Walter Gitschthaler
„Über 200 Soldaten in Kärnten im Einsatz“

Militärkommandant Walter Gitschthaler: „Wir planen ständig voraus, um auf alle möglichen Entwicklungen der Lage reagieren zu können.“
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Wie wirkt sich das Corona-Virus auf das Bundesheer aus? Kärntens Militärkommandant Walter Gitschthaler im Interview.

WOCHE: Wie viele Soldaten befinden sich aktuell in Kärnten im Einsatz?
BRIGADIER WALTER GITSCHTHALER:
Das Bundesheer steht zurzeit an vielen „Fronten“ österreichweit im Einsatz, auch gegen die Corona-Krise. Hier unterstützen wir die Gesundheitsbehörden bei den sanitätsdienstlichen Einreisekontrollen. Darüber hinaus helfen vor allem Zivilbedienstete aus den Heereslogistikzentren und Heeresspitzensportler bei den Lagerarbeiten der Lebensmittelkonzerne, um die Lebensmittelversorgung sicherzustellen. Zählt man die knapp 1.200 Soldaten im Auslandseinsatz mit, befinden sich momentan über 3.000 Soldaten im Einsatz, davon mehr als 200 in Kärnten.

In welchen weiteren Bereichen könnten Soldaten rasch unterstützend zum Einsatz kommen?
Der hohe Personalbedarf sowie die Durchhaltefähigkeit und parallel dazu die Ausbildung von Einsatzsoldaten ist der Grund für die Notwendigkeit, das Abrüsten der Grundwehrdiener des Einrückungstermins Oktober 2019 aufzuschieben und ab Mai Milizsoldaten einzuberufen.
Wie die aktuellen Einsätze zeigen – ob bei Grenzkontrollen, Bewachung von Botschaften in Wien, Unterstützung bei Gesundheitskontrollen oder in den Lebensmittellagern – ist das Bundesheer als strategische Reserve schnell und vielseitig einsetzbar. Unser oberstes Ziel ist es, ständig vorauszuplanen und Kräfte bereitzuhalten, um auch zukünftig auf alle möglichen Entwicklungen der Lage reagieren zu können.

„Faktum ist, dass Krankenanstalten zur sogenannten kritischen Infrastruktur gehören und die Bewachung dieser Infrastruktur eine der Aufgaben im sicherheitspolizeilichen Assistenzeinsatz sind.“


Ist es vorstellbar, dass Soldaten auch die Landeskrankenanstalten bewachen?
Ob es zu solchen Einsätzen kommen kann, ist derzeit nicht abzuschätzen. Wie sich die Lage entwickelt, werden die nächsten Tage zeigen. Faktum ist, dass Krankenanstalten zur sogenannten kritischen Infrastruktur gehören und die Bewachung dieser Infrastruktur eine der Aufgaben im sicherheitspolizeilichen Assistenzeinsatz sind. Die Aufgaben werden uns von der Landespolizeidirektion auf Basis der geltenden Rechtsgrundlagen zugewiesen.

Von welchem „Worst-Case-Szenario“ der Corona-Krise geht das Bundesheer momentan in Kärnten aus?
Ein „Worst-Case-Szenario“ ist zum Beispiel, dass wir die Intensität unseres Einsatzes noch erhöhen und über Monate aufrechterhalten müssen. Für diesen Fall bereiten wir uns jedoch durch die Aufbietung von Teilen unserer Miliz vor.

„In Kärnten betrifft das zunächst eine Jägerkompanie in der Stärke von rund 130 Miliz-Soldaten.“


Stichwort Miliz: Laut Verteidigungsministerium sollen rund zehn Prozent der Milizsoldaten einberufen werden und am 4. Mai ihren Dienst aufnehmen? Wie viele Milizsoldaten betrifft das in Kärnten? In welchen Bereichen werden sie dienen?
In Kärnten betrifft das zunächst eine Jägerkompanie in der Stärke von rund 130 Soldaten. Bei den für Milizsoldaten geplanten Einsätzen handelt es sich größtenteils um sicherheitspolizeiliche Aufgaben zur Unterstützung der Exekutive. Systemrelevantes Personal wird nicht einberufen. Aber alle, die einen Einberufungsbefehl erhalten, haben diesem auch Folge zu leisten.

Welche Maßnahmen werden zum Schutz der Soldaten vor dem Corona-Virus ergriffen?
Eine wesentliche Maßnahme ist die strikte Einhaltung der allgemeinen Maßnahmen zum Selbstschutz im Rahmen der Eigenverantwortung. Darüber hinaus haben wir zusätzlich Sicherheitsmaßnahmen in unserem täglichen Dienstbetrieb eingeführt. Zum Beispiel die Unterlassung des obligatorischen Händeschüttelns, Abstand halten auch beim Essen, kein Antreten mehr in Reih und Glied oder Aufteilung und Trennung unseres Kommandos in zwei Staffeln. Priorität eins ist es, eine Ansteckung und Ausbreitung zu vermeiden, weil wir als Einsatzorganisation unbedingt zu jeder Zeit, wie lange die Krise auch immer dauern mag, einsatzbereit bleiben müssen. Eine vollkommene Isolierung und Verhinderung einer Ansteckung wird in unserem Tätigkeitsbereich nie möglich sein, jedoch soll mit dem Einhalten der Vorgaben ein Ausfall bestmöglich vermieden werden.

„Gerade die jetzige größte Krise seit Ende des Zweiten Weltkriegs zeigt, dass das österreichische Modell eines Mischsystems, bestehend aus Grundwehrdienern, Miliz- und Berufssoldaten, bestens funktioniert.“


Braucht es (leider) eine Krise, um die Bevölkerung endgültig von der Notwendigkeit der allgemeinen Wehrpflicht zu überzeugen?
Die österreichische Bevölkerung hat sich im Jahr 2013 im Rahmen einer Volksbefragung eindeutig für die Beibehaltung der allgemeinen Wehrpflicht entschieden. Gerade die jetzige größte Krise seit Ende des Zweiten Weltkriegs zeigt, dass das österreichische „Modell“ eines Mischsystems, bestehend aus Grundwehrdienern, Miliz- und Berufssoldaten, bestens geeignet ist, solchen großen Herausforderungen begegnen zu können.

Am 19. Juni hätte das Militärmusik-Festival im Wörthersee-Stadion in Klagenfurt stattfinden sollen. Wird es nachgeholt?
Die Vorbereitungs- und Planungsarbeiten für ein Event dieser Größenordnung benötigen eine gewisse Vorlaufzeit und Sicherheit zur Durchführung. Weil derzeit nicht abschätzbar ist, wie lange die aktuellen Maßnahmen andauern oder sogar ausgeweitet werden, mussten wir uns dazu entschließen, das geplante Militärmusik-Festival abzusagen. Ob und wann diese Veranstaltung nachgeholt wird, steht derzeit noch nicht fest. Wir bedauern diesen Schritt, jedoch haben Schutz und Gesundheit der Bevölkerung Vorrang.

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