30.11.2016, 08:30 Uhr

Klosterneuburger pfeifen auf Chemie

Schick in Strick: Fairkleidet-Chefin Klaudia Ernst präsentiert Neues aus Ihrer Bio-Kollektion.

In der Babenbergerstadt findet sich eine Vielzahl an Alternativen: Das Öko-Bewusstsein ist nicht überall so groß.

KLOSTERNEUBURG (bt). Bei einem Spaziergang durch den Wald Beeren von Sträuchern naschen oder Pilze in einem Korb verstauen: Kling idyllisch, ist es aber nicht immer. Wie kürzlich bekannt wurde, ist in einem Kärtner Wald der Grenzwert an Glyphosat, ein Pflanzengift, dass im Verdacht steht krebserregend zu sein, um das 500-fache überschritten. Isst ein Kind nur fünf solch vergifteter Beeren, hätte es die erlaubte Tagesdosis erreicht.

Mehr Arbeit der Natur zuliebe

Glyphosat ist der europaweit meist eingesetzte Unkrautvernichter. In Wald, Landwirtschaft, Parkanlagen und privaten Gärten macht er unerwünschten Pflanzen den Gar aus. Jedoch hat das Umdenken begonnen. Klosterneuburg etwa ist seit beinahe einem Jahr als "Natur im Garten"-Gemeinde zertifiziert. Die Kernkriterien der Initative lauten Verzicht auf Pestizide, chemisch-synthetische Dünger und Torf. "Früher ist Unkraut halt einfach weggespritzt geworden, heute wird es geflämmt oder weggebürstet", erklärt Umweltgemeinderat Leopold Spitzbart. Für die Stadtgemeinde bedeute das zwar einen Mehraufwand an Arbeit und Kosten, für die Umwelt handle es sich aber um den richtigen Weg. "In Wahrheit will niemand mit Spritzmittel durch die Gegend laufen, man atmet das ja selbst auch ein", so Spitzbart, der deswegen auch seinen eigenen Betrieb umgestellt hat.

Bio und ohne Verpackungsmüll

Auch die Klosterneuburger selbst legen immer größeren Wert auf Naturbelassenheit. Mit ein Grund, warum hier Kredenz.me, der erste Mitgliederladen Österreichs hier ins Leben gerufen wurde. Hier können, zu etwas höheren Preisen, aber auch Nicht-Mitglieder einkaufen. "Unsere Kunden schätzen nicht nur die biologische Qualität, sie wollen auch Plastikmüll vermeiden", weiß Dalida Horvat, eine der beiden Gründerinnen. Das Bewusstsein für eine Ernährung ohne Schadstoffe findet sich in allen Bevölkerungsgruppen: "Angefangen von typischen Ökomenschen, über Singles die sich auch nur zwei Karotten kaufen zu können bis hin zu gut situieren Familien."

Mikroorganismen ersetzen Chemiekeule

Soll Chemie nicht nur aus dem Speiseplan, sondern aus dem ganzen Haus geschmissen werden, ist Eva-Maria Feistauer die richtige Ansprechpartnerin. In ihrem Hausladen Pronto-Bio handelt sie mit Naturprodukten. Ein großes Stichwort sind dabei effektive Mikroorganismen. In Form von Reinigern schaffen sie zwar ein Milieu, dass Keimen keine Chance gibt, desinfizieren aber nicht. "Es duftet halt nicht so nach Rosen, weil keine chemischen Duftstoffe vorhanden sind." Pflanzen werden durch solche Mikroorganismen gestärkt, "Ungeziefer siedelt sich dann nicht mehr an, weil das ja eher auf kranke Pflanzen geht", erklärt Feistauer, die auch biologische Kosmetik vertreibt. Frei von Tierversuchen und bedenklichen Inhaltsstoffen.

Faire Kleidung schont die Haut

Zu einem immer größerem Thema entwickelt sich auch biologische Kleidung. "Es fängt schon bei den Rohstoffen an: Bei der Baumwolle werden keine Pestizide gespritzt und sie wird händisch gepflückt, beid er faserherstellung werden keine Gifte verwendet, Wasserbleiche statt Chlorbleiche wird verwendet", erklärt Klaudia Ernst, Geschäftsführerin von Fairkleidet und betont auch die fairen Arbeitsbedingungen. Das es sich um Ökokleidung handelt ist auf den ersten Blick nicht zu erkennen: "Die Jeans sind genauso cool, die Hemden genauso gut und die Hoodies mit Kapuze genauso lässig." Natürlich sind faire Kleidungsstücke etwas teurer, der der Kundenstamm von Fairkleidet wächst. "Und es kommen auch immer mehr mit dem Rad statt mit dem Auto", schildert Ernst ihre Beobachtungen.

Frage der Möglichkeiten

"Es ist alles auch eine finazielle Frage. Wenn ich es mir nicht leisten kann kaufe ich das billigste. Aber es geht auch um Reichtum im Sinne von Zeit. Die Leute nehmen das auf sich drei bis vier Läden abzuklappern. Wir sind schon eine Wohlstandsstadt", ortet Umweltgemeinderat Spitzbart das große Engagement der Klosterneuburger.

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