Im Gespräch mit Gregor Danler, dem Besetzungsreferenten der Tiroler Schiedsrichter
„Eine Schule fürs Leben“

Gregor Danler ist Besetzungsreferent der Tiroler Schiedsrichter.
  • Gregor Danler ist Besetzungsreferent der Tiroler Schiedsrichter.
  • Foto: Daniel Scharinger
  • hochgeladen von Peter Leitner

TIROL. Erfahrung hat der frisch gebackene Diplomkrankenpfleger trotz seiner erst 33 Jahre schon jede Menge. Denn Gregor Danler aus Absam begann seine Schiedsrichterkarriere bereits vor 17 Jahren. Als Besetzungsreferent hat er allwöchentlich eine Monsteraufgabe vor sich. Denn die Frage, wo welcher Schiedsrichter pfeifen soll, lässt bei ihm stets gehörig den Kopf rauchen.

Gregor, wie viele Spiele musst du pro Woche besetzen?
Beginnend bei der U13 bis hinauf zur Regionalliga sind das zwischen 200 und 250 Partien. Bei einer Doppelrunde erhöht es sich auf bis zu 350 Spiele.

Das klingt nach jeder Menge Arbeit.
Das kann man so stehen lassen. Zehn bis 15 Stunden sind neben dem Brotberuf nötig, bis alles geregelt ist. Zumal es viele Faktoren zu berücksichtigen gilt.

Die da wären?
Es stehen zum Beispiel nicht immer alle Schiedsrichter aus dem vorhandenen Pool zur Verfügung. Bis zu zehn Tage vor einer Runde kann sich ein Unparteiischer abmelden. Im Krankheitsfall muss sogar oft kurzfristig und wenige Stunden vor dem jeweiligen Spiel reagiert werden. Auch soll ein Schiedsrichter in der Regel vier bis fünf Wochen nicht die selbe Mannschaft wieder pfeifen.

Wie viele Schiedsrichter stehen insgesamt im Tiroler Fußballverband zur Verfügung?
Aktuell sind es ca 210 Schiedsrichter und Schiedsrichterinnen. pro Besetzungszeitraum stehen ca. 130 bis 170 zur Verfügung.

Das ist ausreichend?
Nein, überhaupt nicht. Gerade an der Peripherie wie in den Bezirken Kufstein und Kitzbühel sowie im Oberland und Außerfern würden wir dringend mehr Schiedsrichter benötigen. Passen tut die Zahl eigentlich nur in Innsbruck. Gut die Hälfte aller Unparteiischen, die für uns pfeifen, kommen aus der Landeshauptstadt.

Wie könnt ihr dem Mangel an Schiedsrichtern entgegen wirken?
Wir betreiben sehr viel Werbung. Und natürlich hoffen wir auch, dass sich ehemalige Spieler bereit erklären, so ein Amt zu übernehmen. Das wäre der Idealfall. Denn wer selbst gespielt hat, spricht auch die Sprache der Spieler. Und das ist in der Kommunikation am Spielfeld ein unschätzbarer Vorteil.

Muss nicht jeder beim TFV gemeldete Verein automatisch einen Schiedsrichter stellen?
Diese Regelung wurde abgeschafft. Deshalb können wir aktuell nur an die Vereine appellieren, dass sie potentielle Kandidaten zur Ausbildung schicken.

Welche Voraussetzungen müssen erfüllt sein, damit jemand Schiedsrichter werden kann?
Das Mindestalter ist 14 Jahre. Ein einwandfreier Leumund und beste Kenntnisse der deutschen Sprache sind ebenfalls nötig. Und natürlich muss das körperliche Leistungsvermögen passen.

Gibt es eine Altersgrenze nach oben?
Nein, die lag früher bei 48 Jahren, wurde aber abgeschafft. Es müssen allerdings die Lauftestlimits erfüllt werden.

Wie läuft die Ausbildung ab?
Jedem Kandidaten werden inzwischen die nötigen Unterlagen zugeschickt. Zum gegebenen Zeitpunkt gibt es dann einen Aufnahmetag mit Regeltest in Innsbruck.

Das klingt vom Ablauf her ziemlich einfach.
Ist es auch, da wurden gute Vorarbeiten geleistet. Aber: Neue Schiedsrichter gewinnen, ist die eine Sache. Dass sie die Funktion dann auch länger ausüben die andere.

Was wohl auch daran liegt, dass Schiedsrichter mitunter Freiwild sind und zahlreiche Beschimpfungen über sich ergehen lassen müssen.
Das ist inzwischen schon oft arg, was du da so zu hören bekommst. Es ist aber dann auch der Job eines Schiedsrichters, da drüber zu stehen.

Oft wird auch mangelnder Respekt zwischen Spieler und Schiedsrichtern beziehungsweise Trainern und Schiedsrichtern angesprochen. Wie siehst du das?
Das ist ein sehr schwieriges Thema. Grundsätzlich sitzen wir alle im selben Boot. Und deshalb sollte untereinander auch eine respektvolle Kommunikation möglich sein. Mir ist sehr wohl bewusst, dass Emotionen zum Sport gehören und Trainer oder Spieler am Platz ein unschönes Wort schneller aus dem Mund rutscht, als im Privatleben. Aber nach dem Spiel muss die Sache wieder vom Tisch sein und man sollte in der Kantine sachlich diskutieren können. Generell bin ich der Meinung, dass man Respekt nur einfordern kann, wenn man diesen auch entgegenbringt. Und das wird mit einer ständigen Beleidigung oder Verspottung nicht möglich sein.

Vielfach wird euch Schiedsrichtern vorgeworfen, ihr seid bei Fehlern uneinsichtig.
Ein weiteres schwieriges Thema. Ich persönlich bin jedenfalls der Meinung: Wenn sich herausstellt, dass ich offensichtlich einen Fehler begangen habe, dann stehe ich auch dazu. Spieler machen Fehler, Trainer machen Fehler – auch wir machen Fehler. Aber niemand macht das mit Absicht. Und wir können eben auch nur auf die gleichen Sinnesorgane zurückgreifen, wie Spieler oder Trainer.

Hast du es je bereut, Schiedsrichter geworden zu sein?
Nein, niemals. Die Arbeit als Schiedsrichter sehe ich auch als Schule fürs Leben. Es ist ein andauernder Lernprozess und macht mir enormen Spaß.

Abschließend: Wohin muss sich jemand wenden, der Schiedsrichter werden will?
Das ist über die Homepage www.schiri.at im Internet möglich oder gerne auch über unsere Nachwuchsreferenten Johannes Härting und Serdar Celik.
Das Gespräch führte Peter Leitner

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