Klima- und Waldgipfel: Zukunft des Waldes durch 3-Säulenstrategie sichern

Obmann der Land&Forstbetriebe Niederösterreich Markus Hoyos, LH-Stellvertreter Stephan Pernkopf, Moderatorin Chritsa Kummer, Landwirtschaftskammer NÖ-Präsident Johannes Schmuckenschlager und Obmann des Waldverbandes NÖ Franz Fischer.
Foto 2: LH-Stellvertreter Stephan Pernkopf, Moderatorin Chritsa Kummer und Landwirtschaftskammer NÖ-Präsident Johannes Schmuckenschlager.
  • Obmann der Land&Forstbetriebe Niederösterreich Markus Hoyos, LH-Stellvertreter Stephan Pernkopf, Moderatorin Chritsa Kummer, Landwirtschaftskammer NÖ-Präsident Johannes Schmuckenschlager und Obmann des Waldverbandes NÖ Franz Fischer.
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PERNKOPF: In Generationen denken, für Generationen handeln

BURGSCHLEINITZ. „Unser gemeinsames Ziel ist es, gesunde Wälder auch für die nachfolgenden Generationen zu sichern. Die Folgen des Klimawandels treffen als erstes unsere Wälder und Äcker. Umso wichtiger ist es Zukunftsperspektiven jetzt zu diskutieren“, erklärt LH-Stellvertreter Stephan Pernkopf im Rahmen des niederösterreichischen Klima- und Waldgipfel im Waldviertel, bei dem 400 Forstwirte, Wissenschaft, Wirtschaft und Politik Zukunftsstrategien diskutierten.

Pernkopf fasst zusammen: „Wir setzen auf eine 3-Säulenstrategie zur Sicherung unseres heimischen Waldes. Im Fokus stehen dabei Forstschutz, ökologische Waldbaumaßnahmen und Klimaschutz. Speziell die Fördermaßnahmen zur Umstellung von Monokulturen auf Mischwaldbestände zeigen Erfolge und sichern damit die gesunde Waldentwicklung in der Zukunft. Die Artenvielfalt im Wald hat weiter zugenommen, der Mischwaldanteil hat sich in den letzten Jahren erhöht.“ In den Jahren 2015 bis 2020 stehen insgesamt 25 Millionen Euro von EU, Bund und Land Niederösterreich für Maßnahmen zur Pflege und Wiederherstellung gesunder Waldbestände zur Verfügung, davon wurden bereits Projekte in der Höhe von 14 Millionen Euro umgesetzt.

War es in den 80er Jahren noch der „Saure Regen“, der dem Wald zusetzte, so ist es nun der vermehrte Schädlingsdruck aufgrund von Wetterextremen. Insbesondere im Waldviertel sind die durch Klimaveränderungen enorm gestiegenen Borkenkäferkalamitäten eine besondere Herausforderung für die niederösterreichischen forstwirtschaftlichen Betriebe. Die für den Wald extrem ungünstigen Sommerperioden (heiß, dürr, trocken) haben die Borkenkäferpopulation bei der Fichte sehr rasch anwachsen lassen. Die Schadholzmenge stieg in Niederösterreich vom Jahr 2014 von 113.000 Festmeter auf voraussichtlich 3 Millionen Festmeter im Jahr 2018. Das entspricht umgelegt einer Fläche von rund 10.000 Hektar oder 14.000 Fußballfeldern. Der Holzeinschlag in Niederösterreich liegt je nach Jahr zwischen rund 3,5 und 4,5 Millionen Festmetern.

Klimawandel angekommen

„Der Klimawandel ist in unseren Wäldern angekommen. Das ist Fakt. Die Waldbesitzer müssen sich auf völlig neue Rahmenbedingungen einstellen. Darauf haben wir reagiert und unsere Beratung in den Bereichen Waldbau und Forstschutz intensiviert“, erklärt Landwirtschaftskammer NÖ-Präsident Johannes Schmuckenschlager.

Markus Hoyos, Obmann der Land&Forstbetriebe Niederösterreich: "Unser Ziel muss sein, den Waldbauern Einkommensmöglichkeiten auf ihren Flächen zu ermöglichen, denn nur dann werden die Wälder von ihnen auch für die Zukunft gesund erhalten werden können. Dafür gibt es eine Reihe von möglichen Maßnahmen wie z.B. Wiederaufforstungsunterstützung, erneuerbare Energieerzeugung, potentielle landwirtschaftliche Nutzungen auf diesen Flächen und vieles mehr. Auf jeden Fall bedarf es mutiger Schritte, um das wirtschaftliche Überleben der betroffenen Waldbauern in den nächsten Generationen abzusichern."

In Niederösterreich hat sich die Jahresmitteltemperatur seit Beginn der Industrialisierung um rund 1,5 °C erhöht. Insbesondere seit den 1990-Jahren erfuhr der Temperaturanstieg eine beachtliche Beschleunigung. Betrachtet man die künftigen Klimaszenarien, dann ist jedenfalls Handlungsbedarf gegeben.

