Corona-Buchempfehlungen
Bücher für Quarantanien - Teil 2

Bernd Fischerauer: "Burli", Picus
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  • Bernd Fischerauer: "Burli", Picus
  • Foto: Rita Russek/Picus
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Buch-Empfehlungen für die coronäre Abgeschiedenheit, von WOCHE-Klagenfurt-Redaktionsleiter und Kulturredakteur Christian Lehner.

KLAGENFURT, KÄRNTEN (chl). Anregungen fürs Lesen in Quarantanien. Ich möchte ich in den nächsten Wochen einige meiner Lieblingsautoren und Lieblingsbücher empfehlen. Betonung auf Empfehlen, denn: Die Tipps sind garantiert subjektiv, wenngleich auch vom Viel-Lesen ansatzweise objektiv untermauert. Diesmal: zeitgenössische österreichische Autorinnen und Autoren. Die Reihung ist alphabetisch und kein Ranking!

Bernd Fischerauer: „Burli“ (2017, Picus)
Der Regisseur, Drehbuchautor, Filmemacher und Schauspieler Bernd Fischerauer (1943, Graz - 2017, München) begann erst spät, sich dem Genre Roman zu widmen: Posthum erschien „Neumann“, sein Romandebüt „Burli“ keine drei Monate vor seinem viel zu frühen Abgang in eine andere Dimension. „Burli“, mit eigentlichem Vornamen Adolf, ist ein heftig Pubertierender auf der Suche nach der Wahrheit hinter der Nachkriegsfassade des entnazifizierten (?) Österreich. Konstantin Wecker über den Roman: „Bernd Fischerauer weiß zu bewegen, zu verzaubern, zu erschrecken und zu berühren. Eine ergreifende Geschichte.“

Bernd Fischerauer: "Burli", Picus
  • Bernd Fischerauer: "Burli", Picus
  • Foto: Rita Russek/Picus
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René Freund: „Niemand weiß, wie spät es ist“ (Deuticke)
Charme, Witz und Tiefgang zeichnen die Bücher des Theaterwissenschaftlers aus Grünau im Almtal (OÖ) aus. Herausragend und zwischendrin Gänsehaut aufziehend, erzählt er vom letzten Willen von Noras Vater: Sie soll Paris verlassen und mit seiner Asche im Handgepäck und einem pedantischen jungen Notariatsgehilfen als Navigator eine Wanderung durch Österreich unternehmen. Ein Roman über Liebe und Freundschaft.

René Freund: "Niemand weiß, wie spät es ist", Deuticke
  • René Freund: "Niemand weiß, wie spät es ist", Deuticke
  • Foto: Thom Trauner/Deuticke
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Arno Geiger: „Unter der Drachenwand“ (2018, Hanser)
Es ist für mich schwer zu sagen, ob mich dieser Roman deswegen so bewegt, weil ich aus dieser Gegend, wo die Geschichte spielt, komme, oder weil er so treffend und nachfühlbar erzählt, was zu erzählen ist: Über die Wirrungen des Krieges und die daraus entstehende Einsamkeit und über das Trauma des Nichtwissens, ob man überhaupt heimkommen will oder nicht. Spätestens von den Soldaten aus dem Vietnam-Krieg und ähnlichen Kriegs-Einsätzen weiß man ja, wie „bedient“ man sein kann.

Arno Geiger: "Unter der Drachenwand", Hanser
  • Arno Geiger: "Unter der Drachenwand", Hanser
  • Foto: Heribert Corn/Hanser
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Michael Köhlmeier: „Das Mädchen mit dem Fingerhut“ (2016, Hanser)
Wenn ich ein Buch von Köhlmeier lese, höre ich automatisch sein wunderbare Lesestimme. Vielen ist er möglicherweise ja nur wegen seiner Stimme bekannt und/oder als Erzähler bzw. Nacherzähler von Sagen aus Österreich und natürlich griechischer Götter- und Heldensagen. Oder als Duo-Partner von Bilgeri: „Oho Vorarlberg“ (1973). Köhlmeier ist aber in erster Linie ein großartiger Fabulierer und Erfinder von Geschichten mit Tiefgang. Und hat eines der berührendsten Bücher zur Flüchtlingsthematik – Wurzeln, Fremdsein, Sprachlosigkeit – geschrieben: „Das Mädchen mit dem Fingerhut“. Und viele weitere lesenswerte.

