Corona-Virus - Buchempfehlungen
Buch-Tipps für die unfreiwillige Freizeit und danach

Anna Baar
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Buch-Empfehlungen für die verordnete oder freiwillige coronäre Quarantäne, von WOCHE-Klagenfurt-Redaktionsleiter und Kulturredakteur Christian Lehner.

KLAGENFURT, KÄRNTEN (chl). Zur Zeit beschränkt sich das kulturelle Leben auf Video (Streaming oder DVD-/BD-etc.-Sammlung, vielleicht sogar alte VHS-Kassetten hervorkramen), Platten hören (oder CDs, MP3s etc.), virtuelle Galerien googeln, Theater-/Opern-Streaming suchen, aufs selber Musik machen, schreiben, malen etc. Und: aufs Lesen.
Um Anregungen fürs Lesen zu geben, möchte ich in den nächsten Wochen einige meiner Lieblingsautoren und Lieblingsbücher empfehlen. Betonung auf Empfehlen, denn: Die Tipps sind garantiert subjektiv, wenngleich auch vom Viel-Lesen ansatzweise objektiv untermauert.
Da es unmöglich ist, ein Lieblingslied zu nennen oder die berühmten drei Bücher, die man auf eine einsame Insel mitnehmen würde, werde ich das Unterfangen ein wenig kategorisieren und jeweils fünf oder sieben oder zehn empfehlen.
Ich beginne mit Literatur von Kärntner Schriftstellern aus den vergangenen dreißig Jahren. Die Reihung ist alphabetisch und kein Ranking!

Anna Baar: „Als ob sie träumend gingen“ (2017, Wallstein)
Ungemein poetisch und real, also nachvollziehbar zugleich, schreibt Anna Baar in ihrem zweiten Roman über Sehnsüchte, über (nicht) geliebt zu werden, übers (nicht) Ankommen, übers (nicht) Dasein, über Lüge und Wahrheit, Verlust und Vermissen, Krieg und Frieden, über Neid, Verachtung, Trauer, über Gott, Teufel und (Aber-)Glaube. Es geht ums 20. Jahrhundert mit seinen Wirrungen und Irrtümern, Trümmern und Sehnsüchten.

Anna Baar

Alois Brandstetter: „Kummer ade!“ (2013, Residenz)
Ihn mag ich seit meiner Jugend! Nicht weil er, wie ich, gebürtiger Oberösterreicher ist und irgendwann in Kärnten gelandet. Sondern wegen Romanen wie „Zu Lasten der Briefträger“, „Die Abtei“, „Über den grünen Klee der Kindheit“ ... In „Kummer ade!“ macht er den Raub eines Opferstocks in der Klagenfurter Don-Bosco-Kirche zum Gegenstand seiner stets unheimlich g‘scheiten philologischen und philosophischen Betrachtungen, geht dabei detektivisch vor, dass das Buch fast als Kriminalroman durchgehen könnte und jongliert zwischen Ironie und Poesie. Alois aus Pichl bei Wels, warum nur habe ich nicht in Klagenfurt Germanistik studiert!

Alois Brandstetter (mit WOCHE-Redakteur Christian Lehner)
  • Alois Brandstetter (mit WOCHE-Redakteur Christian Lehner)
  • Foto: Lehner, Residenz Verlag
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Janko Ferk: „Zwischenergebnis“ (2018, Leykam)
Der Richter, Dichter und Literaturwissenschaftler Janko Ferk gehört zu meinen Lieblings-Lyrikern („Brot und Liebe. Gesammelte Gedichte“, Slowenisch und Deutsch, Styria Premium), aber er schreibt auch unheimlich gute literaturwissenschaftliche Bücher und Essays, gute Texte zu den Rechtswissenschaften (kann ich nicht beurteilen, aber ich vermute) und astreine Prosa. „Zwischenergebnis“ ist eine Sammlung von Prosatexten aus vier Jahrzehnten zu allen möglichen Themen, nach deren Lektüren einen wegen seiner sprachlichen Gewandtheit und, ja auch, Perfektion, der Neid fressen könnt‘. Kein Wunder: Ferk ist ein großer Bewunderer (und Kenner) von Franz Kafka.

Janko Ferk

Maja Haderlap: „Engel des Vergessens“ (2011, Wallstein)
„Maja Haderlap hat eine gewaltige Geschichte geschrieben … Die Großmutter wie noch keine, der arme bitter Vater wie noch keiner, Die Toten wie noch nie, ein Kind wie noch keines.“ - Diesen Worten von Peter Handke über Maja Haderlaps Bachmannpreis-gekröntes Jahrhundert-Buch ist nichts hinzuzufügen. Außer: Wer‘s noch nicht gelesen hat, sollte es spätestens jetzt, im Jubiläumsjahr „100 Jahre Volksabstimmung“ tun!

