07.02.2018, 08:04 Uhr

Schweres Los für Wirtshäuser

Dominik Trat übernahm im Jahr 1992 das Gasthaus Trat in Weidling.

Die Bezirksblätter haben sich in der Stadtgemeinde zum Thema Wirtshaussterben umgehört.

KLOSTERNEUBURG (mp). Das gute alte Dorfwirtshaus mit Stammtisch und fixer wöchentlicher Schnapserrunde stirbt aus, heißt es. Tatsächlich hat seit dem Jahr 2010 in Niederösterreich mehr als jedes zehnte Gasthaus seine Pforten für immer geschlossen. Im Bezirk Tulln sind es 18,8 Prozent von 128 der Wirtshaus-Betriebe, die nun ruhen.

"Über 50 Gasthäuser inklusive Heurigenbetriebe mit Gastgewerbe-Konzession gibt es derzeit in der Stadtgemeinde. Außer den Lokalen ‚Blumenstöckl‘ und ‚Galleria‘ hat keiner in den letzten Jahren zugesperrt", fasst WKO Außenstellen-Leiter Fritz Oelschlägel zusammen. "Die Gastronomie ist ein hartes Geschäft. Viele Betreiber kommen mit Neuerungen wie der Registrierkasse oder der Bürokratie nicht zurecht, finden aber auch keine Nachfolger mehr", meint er.

Wirtshaus nicht mehr "in"

Für Dominik Trat ist die Lage ernst. Seit 120 Jahren ist sein Gasthaus Trat in der Weidlinger Brandmayerstraße ein Teil Klosterneuburg, der kaum noch wegzudenken ist. Viele klassische Wirtshäuser gibt es seiner Meinung nach hier aber nicht mehr. Ein Grund für ihr Aussterben ist für ihn etwa die starke Konkurrenz. "Ich bin quasi im Gasthaus aufgewachsen. Früher gab es Bäcker und Fleischhauer, die zu uns geliefert haben. Heute hat der Bäcker ein Café, der Fleischhauer ein Restaurant. Lebensmittelgeschäfte, Möbelhäuser, Tankstellen etc. – alle servieren sie Speisen. Heutzutage springt jeder auf die Gastronomie auf", so der Wirtshaus-Betreiber.

Auch das geänderte Konsumverhalten der Bevölkerung ist mit Schuld an der Entwicklung, denn "wenn meine Mutter damals in der Früh aufgesperrt hat, musste das Gulasch schon warm sein. Da war der Gastraum gleich mit zehn bis zwölf Leuten voll. Heute kann keiner mehr schnapsen, keiner legt mehr Wert auf traditionelle Lokale. Der Stammtisch war der Ersatz für das Internet. Heute ist das Wirtshaus nicht mehr so ‚in‘‘‘, meint Trat.

Kampf ums Überleben

Mit ähnlichen Problemen hat auch Christian-Josef Koller, Inhaber des Restaurant Stadtbeisl, zu kämpfen. "Das Wirtshaus ist eine eigene Gastronomie-Form, die von einem älteren Publikum sehr geschätzt wurde. Es kommen schon auch Junge, aber gerade wenn sie in Klosterneuburg wohnen, müssen sie oft das Geld knapp halten. Wenn Leute früher fünf bis sechs Mal essen gingen, sind es heute vielleicht nur noch zwei Mal und dann gibt’s da ja noch viel Konkurrenz", so Koller.

Seit bereits acht Jahren führt der Gastronom sein Beisl in der Hofkirchnergasse. Jeden Winter muss er jedoch aufs Neue ums Überleben kämpfen. "Ich betreue zusätzlich die Gastronomie am Campingplatz, aber das Geld, das wir im Sommer dort einnehmen, fließt im Winter in die Erhaltung des Lokals", erklärt er. Mit Veranstaltungen, wie etwa dem Faschingsgschnas am kommenden Samstag, versucht er die Gäste heranzuziehen, aber "man hat es nicht leicht in Klosterneuburg", schließt Koller, für den ebenso wie für Dominik Trat, das Wirtshaussterben nicht nur Illusion ist.


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