Obdachlosigkeit: Wen das Schicksal zeichnet

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KRITZENDORF (mp). Über zehn Jahre ist Mario Fredrich bereits obdachlos. Frust durch familiäre Probleme und die Alkoholsucht entschieden das Schicksal des eigentlich sehr belesenen Mannes, wie Augustine Mühlehner weiß. Mühlehner, Obfrau-Stellvertreterin des Kritzendorfer Vereins Natur-Kunst-Vermittlung und seinem Kräuterstübchen am Kritzendorfer Bahnhof, bemühte sich um eine Bleibe für ihn.

Vom Schicksal gezeichnet

Nach ihrer Bitte stellte ihm ein ehemaliger Eisenbahner des Kritzendorfer Bahnhofs eine kleine Weinberghütte zur Verfügung. "Bei uns hat er Blumen gießen und einsetzen geholfen. Dafür hat er zwar kein Geld, aber Essen bekommen", erzählt die Naturvermittlerin. "Es ist schwer jemandem wie Mario Fredrich zu helfen, der krank ist, aber Menschen mit anderen Krankheiten hilft man ja auch", so Mühlehner. Nachdem die Hütte, in der Fredrich Obdach fand, abgerissen werden musste, stand er plötzlich wieder ohne Dach über dem Kopf da. Für kurze Zeit fand er in Wien eine Bleibe, doch erst vergangenen Donnerstagabend traf Mühlehner Fredrich mit Koffer am Bahnhof Kritzendorf. "Er teilte mir mit, dass er wieder auf der Suche nach Obdach sei – in den Weingärten von Wien-Nussdorf sei er frisch verwiesen worden", so die Kritzendorferin. Auch anderen war das "Glück" wenig zugetan. "Ein naturverbundenes Obdachlosenpärchen, das in Wien in der Gruft übernachtet, kommt immer wieder zu uns nach Kritzendorf und hilft im Bahnhofs-Gärtchen mit", erzählt die Obfrau-Stellvertreterin.

Kunst mit Hintergrund

Auch die Kritzendorfer Kunstkuratorin Elsa Martini beschäftigt sich mit Natur und Obdachlosigkeit. Mit zehn internationalen Künstlern plant die ausgebildete albanische Künstlerin in der Katastralgemeinde von 20. bis 29. Juli ein Projekt mit dem Titel "Terrain insecure" 2. Im Strombad und am Bahnhof Kritzendorf sollen im Rahmen des KriDoOpen zu den Themen Überschwemmung und Klimawandel mit natürlichen Materialien ortsspezifische Outdoor-Installationen geschaffen werden. Themen, die ebenso mit Obdachlosigkeit zu tun haben, wenn auch aus anderen Gründen, und "es geht so schnell wie das Hochwasser kommen kann, sein Dach über dem Kopf zu verlieren", so Mühlehner. "Ich bin seit 25 Jahren in der Branche. Ein ähnliches Projekt habe ich schon vor ein paar Jahren gestartet. Momentan ist unser Hauptproblem, Sponsoren zu finden", weiß die Künstlerin. Das Problem kennt auch Augustine Mühlehner mit ihrem Verein gut, denn "viele sagen: 'Ihr kriegt's ja sicher eh oft Spenden' und dann spenden sie selber nichts. Durch ähnliche Integrations-Projekte tauschten wir uns europaweit aus und erfuhren aber, wie wichtig unser noch so kleines Projekt in Klosterneuburg ist."

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