30.05.2017, 10:13 Uhr

Exkursion auf den Spuren der Felsenschwalben

Im Veichltal und im Bereich der Kampermauern, am südlichen Rand des Nationalpark Kalkalpen, wurden in den vergangenen Jahren gelegentlich Felsenschwalben beobachtet. Im Rahmen einer Exkursion sollte nun die Frage geklärt werden, ob der Bestand noch vorhanden ist.

BEZIRK. „In Österreich kommen fünf Schwalbenarten vor. Bekannt sind vor allem die Mehl- und Rauschwalben. Gerne legen sie in Stallgebäuden und an Hauswänden ihre Nester an, wo sie dann brüten. Sehr viel seltener kann man Uferschwalben beobachten, denn diese brauchen senkrechte, sandige Steilufer an Flüssen, in die sie Brutröhren graben und in Kolonien leben. Auch die Rötelschwalbe kommt äußerst selten und nur sehr punktuell in Österreich vor. Diese Art zu beobachten ist auch für einen Vogelkundler ein Glücksfall. Die Felsenschwalbe, die bevorzugt im Mittelmeerraum lebt und sehr wärmeliebend ist, kommt überhaupt erst seit 1989 in Oberösterreich vor“, so begrüßte Vogelkundler und Nationalpark Ranger Norbert Pühringer die Teilnehmer der Felsenschwalben-Expedition im Nationalpark Kalkalpen.

Vor Kurzem wurden mit Ferngläsern und Spektiven mehrere felsige Standorte am Südrand des Nationalpark Kalkalpen, darunter das Veichltal in der Nationalpark Gemeinde Roßleithen und die Kampermauern in der Nationalpark Gemeinde Rosenau am Hengstpaß, aufgesucht, um zu eruieren, ob es noch einen Bestand an Felsenschwalben gibt.

Im Veichltal konnten zwar Mäusebussarde, ein Wespenbussard und mehrere Turmfalken erkannt werden, aber von den hier ebenso schon gesichteten Felsenschwalben gab es kein Lebenszeichen. Auch im Bereich der Kampermauern schien die Expedition zunächst keinen Erfolg zu bringen. Erst im südöstlichsten Bereich konnte ein Vorkommen der Fels bewohnenden Schwalbe wahrgenommen werden. Ihr graziler, wendiger Flug mit spontanen Manövern war unverkennbar. Bei näherer Untersuchung stellte sich heraus, dass es sich um zwei Brutpaare handelt, die ihre Nester sehr geschützt unter einem überhängenden Fels gebaut haben. Leider führen Kletterrouten direkt an den Brutnestern vorbei und längere Störungen können schnell zum Brutausfall der selten Schwalbenart führen. „Felsenschwalben können zwar zweimal brüten, doch angesichts des dramatisch geringen Bestandes braucht es hier ein Fairplay zwischen Kletterern und Felsenschwalben. Einige wenige Kletterrouten sollten daher jährlich bis Mitte Juli verlässlich nicht begangen werden. Nur so kann dieser kleine Bestand an Felsenschwalben vor dem Verschwinden gerettet werden“, attestierte Vogelkundler Pühringer sofortigen Handlungsbedarf.

Schwalbenbestand in Österreich rückläufig

Im Rahmen der Expedition erfuhren die Teilnehmer außerdem, dass der gesamte Bestand an Schwalben in Österreich rückläufig ist. Verantwortlich dafür sind mehrere Umstände: Zum einen verringerte sich die Biomasse an Insekten in Österreich innerhalb von vier Jahrzehnten auf nur mehr ein Drittel. Mit dieser Verringerung des Nahrungsangebotes geht auch der Bestand an darauf spezialisierten Vögel zurück. Schwalben verbringen nur einen Teil ihres Lebens bei uns. Sie kehren ab April aus ihrem Winterlebensraum südlich der Sahara zurück. Dort breitet sich die Wüste immer weiter aus und zusätzlich verändern sich dort auch die Winterlebensräume der Zugvögel zum Schlechteren. Den Mehl- und Rauchschwalben fehlt es bei uns zunehmend auch an Baumaterial für ihre Nester. Den früher überall üblichen Lehmpfützen sind häufig versiegelte Flächen gewichen. Zu allem Überdruss werden an den Nordküsten Afrikas die vom Flug über das Mittelmeer ermatteten Zugvögel in riesigen Netzanlagen gefangen und als teure Delikatesse Touristen in Hotelanlagen angeboten.

Fotos: NPK/Pühringer, Sieghartsleitner
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