operklosterneuburg 2026
„Samson und Dalila" – Premiere biblischen Ausmaßes im Kaiserhof

Premiere operklosterneuburg 2026 | Foto: Kristian Schark
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Das neue Saisonprogramm 2026 der operklosterneuburg wurde gestern erfolgreich aus der Taufe gehoben. Die Spannung war groß, zeigt die operklosterneuburg doch nicht nur die zehn meistgespielten Stücke der Opernliteratur, sondern auch seltener gespieltes. Nach Bellinis „Norma“ vor zwei Jahren gab man nun in der neuen Intendanz mit Peter Edelmann „Samson und Dalila“.

KLOSTERNEUBURG. „Das Premierenergebnis gibt dem Festival recht“, freut sich Intendant Edelmann: „Ich bin allen sehr, sehr dankbar.“

Star-Rollendebuts, Glanz in kleineren Rollen

Neben den internationalen Stars Margarita Gritskova und dem etwas mit den Ausläufern einer Bronchitis kämpfenden Kristian Benedikt, die in den Titelrollen ein Feuerwerk an Emotionen zündeten, begeisterte Serban Vasile als Grand Pretre mit einer fulminanten gesanglichen und darstellerischen Leistung.

„Samson und Dalila" – eine Premiere biblischen Ausmaßes im Kaiserhof  | Foto: Kristian Schark
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Margarita Gritskova zeigte einmal mehr, was für eine fantastische Sängerin sie ist: Die gefürchteten tiefen Lagen der Partie meisterte sie ebenso mühelos, wie die dramatischen Ausbrüche in Sopranlage. Dass sie diese Partie immer schon singen wollte, nimmt man ihr sofort ab – eine neue Dalila ist mit diesem Debut geboren, denn sie ist nicht nur stimmlich perfekt in dieser Rolle, sondern war auch szenisch das Zentrum des Abends. Highlight der Vorstellung natürlich ihre „Mon coeur“ Arie, die wohl zum Besten gehört, was man derzeit international auf den Bühnen erleben kann. Sie empfiehlt sich mit dieser Interpretation für jedes große Opernhaus.

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Kristian Benedikt, ein „gestandener“ international erfolgreicher Spinto-Tenor ist quasi eine Personifizierung des Samson: Kräftige Stimme und heldischer Bühnenimpetus machen seine Interpretation glaubhaft. Besonders beeindruckte er neben den dramatischen Phasen der Partie auch im Liebesduett mit Dalila, in dem er das hohe b am Ende im mezza voce setzte - ein Risiko das nicht jeder Tenor eingeht, vor allem nicht, wenn ihn hörbar ein Husten plagt. Serban Vasile, der im Vorjahr als Scarpia bei der operklosterneuburg debutierte zeigte, dass der Grand Pretre, so gesungen, nicht hinter den beiden Hauptprotagonisten hintanstehen muss. Die heikle Partie meisterte er bravourös und gab einen perfekten Bühnenbösewicht.
Wie immer in Klosterneuburg, sind auch die kleinen Rollen hochkarätig besetzt: der junge Wiener Ivo Kovrigar als quirliger Abimelech, Felix Pacher als Hebräer, Jiayu Li als Bote und die zwei Philister Maximilian Müller und Magnus Gudmundsson ergänzen das ausgezeichnete Ensemble.

Grand Opera im Kaiserhof: Wer wagt, gewinnt

Das Wagnis, eine „Grand Opera“ mit großem Ballett, großem Chor und drei höchstanspruchsvollen Solistenpartien auf die Bühne im Kaiserhof zu bringen ist Intendant Peter Edelmann in Klosterneuburg geglückt. Auch das neue Orchester der operklosterneuburg zeigte höchste Qualitäten im Dirigat von Thomas Rösner, der bereits im ersten Akt das Leiden der Hebräer ebenso perfekt „in Ton“ gesetzt hatte, wie die dramatischen Szenen mit Dalila und Grand Pretre oder Samson bis hin zu dem finalen Höhepunkt, dem Einsturz des Tempels. Der neue Klangkörper im Orchestergraben ermöglicht alles, was große französische Oper verlangt – und das ist viel. Ein gelungenes Debut!

