Kreuzschwestern
Kindheitserlebnisse waren Schule fürs Leben
- Sr. M. Johanna (li) und Sr. M. Elisabeth Brandstätter
- Foto: Sr. M. Elisabeth Brandstätter
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Die beiden gebürtigen Pernzeller Geschwister Sr. M. Johanna und Sr. M. Elisabeth Brandstätter, beide vom Orden der Kreuzschwestern, feiern im Februar Geburtstag. Bei Sr. M. Johanna Brandstätter, die in Indien lebt, ist es der Hundertste.
PERNZELL. LINZ. INDIEN. Den Großteil ihres Lebens haben die beiden Schwestern im Missionseinsatz in Indien verbracht. Sr. M. Johanna ist ausgebildete Lehrerin und hat in London Englisch studiert. Dank ihrem Pioniergeist entstanden unter anderem Schulen, Kindergärten und Internate für Ureinwohnermädchen. Ihren Ruhestand verbringt sie im Kreuzschwesternkloster in Bangalore in Indien. Dort feiert sie am 21.02.2022 auch ihren hundertsten Geburtstag.
- Sr. M. Johanna Brandstätter feiert ihren hundertsten Geburtstag in Indien
- Foto: Brandstätter
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Sr. M. Elisabeth, ausgebildete Sozialpädagogin und Kindergärtnerin, lebt nun seit einigen Jahren wieder in Linz. Während ihrer langjährigen Tätigkeit als Missionsschwester in Indien wurden unter ihrer Führung Kapellen, Schulen, Internate und Tiefbrunnen errichtet. Sie hat uns anlässlich ihres 85. Geburtstages am 10.02.2022 einige Fragen beantwortet und aus ihrem Leben erzählt.
- Sr. M. Elisabeth im Missionseinsatz in Indien
- Foto: Brandstätter
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Wie haben Sie Ihre Kindheit in Erinnerung?
Ich bin in einer großen Geschwisterschar in Pernzell/Grünburg aufgewachsen. Ich erinnere mich an die liebende Sorge der fünf älteren Schwestern, an Ball- und Fangspiele und das Herumtreiben auf der Wiese vor dem Haus, die voller Gänseblümlein war. Wir Geschwister, es waren zehn, haben Geschichten erfunden und sie einander beim Schaukeln erzählt. Im Winter haben wir Schneeballschlachten gemacht und Schneemänner gebaut, sind Schlitten und Schi gefahren, mussten aber auch die zugeteilten Ämtchen verrichten: viele Schuhe putzen, Scheiter aufschichten und hinein tragen, den Hof kehren, beim wöchentlichen gründlichen Putzen mithelfen, Tisch decken etc.
Ich erlebte Freude am christlichen Glauben: Es gab ein Gebet vor und nach dem Essen und jeden Samstag ein Rosenkranzgebet. Letzteres im Sommer in Prozession zu unserer Voitsberger Kapelle. Die Teilnahme der ganzen Familie am sonntäglichen Gottesdienst war selbstverständlich. Die Weihnachts- und Osterbräuche stärkten unsere Verbundenheit zueinander. Der sonst so strenge Vater bastelte für uns Kinder Weihnachtsüberraschungen. Die Mutter war eine gute Köchin. Zwei Aussagen von ihr sind mir besonders in Erinnerung geblieben:
"Kopf hoch und mitten durch" - "Es is net wias kimt, es is wia mas nimmt, drum is neta oading, nimmt mas schwa oder gring," sind zwei Aussagen, die Sr. M. Elisabeth an ihre Mutter erinnern.
- Voitsberger Kapelle beim Elternhaus in Pernzell
- Foto: Sr. M. Elisabeth Brandstätter
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Am jährlichen Osterbeichttag gab es besonders gutes Essen. Mutter bewirtete Besucher immer gut! Nach dem zweiten Weltkrieg nahmen wir drei Flüchtlingsfamilien auf, da rückten wir selbstverständlich näher zusammen. Der Vater sorgte für weitgehende Selbstversorgung aus den steilen Hängen. Es war harte Arbeit zusammen mit einigen Dienstboten. Da die Knechte in den Krieg mussten, waren die fünf älteren Schwestern Vaters Hilfe.
Meine Kindheitserlebnisse waren für mich eine Schule fürs Leben. Es gehören aber auch negative Erfahrungen dazu: Herausforderungen, sowie Fehler und Schwächen in meiner Familie.
Das Elternhaus war das eine Daheim - Die Pfarrkirche mit dem ewigen Licht war das andere, auch damals schon. Alle Schultage zogen wir Kinder um kurz nach sechs am Morgen los. Es war ein dreiviertelstündiger Weg zur geliebten Heimatkirche Grünburg, um der Hl. Messe beizuwohnen. Danach ging es dann in die Schule. Auch die Jungschar und die Katholische Jugend spielten beim Heranwachsen eine Rolle.
Wie kam es dazu, dass Sie Ihre Berufung als Missionsschwester fanden - genau wie Ihre Schwester Johanna?
Ich war besonders aufnahmebereit für den religiösen Einfluss meiner fünf älteren Schwestern - drei von ihnen wurden Kreuzschwestern in Linz. In unserer Familie hatten wir die Zeitschriften "Stadt Gottes" und "Jesusknabe", wie auch Heiligenlegenden, die ich fleißig las. So erwachte von Kindheit an der Wunsch, in die Mission zu gehen.
Was waren wichtige Lebensstationen? Gab es gemeinsame Projekte in Indien mit Ihrer Schwester?
In meinem 54jährigen Missionsleben war ich nie zusammen in einer Kommunität mit meiner Schwester M. Johanna. Indien ist ja riesengroß. Trotzdem trafen wir uns gelegentlich. Meine Schwester war schon immer beseelt von Weitsicht und Pioniergeist. Sie rief die GRIHINI BEWEGUNG, eine Ausbildung für Analphabeten, vor allem Dorfmädchen, ins Leben. Sie träumte davon, Kindern von Eltern ohne Bildungszugang einen Kindergarten zu ermöglichen. Das weckte auch mein Interesse, eine Zusatzausbildung in Montessori Methodik zu machen. Ich war begeistert davon und baute anschließend eine Ausbildungsstätte für Kindergärtnerinnen auf. Manchmal wurde ich auch mit Bauprojekten beauftragt.
"Im Kloster ist man nie ein Einzelgänger, als Gemeinschaft können wir vieles bewirken, getragen vom gläubigen Gebet," sagt Sr. M. Elisabeth Brandstätter.
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