07.03.2018, 06:51 Uhr

Eggerforst: Stöberjagd in der Schonzeit!

Frischer Schälschaden (Foto: Bundesforste)
Hermagor: Eggerforst |

Die Entrüstung im Jagdbezirk ist wegen einer Jagd im Feber groß! Die WOCHE berichtet von wirtschaftlichem Schaden, winterlichen Abschussbescheiden und großer Betroffenheit unter Waidmännern.

"Das Wild wurde in der härtesten Zeit des Jahres abgemetzelt", so beschreibt der Gailtaler Aufsichtsjäger Edi Rainer einen Abschussbescheid für den Eggerforst. "Auch das nichts an die Öffentlichkeit dringen sollte" erwähnt der Jäger. Hinter vorgehaltener Hand und am Stammtisch machen Jägern der Region ihrer Empörung Luft: "Abschüsse in der Winterzeit sind massiv unfair gegen das Wild!" Rainer setzt in seiner Betroffenheit noch eins drauf: "Da fragt man sich, ob Jäger, die in der Schonzeit das Rotwild erlegen, nicht den grünen Rock ausziehen sollten!"

Frage der Ehre

Für den passionierten Waidmann aus Presseggen geht es bei den getätigten Abschüssen in der Schonzeit um eine Frage des Gewissens und der Ehre. Auch Oberst Adi Winkler, Jäger, drückt der WOCHE gegenüber seine Empörung über diese "Hetzjagd" aus. Beide wissen um die großen Schäden, die das Wild im Winter im Bezirk Hermagor anrichtet, als Problemverursacher sehen sie die kaum mehr vorhandenen Wildruhezonen und dass es kein Fütterungskonzept für den Jagdbezirk gibt, dass Füttern sogar verboten ist. 

Stöberjagd im Eggerforst

Ein bestimmter behördlicher Bescheid erregt die Gemüter besonders. Es geht um ein Gebiet der Österreichischen Bundesforste im Eggerforst. Dort erging aufgrund massiver Schäden im Wald der Bescheid der BH Hermagor zum Abschuss von 10 Stück Rotwild. Harald Zollner von den Bundesforsten und verantwortlich für dieses Gebiet bestätigt gegenüber der WOCHE Bescheid und Abschuss im Feber.  "Der behördliche Abschussauftrag verlangte eine Erlegung von 10 Stücken Rotwild- Kälber und Hirsche klassenlos, Hirschtiere- die zu diesem Zeitpunkt hochbeschlagen sind- wurden nicht erlegt. Wir hatten bei dieser Jagd bewusst keine Ortsansässigen dabei um die Emotionen nicht zu schüren. Es waren aber in Stöberjagden erfahrene Männer." Seitens der ÖBF werden alle Geweihe der erlegten Hirsche an das Projekt Wald- Wild- Schule von Harald Bachmann übergeben, der die Geweihe als Anschauungsobjekte und Mitgabe für die Schüler verwenden wird.

Große Schäden

Zollner erklärt wie es dazu kam: "Wir sind davon ausgegangen, dass wir im besagten Gebiet schadensfrei über den Winter kommen." Durch die unerwartet große Schneemenge war das Rotwild auf Nahrungssuche unter anderem auf nicht eingezäunte Siloballen gestoßen. Diese haben den Pansen des Rotwildes irreversibel übersäuert. Das Rotwild brauchte danach Raufasern, im Winter ist Baumrinde den Fasern ähnlich. Zollner weiter: "Wären die Silolager ordentlich gegen Futteraufnahme durch Rotwild gesichert gewesen, wäre wahrscheinlich kaum ein Schaden eingetreten. Im Falle des Eggforsts sind die Schäden eindeutig und nachweisbar durch unsachgemäße Silolagerung passiert. Die Landwirte wissen oft nicht, welche massiven Schäden durch Unachtsamkeit passieren können und sind sich deren Tragweite kaum bewusst."

Wald schützen

So nahm das Verhängnis seinen Lauf. Der daraus entstandene wirtschaftliche Schaden ist enorm. Zollner spricht von 14 Hektar die betroffen sind und einer Schadenshöhe zwischen 50.000 und 70.000 Euro. "Das ist keine Spielerei mehr. Wenn ein Baum erst geschält ist, fault er in den Stamm hinein. Ich habe den Auftrag seitens der Republik den Wald zu schützen!" Alternativen zum Abschuss, wie Austreiben, das Wild schält dann in privaten Wäldern und Wickeln der einzelnen Bäume, sieht der ÖBF-Revierleiter aufgrund der großen Flächen - mehrere tausend Bäume wären zu wickeln - als völlig illusorisch an. Auf die Frage nach weiteren Abschüssen während der Schonzeit antwortet Harald Zollner: "Hoffentlich keiner mehr- wir versuchen unser Wild in der regulären Schusszeit zu bejagen- und ein Schonzeitabschuss ist auch für uns die letzte aller letzten Maßnahmen, wenn alle anderen Optionen versagen." 