„Samson und Dalila" – eine Premiere biblischen Ausmaßes im Kaiserhof  | Foto: Kristian Schark
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Der Chor, einstudiert von Brigitte Wurzer schöpfte aus vollem stimmlichen Potenzial und überzeugte sowohl in den großen Szenen auf der Bühne, als auch mit den oftmals stiefmütterlich behandelten a-capella Szenen aus dem Off.
Inszeniert wurde von Mario Pavle del Monaco. Ein Name, der verpflichtet. Und so liefert er denn auch eine brutal-schlüssige Interpretation der Oper: Da ist nichts langweilig, keine Szene dauert zu lange. Die Spannung wird bis zum dramatischen Schlusshöhepunkt hingezogen, in dem Samson hier tatsächlich den Tempel eindrucksvoll zum Einsturz bringt. Del Monaco liefert eine grausame Interpretation der Oper, alttestamentarisch und authentisch. Dalila hasst Samson tatsächlich, ihre Liebe ist reiner Betrug. Ihn zu quälen, bereitet ihr grausig anzusehende Freude.

Neue Ballettideen

Im dritten Akt gelang del Monaco im Verbund mit der Choreografin Desi Bonato ein großer Wurf: Die kleine Ballettgruppe der Dance Factory zeigt moderne Tanz- und Hebefiguren und eine perfekt mit dem Bühnengeschehen abgestimmte Balletteinlage. Hier wird der Tanz teil der Handlung des gesamten Stückes und ist nicht bloßer Selbstzweck.

Das neue Saisonprogramm 2026 der operklosterneuburg wurde gestern erfolgreich aus der Taufe gehoben. | Foto: Kristian Schark
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Auch die beiden Knaben (Nathan de La Fuente und Theodor Zhgun), die durch das gesamte Stück begleiten und letztlich als einzige Überlebende auf eine neue und bessere, vielleicht friedlichere Zukunft hoffen lassen, werden in del Monacos Bühneninterpretation zu (kleinen) Hauptfiguren.
Die Kostüme von Anna Sophie Lienbacher kleiden die erotische Liebesszene zwischen Samson und Dalila ebenso passend, wie Chor und Ballett in der Bachhanalszene. Sehr gelungen auch der Kontrast zwischen Hebräern und Philistern – da weiß das Publikum sofort, wer wer ist und was gerade auf der Bühne passiert. Im reduzierten Bühnenbild von Hans Kudlich lässt sich das Stück pur erleben. Erstmals sind im Kaiserhof auch große Projektionen auf der „Rattan“-Rückwand der Bühne zu erleben, die im Dunkel zur perfekten Leinwand wird. Die großen Bühnen-Felsen, die meist von den Hebräern geschleppt werden müssen, ermöglichen neben der Erfüllung des optischen Zwecks auch eine Handlungseinbindung, die von del Monaco geschickt bei Umbauten auf der Bühne genutzt wird.

Premiere operklosterneuburg 2026 | Foto: Kristian Schark
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Der Schluss – so viel sei verraten – bietet einen echten Einsturz der Säulen. Hier zeigt sich auch die Kunst von Lukas Siman als Lichtdesigner, dem es gelang, nicht gegen die Projektionen anzukämpfen, sondern diese ins Gesamtkonzept zu integrieren.
Das beeindruckende Ambiente des Kaiserhofs des Stiftes Klosterneuburg tut sein Übriges: perfekte Akustik ohne Verstärkungsnotwendigkeit – ein idealenr Rahmen für einen unvergesslichen Opernabend. Auf zur operklosterneuburg!

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