Leserbrief
Bis dass das Tauen euch scheidet

Ich bin ein harmloser und gutmütiger Biologe im Ruhestand mit Pitztal – Bezug (geboren in Wenns, jetzt wohnhaft in Haiming, Vater aus Wenns und Mutter aus St. Leonhard), der sich vermehrt Sorgen um unser wunderschönes Land macht.
Wie annähernd 150 000 Unterzeichner der Petition gegen den Zusammenschluss Pitztal - Ötztal beweisen, scheine ich mit meinen Ängsten und Sorgen nicht alleine da zu stehen.
Außer Streit steht für mich persönlich, dass das Pitztal leicht belebt werden muss – allerdings in sanfter, nachhaltiger und umweltverträglicher Art und nicht mit roher, brachialer Gewalt wie mit dem Megaprojekt Gletscher -
Ehe!
Vor allem schockiert mich das Bild in der Öffentlichkeit, das unsere Tourismus - Experten europaweit in den letzten Monaten hinterlassen haben. So musste ich in der neuesten Ausgabe des Monatsmagazins „Natur“ (die älteste deutschsprachige Zeitschrift, Erstausgabe 1904) zähneknirschend zur Kenntnis nehmen, dass der Geschäftsführer der Pitztaler Bergbahnen Rainer Schultes bereits nach kurzer Amtszeit von diesem Magazin mit dem „Hammer des Monats“ ausgezeichnet wurde.
Diese mehr als fragwürdige Auszeichnung wird Monat für Monat an welt-
weit besonders umweltbelastende Projekte vergeben. Leider haben sie dabei den Ehepartner der Gletscher-Ehe, nämlich den Geschäftsführer der Ötztaler Bergbahnen Jakob Falkner vergessen mit auszuzeichnen, was ich hiermit nachholen möchte.
Aber wen wundert es, wenn Monat für Monat vermehrt mehr als irritierende Bilder in den Medien auftauchen. So z.B.ist mir als Biologe nicht bekannt, dass überdimensionierte Schaufelbagger, die die Gletscherspalten einebnen, zum natürlichen Inventar eines Gletschers zählen. Wenn dann zusätzlich schwarz agierende (im Sinne von illegal) Sprengmeister im Bereich des Brunnenkogels ihr Unwesen treiben und weiße Schneebänder im Spätherbst (Kitzbühel und Resterhöhe bei Mittersill) die noch sattgrünen Almwiesen verunzieren – dann hängt das Bild endgültig schief.
Es wird nicht ausreichen, illegale Sprengarbeiten durch legale zu ersetzen und mit stolzgeschwellter Brust den allmächtigen Ehepartner zu spielen, um dieses desaströse Bild wieder gerade zu rücken.
Vielleicht wäre jetzt der richtige Zeitpunkt, in sich zu gehen, eigene Fehler einzugestehen und zukünftige Projekte mit etwas mehr Demut gegenüber unseren Naturschönheiten zu verfolgen.
Vielleicht hat aber Woody Allen mit seiner ironischen Betrachtungsweise „ die Ehe ist der Versuch, zu zweit mit Problemen fertig zu werden, die man alleine nie gehabt hätte“; ja doch recht.
Dabei haben wir die Problematik der großen Fragen leider gänzlich aus den Augen verloren, nämlich: Wieviel an Tourismus verträgt unser Land eigentlich noch? Wie verhindern wir den Verkehrskollaps und wie schränken wir den Ausverkauf unseres Landes durch Großinvestoren ein?

Gabl Ernst
6425 Haiming

Autor:

Petra Schöpf aus Imst

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