Christian Hölbling
Der Helfried wollte das Fräulein Ingeborg besingen

Christian Hölbling arbeitet im Lendhafenviertel, am Bild im seinem Stamm-Café "Hafenstadt Urban Area"
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Christian Hölbling alias "Helfried" appelliert an Politiker wie auch an alle Privaten, österreichische Künstler zu unterstützen.

SCHIEFLING AM WÖRTHERSEE (chl). Am Samstag (21. März) hätte der Kabarettist, Autor und Sänger Christian Hölbling das neue Programm seiner Kunstfigur „Helfried“ zur Uraufführung bringen wollen: „Helfried singt!“, begleitet vom Orchester Thomas Reymond. Das Corona-Virus hat ihm – wie so vielen anderen Kulturschaffenden - einen Strick durch die Jahresplanung gemacht. Wenige Tage zuvor hatte Hölbling noch im Spaß gemeint, der Helfried solle die italienischen Lieder aus dem Programm streichen, das schicke sich zur Zeit nicht. Nun arbeitet er an einem Ersatztermin für die Aufführung im Konzerthaus.
Der gebürtige Steirer, wohnhaft in Schiefling, appelliert stattdessen an die politisch Verantwortlichen, aber auch an jede Österreicherin und jeden Österreicher, die Kulturschaffenden nach besten Kräften zu unterstützen.

Steuern & Co. stunden

„Es ist völlig klar, dass man eine Pandemie eindämmen und alle notwendigen Maßnahmen treffen muss, aber für Künstler herrscht eine echte existenzielle Bedrohung, weil kaum jemand in dieser Branche die Reserven hat, mehrere Monate ohne Auftritte zu überstehen. Es geht daher darum, Maßnahmen zu bündeln, beispielsweise Steuer- und Versicherungs-Stundungen vorzunehmen. Es sind auch die Radios und TV-Sender aufgerufen, verstärkt österreichische Beiträge von lebenden Künstlern zu senden, damit diese daraus Einnahmen lukrieren können. Die AKM ist aufgerufen, Tantiemen vorzeitig auszuschütten und Fonds zu öffnen, die für Härtefälle angelegt sind. Es geht darum, patriotisch und solidarisch zu agieren und in die Wege zu leiten, damit Existenzen nicht zerstört werden. Es sollte doch in einem Land wie Österreich möglich sein, das Einkommenslevel, das ohnehin sehr niedrig ist, halten zu können.“

Österreichisches kaufen

Dazu beitragen kann, so Hölbling, auch jeder Einzelne: „Private können die Künstler unterstützen, in den sie CDs, DVDs, Bücher etc. von österreichischen Künstlern kaufen. Und: Jeder sollte seine Billig-Einstellung in Bezug auf Live-Streaming und dergleichen überdenken und dabei draufkommen, dass Kunst und Kultur einen Wert hat und dass viele Menschen davon leben müssen. Das heißt: Ich kann mir Konzerte etc. sehr wohl im Internet ansehen, aber es sollte dann jedem auch ein paar Euro wert sein.“

"Ungezügelter Kapitalismus"

Hölbling zieht im Zusammenhang mit dem Corona-Virus auch seine globalen Schlüsse: „Wir fahren gerade mit dem System an die Wand, das uns seit Jahren Probleme macht, nämlich ein ungezügelter Kapitalismus, bei dem es nur darum geht, dass ein Produkt möglichst billig ist, ganz egal, wie ausgebeutet damit die Menschen werden und wie ausgebeutet die Natur dabei wird. Das Corona-Virus zeigt uns ja vor, wie sich das rächt: Wenn man die Hintergründe ansieht, unter welchen hygienischen Bedingungen so ein Virus entsteht, wie es nach Italien eingeschleppt worden ist, dann hat unser herkömmliches Wirtschaftssystem sehr viel damit zu tun.“

Über "Helfried singt"

„Helfried singt“ ist eine Reise durch fünf Jahrzehnte Unterhaltungsmusik – deutscher Schlager der 1930er-Jahre, französische Chansons, italienische Sechzigerjahre-Schlager. „Helfried inszeniert die Show eigentlich nur, um das Fräulein Ingeborg zu beeindrucken, für die er einen Platz reserviert hat. Die Frage ist, ob es ihm gelingt und sie auch wirklich kommt“, schildert Hölbling. Der verliebte Helfried hat für seine amourösen Absichten ein Salonorchester engagiert, das Orchester Thomas Reymond. „Mit dem Thomas Modrej, Professor an der Gustav-Mahler-Uni verbindet mich die Leidenschaft für intelligente, witzige Unterhaltungsmusik, wie sie in den Dreißiger- und Vierzigerjahren im deutschen Sprachraum stattgefunden hat. Als ich die Kunstfigur Helfried erfunden und entwickelt habe, habe ich gerne darauf zurückgegriffen, allerdings damit aufgehört, als mich alle mit Max Raabe verglichen haben.“
Nach der (geplanten) Premiere in Klagenfurt sind Auftritte mit Orchester in ganz Österreich und Deutschland im Herbst geplant.

"Ins Astloch gemurmelt"

Einem anderen von Hölblings Projekten sollte (aus heutiger Sicht) nichts im Wege stehen: der Veröffentlichung seiner Satire-Sammlung „Ins Astloch gemurmelt“, das im Verlag Wieser erscheinen wird. „Bei manchen Themen hat man das Gefühl, dass es genau überhaupt nichts bringt, jemanden damit zu konfrontieren, sondern man kann seine Beschwerde genausogut im Wald in ein Astloch murmeln ...“ Die Planung der Buchpräsentation ist vorerst auf Eis gelegt. Der Erscheinungstermin Mitte bis Ende April sollte eingehalten werden können.

ZUR SACHE: das Buch
"Ins Astloch gemurmelt": Christian Hölbling veröffentlicht eine Sammlung seiner Satiren und Glossen mit dem Anspruch, zum Nachdenken zu bringen. „Manchmal bringt‘s was, manchmal nicht – darauf bezieht sich der Titel“, erklärt Hölbling. In dem Buch versammelt sind (zum Beispiel in der Kleinen Zeitung) veröffentlichte Glossen und Satiren sowie bislang unveröffentlichte. Der Kärntner Cartoonist Heinz Ortner ergänzt die Texte mit seinen ebenso satirischen Zeichnungen. (Verlag Wieser)

Die CD: "Lieder nahe am Wasser"
Christian Hölbling abseits seiner Kunstfigur "Helfried" erweist sich als sehr sensibler, aber auch ironischer Liedermacher, der nahe am Leben und zugleich am Wasser sitzt und schreibt und denkt und singt. Musikalisch setzt er auf jazzige Chansons und arbeitet dafür mit der Crème de la Crème der heimischen Kärntner Jazz-Szene zusammen: Michael erian, Primus Sitter, Stefan Gfrerrer, Rob Bargad, Markus Gruber, Daniel Nösig, Andreas Mittermayer und Rudi Katholnig. Und: wirklich gute, klasse Texte!

Weitere Infos: www.christianhoelbling.at

Autor:

Christian Lehner aus Klagenfurt

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