Demo gegen Fernpass
Trillerpfeifen am Fernpass verstummen nicht
- Zum zweiten Mal wälzte sich die Protestschlange in Richtung Fernstein.
- hochgeladen von Hubert Daum
Bereits zum zweiten Mal wollten Anrainer und sonstige besorgte Bürger mit dem Protestmarsch auf beiden Seiten des Fernpasses kundtun, dass sie das 500 Millionen Euro schwere "Fernpasspaket“ strikt ablehnen. Brisante Aussage aller Oppositionsparteien!
NASSEREITH. „Am Fernpass tut sich was“ – das war der Slogan, mit dem die Landesregierung am 24. Jänner 2024 in Reutte das 500 Mio.-Euro-schwere „Fernpasspaket“ mit Sanierung Lermoostunnel, Bau der zweiten Röhre und mautpflichtigem Fernpassscheiteltunnel erstmals vorgestellt hat. Zweieinhalb Jahre später tut sich wirklich was: Verzweifelte Bürger gehen auf die Straße! Am Samstag bereits zum zweiten Mal, sowohl in Nassereith, als auch in Reutte! Anrainer fürchten nichts Geringeres als die Zerstörung ihres Lebensraumes und jenes ihrer Kinder und Enkel. Sie fürchten eine neue Transitroute, weil die Existenz eines Tunnels die Fernpassstraße auf ein höheres EU-Niveau hieven werde und somit die Gewichtslimitierung von 7,5 t für Lkw mit Sicherheit nicht mehr zu halten sei. Außerdem finden sie eine „Sauerei“, zweimal 14 Euro zu zahlen, wenn sie zum Beispiel ins Reuttener Krankenhaus müssen oder etwa der Enkel zum Fußballspiel ins Lechtal gebracht wird.
Alle Baumaßnahmen angeblich gestoppt
Es tat sich also nach der ersten Demo am 27. Juni erneut was am Reuttener Katzenberg und im Nassereither Fernstein. Zwei weitere Protestmärsche gegen die Landespläne, auch weil diese durch die schockierenden Aussagen des Generalanwaltes des EU-Gerichtshofes bezüglich der Tiroler Transitmaßnahmen neue Brisanz erlangten. Allerdings auch mit neuem Rückenwind: Die Bürgerinitiative (BI) Gurgltal – Außerfern – Mieminger Plateau beeinspruchte den naturschutzrechtlichen Bescheid des Landes für den Tunnelbau und fand dafür mit dem Verein „verkehrswende.at“ mit Sitz in St. Pölten einen Partner. Und weil dieser eine staatlich anerkannten Naturschutzorganisation ist, kann sie Parteistellung einmahnen. „Die an das Tiroler Verwaltungsgericht eingebrachte Beschwerde hat deswegen aufschiebende Wirkung“, berichtet BI-Sprecher Ludwig Gruber, „jegliche Baumaßnahmen sind nun bis auf Weiteres gestoppt.“
Karten nach Wahl neu gemischt?
Insgeheim hoffen natürlich die Projektgegner eine Verzögerung bis zur Landtagswahl im Herbst 2027 und dass die Karten dann neu gemischt würden. Auch diese Hoffnung ist nicht unbegründet, denn alle vier Oppositionsparteien marschierten brav mit – mit Transparent. Völlig unmissverständlich verkündeten FPÖ (Gudrun Kofler), Liste Fritz (Robert Greil), Die Grünen (Petra Wohlfahrtstätter) und Neos (Susanna Riedelsperger) unisono, dass sie versuchen werden, das Projekt zu stoppen, sollten sie Teil der nächsten Regierung werden. Nicht stoppen werde laut Kilian Tangl die BI ihre Bemühungen, den Tunnelbau zu verhindern. Notfalls werde man alle Instanzen bis nach Brüssel bemühen. Von diesem heißen Vormittag nichts mitbekommen haben die Politiker der Regierungsparteien ÖVP und SPÖ. Sie verweigerten ihre Anwesenheit – auch am Diskussionspodium – und bekamen somit die „Abwesenheitsmedaille“ (siehe Foto) gedanklich überreicht. (dah)
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