Keine Notzeit

Im Bezirk Hermagor gibt es neben dem Eggerforst und dem Latschacher Kopf, an dem sich gerade die nächste Problemzone entwickelt, noch andere sogenannte Hotspots in denen Schälschäden überhand nehmen wie in der Gemeindejagd Tröpolach oder im Gitschtal. Peter Gratzer aus Tröpolach: "Ja es gab auch bei uns einen Abschussbescheid der bis 8. März gilt, den wir aber noch nicht erfüllt haben. Bei einer bisherigen Schneedecke von 30 cm war jagen nicht möglich. Erst vor ein paar Tagen habe ich einen Hirsch erlegt." Gratzer gehört selbst zu den Betroffenen: "Bei uns gibt es unvorstellbare Wildschäden!" Zur Jagd in der Schonzeit hat der Jäger eine klare Meinung: "Sie ist dringend notwendig wo Schäden sind, woanders nicht!" Fütterung in Notzeiten hält der Tröpolacher ebenfalls für "wichtig". Eine Notzeit ist für ihn aber derzeit nicht gegeben.

Jäger als Verlierer

Oberst Adi Winkler ist, bei allem Verständnis für die Waldbesitzer, anderer Meinung wenn es um Abschussbescheide geht: "Andere Eigenjagden in der selben Wildregion werden massiv eingeschränkt und da wird das Jagdgesetz mit Füßen getreten. Es gibt genug Jagdausübungsberechtigte, die sich das ganze Jahr über bemühen sich an die Regeln zu halten. Kommt es dabei zu einem Fehlabschuss wird gestraft und man kommt vors Jägerehrengericht. Wer das ganze Jahr über rechtskonform jagt, ist neben dem Wild, der Verlierer!"

Schadensmeldung nötig

Nach der großen Aufregung unter den Jägern wegen Jagd und Erlegung des Wildes im Winter hielten sich Behörden und Bezirksjägermeister bedeckt. Auf die Nachfrage der WOCHE wurden Bescheide bestätigt. Die BH Hermagor durfte keine weiteren Auskünfte geben, da für die WOCHE keine "Parteienstellung bestünde". Bezirksjägermeister Bruno Maurer wollte keinen Kommentar abgeben. BH Heinz Pansi versicherte aber, dass kein Bescheid leichtfertig erginge. Sogenannte "flächendeckende" Schädigungen müssen von der Forstbehörde gemeldet und danach Jäger nach Maßnahmen befragt werden. Dann erst erginge ein Bescheid zum Abschuss.

Zu viel Wild

Auch Bezirksforstinspektor Wilfried Strasser konnte "zur konkreten Sache" keine nähere Auskunft geben. Erläuterte aber die Situation wie folgt: "Heuer ist, durch die Witterung bedingt, seit November viel Schnee gefallen, den das Wild mit den Hufen nicht wegscharren kann. Es kam zur großen Wildkonzentration im talnahen Bereich und Schädigungen." Nach anderen Lösungsmöglichkeiten als Abschüsse in der Schonzeit befragt, antwortet der Bezirksförster: "Eine Möglichkeit wäre es weniger Wild zu haben. Seit dem 2. Weltkrieg ist der Bestand kontinuierlich angestiegen und dem Wild blieben immer weniger Naturflächen. Alles kann man eben nicht haben!" Jede Fütterung helfe seiner Meinung nach zwar "drüber", konzentriere das Wild aber wieder an diesen Stellen. Nach seiner persönlichen Meinung als Jäger nach Abschüssen in der Schonzeit befragt, antworte Wilfried Strasser der WOCHE: "Wenn es in der Schonzeit gelingt eine Gruppe von Rotwild zu erwischen und völlig auszuradieren, ist es gut!" Natürlich wäre Strasser die Dezimierung während der Schusszeit aber lieber. 

Verpflichtet sein

Edi Rainer, seit 40 Jahren Aufsichtsjäger sieht das anders. Für ihn gilt die einzige Ausnahmeregelung im Bezirk. Er darf füttern. Jeden vierten Tag fährt der Hotelier mit seinem Quad auf die Kühwegbodenalm um das Rotwild mit Raufutter zu versorgen. "Ich habe als Jäger auch eine Verpflichtung!". Hier sind die Schäden zurückgegangen. Das Erlegen von Rotwild in der Schonzeit, Bescheid hin oder her, wird für ihn immer unverständlich bleiben: "Jagen ist Charaktersache. Die moralische Schranke muss höher sein als das Gesetz!"
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Caro Guttner aus Spittal | 08.03.2018 | 17:09   Melden
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