03.09.2014, 08:00 Uhr

"Sie schreit mit Dämonen"

Schreie rauben Bewohnern dieses Hauses den nächtlichen Schlaf. Sie bemühen sich um Hilfe, damit auch ihnen geholfen wird.

Nachbarn bangen um die Gesundheit einer besachwalteten Dame. Das Bemühen um Hilfe blieb bisher erfolglos.

ST. PÖLTEN (jg). "HARAKARAKIRA", ahmt Christiane F. die Schreie nach, die sie seit nunmehr fünf Jahren jede Nacht aus dem Schlaf reißen. "Sie schreit mit Dämonen, sie sammelt Haare und Urin", sagt sie über eine Nachbarin in einem Wohnhaus unmittelbar neben dem St. Pöltner Universitätsklinikum, die F. und weiteren Anrainern Sorgen bereitet. Der Frau müsse geholfen werden, sind sich viele einig. Verwiesen wird zum einen auf Urin, der vom Balkon der Mitte 60-Jährigen herunterrinnt, auf das tägliche Geschrei oder auf die Gastherme, die angesichts des Zigarettenkonsums der Frau Gefahrenpotenzial berge. Noch mehr geht es F. aber um das Befinden ihrer Nachbarin selbst: "Eine Freundin von ihr ist vom achten Stock gesprungen. Dann ging es bergab", sagt sie.

"Keine Gefahr in Verzug"

F. wandte sich wiederholt an die Polizei, an das Gesundheitsamt und an den Vizebürgermeister, um für die Dame, die zwischenzeitlich in Mauer behandelt wurde und besachwaltet ist, Unterstützung zu erhalten. Eine gewisse Eigennützigkeit streitet F. dabei nicht ab: "Wenn ihr geholfen wird, wird auch uns geholfen", sagt sie. Würde sich jemand um die Dame kümmern, würde es "ihr total gut gehen", sind Anrainer überzeugt.

Kaum Hürden bis zur Hilfe

Die Bemühungen bei den Behörden blieben bisher mit Verweis auf "keine Gefahr im Verzug" allerdings erfolglos. Lediglich die Sachwalterin habe vor einigen Monaten versichert, für eine Betreuung zu sorgen. Mit Verweis auf ihre anwaltliche Schweigepflicht wollte die Sachwalterin allerdings keine Angaben zu dem Fall machen. Somit bleibt die Frage offen, inwieweit das Bemühen um Hilfe fortgeschritten ist. Grundsätzlich sei es jedenfalls so, dass die Sachwalterschaft, sofern sie entsprechenden Betreuungsbedarf erkennt, eine Heimhilfe oder regelmäßige Arztbesuche organisieren könne, heißt es auf Anfrage vom NÖ Landesverein für Sachwalterschaft. Mit Hürden sei dies kaum verbunden, sofern die finanziellen Mittel ausreichen und sich eine entsprechende Organisation für die Hilfe bereit erklärt.
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