16.09.2014, 15:00 Uhr

Zwischen legal und illegal

Dass Hanfpflanzen blühen, muss verhindert werden - dann bleibt man auf dem Boden der Legalität (Foto: Neumayr)
Hanfpflanzen zu züchten ist nicht illegal - sie abzuernten schon. Ein Blick in die Grauzone.

KLAGENFURT. Manuel Schaden hat beruflich mit Hanf zu tun - doch das, was er tut ist nicht illegal. Er arbeitet in eine so genannten "Grow-Shop", in dem man unter anderem Hanfsamen bekommt - und das Zubehör, um das, was aus den Samen wird, wachsen und gedeihen zu lassen.

Blüte verhindern
"Hanfpflanzen zu züchten ist nicht illegal", erklärt er - gefährlich werde es nur, wenn sie Blüten bekommen, die den Wirkstoff THC enthalten. "Wenn man die aberntet, dann kommt man mit dem Gesetz in den Konflikt." Zu seinem Job gehört es, seine Kunden zu beraten, um genau das zu verhindern: "Wenn man Hanfpflanzen auf eine spezielle Art beleuchtet, blühen sie nicht."

"Zierpflanze"
Die Kundenschicht, die Schaden berät, ist bunt gemischt: "Von jungen Erwachsenen bis hin zu 80-jährigen Pensionisten" würden sich Leute für Hanfpflanzen interessieren. Aber warum sollte man sich eine Hanfpflanze anschaffen, wenn man nicht an ihren umstrittenen Erzeugnissen interessiert ist? "Hanf ist eine faszinierende Pflanze und wird vor allem als Zierpflanze eingesetzt", sagt Schaden.
Ob es ihm nicht seltsam vorkommt, dass in einem Grow-Shop auch Wasserpfeifen verkauft werden? "Bei uns darf man erst ab 18 einkaufen. Wir gehen davon aus, dass die Leute wissen, was sie tun, wenn sie volljährig sind", sagt Schaden, "wir stiften niemanden an, etwas Illegales zu tun."

Entkriminalisierung
Schaden befürwortet auch eine Entkriminalisierung von Cannabis. "Cannabis macht nicht körperlich abhängig, es ist wesentlich harmloser als Drogen, die es legal zu kaufen gibt. Und Untersuchungen zufolge kamen bis zu eine Million Österreicher bereits einmal in Kontakt damit. Allein die Strafverfolgung und Prozesse kosten dem Staat viel Geld - andererseits könnte er mit Steuern auf Cannabis Millionen einnehmen", sagt er. Gleichzeitig befürwortet er aber einen strengen Jugendschutz: "Ich würde Cannabis erst ab einem Alter von 18 oder überhaupt 21 Jahren freigeben. Die größte Gefahr ist nämlich, dass Cannabis Auswirkungen auf die Gehirnentwicklung hat, die bei Jugendlichen noch nicht abgeschlossen ist", sagt Schaden.

"Aufklärung fehlt"
Bis es zu einer Entkriminalisierung komme, werde es aber noch dauern, glaubt Schaden: "Die Leute sind was das angeht noch zu wenig aufgeklärt. Der seit Jahrzehnten geprägte - und auch falsche - Begriff vom 'Giftler' ist noch zu stark in den Köpfen verankert."

Erst Ernte ist illegal
Hanfsamen zu verkaufen sei nicht illegal, bestätigt auch Johannes Kurt Ronacher, stellvertretender Leiter der Suchtgiftgruppe des Kärntner Landeskriminalamtes: "Der Samen selbst enthält kein THC." Auch der Anbau von Hanf sei noch nicht illegal - zumindest so lange die Pflanzen klein bleiben. "In dem Stadium, in dem die Pflanzen drei oder vier Blätter haben, haben sie einen THC-Gehalt, der unter 0,3 Prozent liegt", so Ronacher. Illegal wird es erst, wenn die Pflanze THC entwickelt und die Blüten abgeerntet werden.

Im Vogelfutter
Hanfsamen kommen gar nicht so selten vor, erklärt Ronacher: "Sie sind sogar im Vogelfutter enthalten." Da kann es natürlich passieren, dass im Frühjahr die eine oder andere Hanfplanze mitten im Garten aufgeht: "Wir klären dann mit den Grundstückseigentümern ab, was es mit den Pflanzen auf sich hat", so Ronacher.

"Grauzone"
Grow-Shops sieht Ronacher als rechtliche "Grauzone". "Da werden natürlich Samen für Pflanzen verkauft, die einen hohen THC-Gehalt aufweisen", sagt Ronacher, "aber das ist wie mit einem Auto, das 200 km/h Höchstgeschwindigkeit hat. Es darf verkauft werden, obwohl man auf der Autobahn nur 130 fahren darf." Kunden müssen in Grow-Shops darauf aufmerksam gemacht werden, dass die Hanfpflanzen lediglich zu Deko-Zwecken angepflanzt werden dürfen. Ronacher: "Sobald der Verkäufer Tipps gibt, wie man die Pflanzen am besten zum Blühen bringt, um Cannabis zu gewinnen, dann ist das natürlich strafbar."
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