21.11.2017, 08:00 Uhr

"Oh, Tannengrün": So viel Arbeit steckt im Christbaum

Mit Liebe und Herzblut hegen und pflegen Johann Fischer, Tochter Natalie und Freund Christopher ihre Christbäume.

"Man braucht Herz und Liebe, damit man gute Bäume zusammenbringt. Wenn man es nur wegen dem Geld macht, wird das nichts", sagt Johann Fischer aus Mittermerking, einer der größten Christbaumbauern Österreichs.

MITTERMERKING (bt). Wenn in etwa einem Monat das Christkind kommt, muss ein passender Christbaum bereitstehen, damit es nicht nur die Geschenke abladen, sondern auch alles schmücken kann. Doch woher kommen all die Bäume? In Niederösterreich von 300 Christbaumbauern - einen davon haben die Bezirksblätter besucht.
Zu verfehlen ist das Haus der Familie Fischer in Mittermerking in der Gemeinde Obritzberg-Rust nicht. Rundherum stehen Christbäume, einer neben dem anderen. In der Kultur sind gerade zwei Männer dabei, frisch geschnittene Bäume per Kran zu verladen. Familienoberhaupt Johann Fischer ist stolz und führt zusammen mit Tochter Natalie und Schwiegersohn in spe Christopher durch seinen Bestand. Per pedes würde das zu lange dauern, denn die Fischers gehören zu Österreichs größten Christbaumbauern. Also rauf auf den Buggy und schon geht es mit Vollgas über Stock und Stein, zwischen den unzähligen Bäumen hindurch. Oben am Süßenberg angelangt, bei der Heimkehrerkapelle bei Karlstetten, bleibt Fischer stehen. Auf diesem Fleckchen startet die Familie am 8. Dezember ihren Verkauf. Hier, im Christbaumerlebniswald, können sich Kunden ihren auserwählten Baum auch frisch schneiden lassen. "Damit füllen wir eine Marktnische", meint der 57-Jährige. Frischer geht's wohl wirklich nicht.

Preise bleiben stabil

Die klimatischen Voraussetzungen für die Christbaumaufzucht sind in Österreich so optimal, wie in kaum einem anderen Land. Dennoch gibt es Ausreißer, so wie den heurigen Sommer mit seiner extremen Trockenheit. "Dafür, dass die frisch gepflanzten Bäume anwachsen, hat es zu wenig Niederschläge gegeben. Da ist sehr viel kaputt gegangen", erklärt Fischer,  beruhigt aber, dass ältere Bäume solche Perioden überstehen. Auf die Preise wird sich die Trockenheit heuer also nicht auswirken.

Unkraut, Schädlinge und adrette Form

Beim Christbaumkauf wird gerne versucht zu Feilschen, wie viel Arbeit aber tatsächlich im ausgesuchten Baum steckt, bedenken nur die wenigsten Verbraucher. In den Wald gehen und einfach eine Tanne oder Fichte umschneiden, damit hat das Christbaumgeschäft nur wenig zu tun. Jahr für Jahr werden auf Feldern Setzlinge ausgesetzt. In den ersten Jahren ist es entscheidend das Unkraut regelmäßig zu mähen. "Später gibt es auch tierische Schädlinge wie Läuse und Käfer, die wir behandeln müssen. Darum gibt es auch den Bio-Baum in dem Sinn fast nicht", sagt Johann Fischer, laut dem es auf das Fachwissen ankommt.
Im Sommer folgt dann der kreative Part. Damit die Bäume nicht zu breit oder unförmig geraten, müssen sie in Form geschnitten werden. "Der selbe Baum entwickelt sich von Jahr zu Jahr anders, hoffentlich wird er schöner. Das ist das Bestreben, deswegen gehen wir jedes Frühjahr raus und arbeiten daran, dass wir schöne Bäume zu verkaufen haben", schwärmt die 23-jährige Natalie, die den Betrieb eines Tages übernehmen will. All diese Arbeitsschritte wiederholen sich immer wieder, für den Durchschnittsbaum acht bis elf Jahre lang.

Keince Chance dem Plastik

Den Großteil ihrer Bäume haben die Fischers, nachdem sie klassifiziert und etikettiert wurden, bereits geschnitten. Denn in dieser Woche beginnt das Hauptgeschäft mit den Händlern.
Für einen Christbaum aus der eigenen Region spricht vieles. Frische, kürzere Transportwege, kleiner ökologischer Fußabdruck und regionale Wertschöfpung zählt Natalie auf. Einem Bäumchen aus Plastik kann die Familie, logischerweise, nicht viel abgewinnen. "Manche Leute sagen Plastik ist besser, weil einen ,toten' Baum stellt man sich nicht auf. Da frage ich mich schon warum ich mir einen Erdöl-Baum aufstelle, der aus China hergefahren worden ist und der Kohlendioxid ausgestoßen hat. Unsere produzieren Sauerstoff", so Johann Fischer, der für jedes Budget den passenden Baum hat. Grundsätzlich gilt, je schwerer und dichter, desto tiefer müssen wir in die Geldbörse greifen.

Wo das Christkind die Bäume holt

Zurück zum Christikind, daran haben auch Natalie und ihre Schwester geglaubt. "Bei vielen Familien bringt das Christkind die Geschenke und den Baum, bei uns brachte es die Geschenke und schmückte den Baum", denkt sie zurück und lacht: "Das Christkind holt die Bäume bei uns ab."

Pflegetipps

• Christbaum bis zum Weihnachtsfest kühl aufbewahren
• Das Christbaumnetz (Verpackung) immer nur von unten nach oben öffnen
• Ein wassergefüllter Christbaumständer hält den Baum länger frisch
• Christbaum am Stammende vor dem Aufstellen frisch beschneiden
• Je kühler der Raum ist, in dem der Christbaum aufgestellt, desto länger halten die Nadeln
• Stellen Sie den Baum nicht neben Heizkörpern auf
• Den Christbaum mäßig feucht halten


Zur Sache: Fakten rund um den Christbaum

300 Christbaumbauern in Niederösterreich produzieren jährlich eine Millionen Christbäume. 2,78 Millionen Naturchristbäume werden Österreichs Wohnzimmer zu Weihnachten zieren. Knapp 90 Prozent, also 2,5 Millionen stammen aus Österreich. Diese sind an der Herkunftsschleife erkennbar. Vier Fünftel von Österreichs Christbäumen werden in Christbaumkulturen gezogen, lediglich ein Füntel kommt aus dem Wald. Der Durchschnittsbaum ist die Nordmannstanne mit 1,6 Metern zu einem Preis von 30 Euro.
40 Kilometer beträgt der durchschnittliche Weg eines heimischen Christbaums vom Feld zum Verkaufsstand. 95 bis 143 Tonnen Kohlendioxid verbraucht ein Hektar Christbäume im Wachstum während 10 Jahren, 70 bis 105 Tonnen Sauerstoff produziert es.

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