lauf, um die Maschinen in der Luft nicht zu behindern.

Der Alltag

BFK Herbert Zimmermann berichtet, dass die Freiwilligen Feuerwehren inzwischen wieder zum Tagesgeschäft zurückkehren. Einzig Rattendorf bleibt "Hotspot". Dass sich die dramatischen Ereignisse noch einmal wiederholen glaubt er nicht. Zurück zum Ausgangspunkt geht es für WOCHE Gailtal Redaktionsleiterin Conny Lexe ein Stück im Wagen des Bezirksfeuerwehrkommandanten. Dort ist gerade LAbg. und Bgm. Hermann Jantschgi eingetroffen, der erklärt, dass ein Ende der Aufräumarbeiten in der Marktgemeinde Kirchbach noch nicht absehbar ist. Inzwischen ist jeder durchnässt, Polizei, Mitglieder des Heeres... An der Absperrung der Feuerwehr noch ein Gruß an Mario Trattler, der dem Regen trotzt: "Es muss gehen. Wir sind jetzt jeden Tag krautnass." Dass der Damm brechen kann hätte er nie gedacht und "schon gar nicht in einer Geraden".
Mehr zum aktuellen Thema:
www.meinbezirk.at/hochwasser_kaernten2018

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