In Kärnten
Die Arbeiterkammer beklagt "Schauriges" bei Pflegegeld-Gutachten
- Am Foto: Maximilian Turrini (Abteilungsleiter Sozialpolitik & Recht), AK-Direktorin Susanne Kißlinger, Irene Hochstetter-Lackner (AK-Direktorin-Stellvertreterin) und AK-Präsident Günther Goach
- Foto: AK/Thomas Hude
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Arbeiterkammer Kärnten (AKK) warnt: Immer mehr älteren Arbeitnehmern droht die Kündigung. Auch die Pflegegeld-Gutachten kritisiert die AK scharf. Bei einer Bilanzpressekonferenz wurden die Zahlen präsentiert: 127.000 Beschäftigte wurden vertreten und 77 Millionen Euro wurden für AK-Mitglieder in Verfahren zugesichert.
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KLAGENFURT, KÄRNTEN. Seit der Coronapandemie werden "unverhältnismäßig viel ältere Dienstnehmer gekündigt" – das stellt die Arbeiterkammer Kärnten fest. "Bei Arbeitsrechtverfahren wird oftmals Schmutzwäsche gewaschen, nach 30 Jahren kommen bei Kündigungen vorgeschobene Gründe zur Sprache, bspw., dass jemand zwei Minuten zu spät zur Arbeit gekommen ist", sagt Maximilian Turrini, Leiter der Abteilung Sozialpolitik und Recht der AK Kärnten.
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Bis zur Pension arbeiten: nur am Papier möglich?´
Laut AK zeige sich ein "alarmierender Trend" – drei von zehn Betrieben mit mehr als 20 Beschäftigten stellen keine 60- bis 64-Jährigen ein. "Den Beschäftigten muss ermöglicht werden, bis zum 65. Jahr zu arbeiten, es braucht einen Umdenkprozess", lautet der Appell von AKK-Präsident Günther Goach beim heutigen Pressegespräch zur Rechtsschutz-Bilanz 2025. Er macht auch auf ein weiteres Phänomen aufmerksam: "Der Druck Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer steigt – vor allem der Psychische."
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Immer mehr Arbeitsrechtsfälle
In den Beratungszahlen spiegelt sich dieser Negativtrend wider. Insgesamt wurden 127.000 Beschäftigte vertreten. Turrini empfiehlt den kostenlosen Rechtsschutz, auf den jeder Arbeitnehmer Recht hat, in Anspruch zu nehmen. "Wir versuchen, lange Verfahrensdauern einzudämmen. Viele fragen sich, ob sie nicht mit einer Rechtsschutzversicherung besser dran sind", sagt der Arbeitsrechtsexperte. Die Arbeiterkammer strebt in den meisten eine außergerichtliche Lösung an, was Zeit erspart. Betroffene kommen so schneller in Genuss ihrer Ansprüche. 1.048 Klagenfurten im Sozialrecht abgeschlossen. Mehr als 2.500 erledigte Akte wurden beim Arbeitsrecht durchgeführt.
Differenz von zwei bis drei Pflegestufen
Scharf kritisiert die Arbeiterkammer die PVA (Pensionsversicherungsanstalt), genau gesagt, die Ergebnisse deren Gutachter. Hier komme laut Turrini immer wieder "Schauriges" zutage. "Bei der Pflegegeldbegutachtung durch die PVA tauchen immer wieder massive Differenzen bei den Pflegestufen auf – im Gegensatz zu dem was, der gerichtliche Sachverständige diagnostiziert. Hier haben wir teilweise Differenzen von 60 Stunden beim Pflegebedarf, also eine Differenz von zwei bis drei Pflegestufen. Teilweise werden demenzielle Erkrankungen, die einen höheren Pflegebedarf entsprechen, nicht erkannt, ", sagt Turrini. Als mögliche Gründe wird von der AK "fehlender Zeitmangel" der Versicherungsanstalten genannt.
Zur Sache
Zahlen aus den AK-Bezirksstellen
Klagenfurt: 1.772 Fälle / 7,7 Millionen Euro
Villach/Hermagor: 755 Fälle / 5,3 Millionen Euro
Spittal/Drau: 435 Fälle / 1,3 Millionen Euro
Wolfsberg: 465 Fälle / 4,3 Millionen Euro
St. Veit: 230 Fälle / 1,5 Millionen Euro
Völkermarkt: 137 Fälle / 544.000 Euro
Feldkirchen: 98 Fälle / 356.000 Euro
Durch Experten im Arbeits-, Sozial- und Insolvenzrecht sowie im Bereich Beruf, Familie
und Gleichstellung hat die Arbeiterkammer Kärnten um vergangenen Jahr 127.266 Menschen vertreten. Durch Interventionen und Klagen wurde eine Summer in der Höhe von 71,1 Millionen Euro erstritten.
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