Festmahl für die Waldbewohner
Mastjahre halten den Wald im Gleichgewicht
- Alle drei bis sechs Jahre kommt es bei uns zu einem Buchenmastjahr. Auf einem Hektar, so Mayrhofer, verteilen sich dann hunderttausende Buchensamen.
- Foto: Bundesforste
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2024 war ein sogenanntes Buchenmastjahr. Was das bedeutet, weiß Rudolf Mayrhofer vom Nationalparkbetrieb Kalkalpen der österreichischen Bundesforste.
REGION KIRCHDORF-STEYR. Mit dem Begriff "Mast" sind in der Forstwirtschaft die Samen von Waldbäumen gemeint. Die Anzahl an Samen variiert jährlich. Von einem Mastjahr spricht man, wenn alle Bäume dieser Baumart in einer Region in einem Jahr außergewöhnlich viele Samen und Früchte bilden. Wodurch Mastjahre ausgelöst werden und wie sich die Bäume das jährlich ausmachen, ist auch für die Wissenschaft noch ein Rätsel. Die unregelmäßig wiederkehrenden Mastjahre haben für unsere Wälder jedoch eine sehr große Bedeutung und halten diese in einem ökologischen Gleichgewicht.
Der Wald erneuert sich
2024 war ein sogenanntes Buchenmastjahr. Bereits im zeitigen Frühjahr hat der Gebietsbetreuer des Nationalparkbetriebs Kalkalpen der österreichischen Bundesforste, Rudolf Mayrhofer, bei den Nistkastenkontrollen der Waldkäuze – einer Eulenart – festgestellt, dass diese nicht besetzt waren. Für ihn war das ein erster Hinweis auf ein möglicherweise bevorstehendes Mastjahr: Die Eulen, die sich vor allem von Mäusen ernähren, haben wohl keine Nahrung gefunden. Auch Pollenallergiker spüren die Vorboten frühzeitig, da in diesen Jahren besonders viele Pollen unterwegs sind, die von den zahlreichen Blütenknospen produziert werden.
„Die entstandenen Samen sind genetisch dieses Jahr besonders vielfältig und daher sehr wertvoll für die nächste Baumgeneration, da sie besonders viele Informationen in sich tragen und sich zum Beispiel besser an Klimaveränderung anpassen können.“
Rudolf Mayrhofer
Alle drei bis sechs Jahre kommt es bei uns zu einem Buchenmastjahr. Auf einem Hektar, so Mayrhofer, verteilen sich dann hunderttausende Buchensamen. Für die Bäume, die sich dadurch verjüngen, ist das eine Überlebensstrategie. "Würden sie jedes Jahr so viele Samen tragen, gäbe es auch dauerhaft sehr viele Fressfeinde." Außerdem ist so ein Mastjahr anstrengend, "der Baum steckt dann zwei Drittel seiner Energie in die Produktion der Samen, das kann er sich nicht jedes Jahr leisten.“ Die Bucheckern sind dadurch äußerst nährstoffreich und schmackhaft. "Es ist energiereiche Nahrung – so, als ob wir Studentenfutter essen", so der Gebietsbetreuer.
- Rudolf Mayrhofer im Gespräch.
- Foto: Bundesforste
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Auch die Tiere profitieren
Bei Herbst- und Winterspaziergängen finden sich zahlreiche der dreieckigen Bucheckern in ihren hölzernen Fruchtbechern. Ab September fallen die Bucheckern aus ihnen hinaus. Das Festmahl für Siebenschläfer und Mäuse beginnt und läutet ein sogenanntes „Mäusejahr“ ein, welches auf jedes Buchen-Mastjahr folgt. Die Siebenschläfer zeigen im Herbst bereits höhere Paarungs- und Fortpflanzungsaktivität und beziehen dabei oft unliebsam Jagdhütten und Dachböden. Die Mäuse hingegen warten dafür auf die geschlossene Schneedecke, um vor Greifvögeln und Füchsen sicher zu sein und nach Herzenslust zu schlemmen.
Die Buche: "Mutter des Waldes"
Die Buche wird als "Mutter des Waldes" bezeichnet. Ihr Laub ist sehr gut für die Humusbildung und die Bodenlebewesen. Sie meint es aber offenbar auch mit anderen Tieren gut. So finden etwa Rotwild, Wildschwein, Gams und Rehwild die Bucheckern äußerst schmackhaft. Schwierig wird´s für die Jäger, weil sich das Wild nicht auf den Freiflächen aufhält, sondern den ganzen Tag im Wald steht und Bucheckern nascht. „Das Wild bekommt in dieser Zeit goldene Läufe“, beschreibt es der Nationalpark-Mitarbeiter. Die Wildtiere nehmen dadurch rasch an Gewicht zu und die Wintersterblichkeit sinkt deutlich. Auch die Fütterungen werden vor der geschlossenen Schneedecke weniger angenommen. Auf ein Mastjahr folgt also oft ein Mäusejahr. Und auch jene, die sich von Mäusen ernähren – ob Waldkauz, Fuchs oder Schlangen, werden im Jahr nach dem Mäusejahr viele Junge haben.
Große Bedeutung der Buchenmast
Abschließend fasst Rudolf Mayrhofer zusammen: „Der dynamische Kreislauf aus fressen und gefressen werden, der mit einem Mastjahr der Buche immer wieder von Neuem beginnt, ist unglaublich wichtig für unseren Wald. Im Nationalpark Kalkalpen kann man erleben, wie diese Dynamik die Natur ins Gleichgewicht bringt und unsere Weltnaturerbe-Wälder gesund hält.“ Mit dem Klimawandel werden die Abstände zwischen den Mastjahren kürzer, mit vermutlich negativen Folgen für diese fein abgestimmte, natürliche Dynamik im Buchenwald.
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