„ÖKS15, die bisher umfassendste Studie zur Klimaentwicklung in Österreichs Bundesländern, lässt eine weitere Erwärmung in Niederösterreich um 1,4 °C bis zum Jahr 2050 und um 2 bis 4 °C bis zum Jahr 2100 erwarten“, sagt Michael Staudinger, Direktor der Zentralanstalt für Meteorologie und Geodynamik (ZAMG). „Die Zahl der Hitzetage, mit mindestens 30 °C, nimmt weiter massiv zu und verdoppelt sich bis zum Jahr 2050 in Niederösterreich. Bis zum Jahr 2100 könnten die Hitzetage sogar um das Drei- bis Vierfache häufiger werden.“

Der Anteil der Fichte konnte in den letzten Jahrzenten kontinuierlich um ca. 20.000 Hektar gesenkt werden, von rund 40 Prozent (1990) auf etwa 36 Prozent (2018). Im Gegenzug stieg der Anteil der Misch- und Laubwälder. Seit 2015 konnten von den Behörden in Summe ca. 8.000 Hektar Waldbaumaßnahmen in Bereichen wie Aufforstung, Bestandsumwandlung oder Jungwuchspflege bewilligt und Unterstützung in der Höhe von 14 Millionen Euro genehmigt werden. Pernkopf: „Wenn wir wissen, dass der Klimawandel bei unseren Wäldern angekommen ist, dann brauchen wir in Zukunft sicher noch verstärkte Unterstützung der Europäischen Union für solche Klima-Wald-Maßnahmen.“

„Jeder Euro der in die Wiederbewaldung und den Forstschutz investiert wird, ist eine Investition für künftige Generationen. Deshalb müssen für diese Maßnahmen auch in der nächsten Förderperiode genügend Mittel vorhanden sein“, bestärkt das auch Franz Fischer, Obmann des Waldverbandes NÖ.

Zudem setzt das Land verstärkt auf den Forstschutz. Im Jahr 2018 wurden in Niederösterreich knapp 7.000 Schadholz-Aufarbeitungsbescheide ausgestellt, das entspricht in etwa einer Vervierfachung gegenüber der letzten Jahre. Ziel der Behörde ist eine gute Kontrolle, um befallene Bäume und das Holz so rasch wie möglich aus dem Wald zu schaffen. Pernkopf kündigt in diesem Bereich die Möglichkeit von Verordnungen statt Einzelbescheiden durch die Bezirksverwaltungsbehörden an, um die Borkenkäferbekämpfung und den Forstschutz noch effizienter zu gestalten und die Verwaltung zu vereinfachen. Ein Augenmerkt gilt dabei Waldeigentümer in Städten, die wenig Zeit für Kontrollgänge vor Ort haben.

Die besten Anpassungsmaßnahmen können nur einem gewissen Temperaturanstieg entgegenhalten. Gerade deshalb müssen auch deutliche Aktivitäten beim Klimaschutz und der Energiewende stehen. „Für die Erreichung der Klima- und Energieziele ist ein nachhaltiger Ausstieg aus fossilen Energieträgern notwendig und kein Weg führt an erneuerbaren Rohstoffen vorbei. Ein klimafitter Wald mit dem Rohstoff Holz nimmt dabei eine zentrale Rolle ein. Deshalb treten wir auch vehement für den Erhalt unserer Holzkraftwerke in Österreich ein. 47 Holzkraftwerke in Österreich erzeugen Strom für hunderttausende Haushalte und schaffen rund 6.000 Arbeitsplätze. Um Schaden in der Landwirtschaft und bei Arbeitsplätzen abzuwenden und die Klima- und Energieziele dennoch erreichen zu können, erfolgt nun eine einfachgesetzliche Lösung auf Bundesebene, die den Ländern ermöglicht, weiterhin Ökostrom und somit die ganze Wertschöpfungskette zu fördern“, so Präsident Schmuckenschlager.

Zahlen und Fakten zum Wald in Niederösterreich

Die Gesamtwaldfläche Niederösterreichs beträgt 790.000 Hektar oder 41 Prozent der Landesfläche von 1,917.431 Hektar. Niederösterreich als flächenmäßig größtes Bundesland hat die zweitgrößte Waldfläche unter den neun Bundesländern. Wirtschaftswald ist Hauptbewirtschaftungsform mit rund 96 Prozent der Waldfläche. Die Hauptbaumarten in den niederösterreichischen Wäldern sind die Fichte, Kiefer, Tanne, Lärche, Buche, Eiche und Esche.

Der Wald ist zudem ein wichtiger Wirtschaftsfaktor für Niederösterreich. Er sichert rund 23.000 Arbeitsplätze im Wald sowie in der holzverarbeitenden Industrie und Gewerbe. Weiters stellt er für 31.000 Betriebe (Waldeigentümer mit land- und forstwirtschaftlicher Fläche) eine wesentliche Lebensgrundlage dar. Der Produktionswert des Wirtschaftsbereiches Forstwirtschaft liegt in Niederösterreich bei rund 400 Millionen Euro.

Die Hälfte des Waldes (50,1 Prozent oder 396.000 Hektar) bewirtschaften Betriebe unter 200 Hektar, 39,3 Prozent oder 312.000 Hektar sind Betriebe mit Forstpersonal und Gebietskörperschaften und 10,4 Prozent oder 82.000 Hektar sind im Besitz der ÖBF AG.

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