Michael Köhlmeier: "Das Mädchen mit dem Fingerhut", Hanser
  • Michael Köhlmeier: "Das Mädchen mit dem Fingerhut", Hanser
  • Foto: Hanser
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Ernst Molden: „Wien Mitte. Ein Wochenbuch“ (Deuticke)
Ein Heimatbuch. Der Begriff Heimat erfährt bei Ernst Molden eine neue Dimemsion, die des Lebens-Bezirks (bei ihm Wien-Erdberg). Gemeint ist der dritte Hieb in Wien, wo er zwar nicht aufgewachsen, aber sesshaft geworden ist. Zugegeben: Nachvollziehen kann man die Kolumnen über seinen Bezirk und seine Ausflüge darüber hinaus nur, wenn man Wien kennt und mag und den Liederschreiber auch. Aber: Geschrieben sind sie wunderbar. Und: Wem das zuviel Wien ist sei der Band „Das Nischenviech“ empfohlen, in dem Molden ebenso empathisch, ironisch und wortgewandt über die kleinen Viecherl des Alltags fabuliert, über Stubenfliege und Silberfischchen, als wären sie die größten, schönsten und erhabensten Tiere überhaupt.

Ernst Molden: "Wien Mitte. Ein Wochenbuch"
  • Ernst Molden: "Wien Mitte. Ein Wochenbuch"
  • Foto: V. Molden/Deuticke
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Hans Platzgumer: „Am Rand“ (2016, Zsolnay)
Als ich noch Ö3-Musikredakteur war (späte 1980er bis ebenfalls späte 1990er) gab es eine Band, die ich wirklich extra-kuhl fand, die aber ö3-mäßig Null Relevanz hatte: H. P. Zinker. FM4 ja, aber Ö3 – no! Die Band hatte für mich, alles: Grunge, Punk, Rock und gute Texte – alles was ich liebe. H. P. hat den Rock‘n‘Roll mittlerweile hinter sich gelassen, nicht als Philosophie (siehe „Willkommen in meiner Wirklichkeit!“, Verlag Milena, 2019), sondern den R‘n‘R als Lebensmodell, das einem das Überleben finanziert. Er schreibt jetzt Bücher, und „Am Rand“ ist nix mehr und nix weniger als eines der besten, das geschrieben wurde in den vergangenen dreißig Jahren! Dem Anti-Helden des Romans folgt man dabei bis an die Kante eines hohen Berges ... und lernt daraus.

Hans Platzgumer: "Am Rand", Zsolnay
  • Hans Platzgumer: "Am Rand", Zsolnay
  • Foto: Zsolnay
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Erika Pluhar: „Anna – eine Kindheit“ (Residenz)
„Frau, lauf weg, nimm dich selbst bei der Hand“, hat sie in den Siebzigern gesungen und es elnst dann selbst nicht getan. Die Pluhar ist einerseits eine große, wirklich große Schauspielerin und Sängerin, zugleich aber eine der größten Versagerinnen in Sachen Frauenbewegung: In ihrem autobiographischen Roman „Anna“ rechnet sie mit sich selbst als Mutter ab und mit Udo Proksch (Papa von Anna), damit, was sie selber alles falsch gemacht hat, und dann auch mit ihrem ebenfalls Ex-Mann André Heller. Authentisch und poetisch. Die Pluhar singt nicht nur, sie schreibt auch Tango.

Erika Pluhar: „Anna – eine Kindheit“ (Residenz)
  • Erika Pluhar: „Anna – eine Kindheit“ (Residenz)
  • Foto: Christine Häussler/Residenz Verlag
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Robert Seethaler: „Der Trafikant“ (Kein & Aber)
Auf diese Idee für einen Roman musst du erst einmal kommen: Ein 17-jähriger Jüngling vom Land kommt in die große, fremde Stadt und freundet sich mit Sigmund Freud an. Und dieser hilft ihm durch die Furchengänge des Erwachsenwerdens in einer (noch dazu) neuen Welt und einem neuen Jahrhundert ... Fabelhaft! Übrigens äußerst gelungen 2017 von Regisseur Nikolaus Leytner verfilmt, mit Bruno Ganz als Freud und Simon Morzé als Hauptfigur Franz Huchel.

Robert Seethaler "Der Trafikant", Kein & Aber
  • Robert Seethaler "Der Trafikant", Kein & Aber
  • Foto: Urban Zintel/Kein & Aber
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Cornelia Travnicek: „Chucks“ (2012, btb)
Als Klagenfurter Stadtschreiberin traf ich sie damals im Lendhafen-Café und Travnicek sagte mir damals schon, dies sei ein Stadtteil, der es hat. Sie hatte recht, und ich dann kurz darauf gelesen, warum ich sie traf: „Chucks“. Ein Roman übers Pubertieren und Erwachsenwerden. Ja, deren gibt es viele seit „Catcher In The Rye“, aber selten einen authentischeren und so gut und treffend geschriebenen.

Cornelia Travnicek (am Bild im Lendhafen-Café in Klagenfurt): "Chucks"
  • Cornelia Travnicek (am Bild im Lendhafen-Café in Klagenfurt): "Chucks"
  • Foto: Lehner/btb
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Erhältlich im lokalen Online-Buchhandel:www.heyn.at.  
Bücher für Quarantanien, Teil 1: CHLs Buchempfehlungen, Teil 1
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