Maja Haderlap

Hugo Ramnek: „Der letzte Badegast“ (2010, Wieser)
Sommer, Regen, Freibad, feucht und schwül, Verliebtsein, Jimi Hendrix, gegen Ende der Badesaison … und die Farbe Rot. Irgendwo zwischen Pop-Literatur und Surrealismus ist doch wieder alles durchschaubar, ja, nachvollziehbar, was Ramnek sich so zusammendenkt. Schwer zu beschreiben, man muss sich darauf einlassen, und nach wenigen Seiten hat er einen ohnehin schon „hineingezogen“ in anfangs beschriebenen Sog.

Hugo Ramnek

Simone Schönett: „re:mondo“ (2010, Edition Meerauge)
Wie geschickt „die Schönett“ die Geschichte des 20. Jahrhunderts mit der Geschichte der Jenischen und damit die Themen Flucht und Vertreibung als Liebesgeschichte verflicht, ist schlicht sagenhaft. Und ihre Sprache ein Traum. Auch bei Simone Schönett ist es schwer zu sagen, welches Buch von ihr mir wirklich am Besten gefällt, „Re:mondo“ ganz sicher, aber ex aequo „Der Private Abendtisch“. Und: Auch sie ist eine wirklich große Lyrikerin.

Simone Schönett
  • Simone Schönett
  • Foto: Eva Asaad, Edition Meerauge
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Harald Schwinger: „Die Farbe des Schmerzes“ (2013, Edition Meerauge)
Es gibt kein Buch, das ich von Harald Schwinger nicht guten und besten Gewissens empfehlen könnte. Aber mein Favorit ist „Die Farbe des Schmerzes“. Durchaus schmerzhaft brennt sich der Roman in die Gehirngänge, die Stimmung ist dreihundert Tage Nebel im Jahr, die Farben erzeugt der Schmerz. Ein Psychothriller, bei dem man einerseits ständig daran denken muss, diesen Text zu einem Drehbuch zu adaptieren, aber genau davor Angst hat. Denn: Die Gefahr, dass eine Verfilmung der Qualität des Romans nicht standhält, ist groß. Aber auch: Ich weiß nicht, ob ich nicht doch lieber die Bilder im Kopf sehe als mögliche Leinwand gewordene.

Harald Schwinger
  • Harald Schwinger
  • Foto: Siegfried Ortner, Edition Meerauge
  • hochgeladen von Christian Lehner

Isabella Straub: „Wer hier schlief“ (2017, Blumenbar/Aufbau)
Ein „gestandener“ Mann, wie man so sagt im Leben stehend, aber nicht zwingend glücklich dabei, gibt alles auf – wegen einer Chance namens Myriam. Es folgt eine Odyssee, eine durchaus großstädtische, zeitgemäße (Jobverlust, Obdachlosigket etc.) mit einem Bild namens Adam. Auch hier: Poesie, Phantasie, aber auch viel Ironie und eine Geschichte, bei der man bis zum Schluss nicht weiß, „wie man dran“ ist.

Isabella Straub
  • Isabella Straub
  • Foto: Stefan Schweiger, Blumenbar/Aufbau Verlag
  • hochgeladen von Christian Lehner

Peter Turrini: „Im Namen der Liebe“ (Erstausgabe: 1993; aktuell: Suhrkamp Taschenbuch)
Mein Lieblings-Dramatiker aus Kärnten (und in dem Fall überhaupt, also weltweit) ist der Turrini. Ob‘s zu einer eigenen Kategorie „Drama“ in Buchform kommen wird, wird die Dauer des kulturellen Stillstandes zeigen. Aber: Turrini ist auch mein Lieblings-Lyriker, und zwar ebenso „absolut“ wie als Theaterautor. Wie feinfühlig, dann wieder ironisch, realistisch und dann wieder verträumt Turrini über die Liebe und über Beziehung nachdenkt und dies in Gedichtform fasst, ist unfassbar poetisch und in keinster Weise kitschig, sondern genau das Gegenteil.
Ein Beispiel:
„Drei Tage mit dir
und ich denke an Trennung.
Drei Tage ohne dich
und ich wünsche mir ein Wiedersehen.“
(Die Auswahl habe ich dem Zufall überlassen!)

Peter Turrini (mit WOCHE-Redakteur Christian Lehner)
  • Peter Turrini (mit WOCHE-Redakteur Christian Lehner)
  • Foto: Lehner
  • hochgeladen von Christian Lehner

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Autor:

Christian Lehner aus Klagenfurt

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