Wörgler Nordtangente: Verflixt und zugeparkt

Das tägliche Bild auf der Nordtangente: Unzählige LKWs parken illegal am Straßenrand, an dem sich unter anderem auch Müll ansammelt.
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WÖRGL (red/bfl). Es ist eine Problematik, die weitgehend bekannt ist: Bereits seit einem längeren Zeitraum ist die Wörgler Nordtangente zu einem Dauerparkplatz für Transit-LKW geworden. Bei einem Lokalaugenschein am 24. November stellte das Transitforum Austria-Tirol (tfA) einen dringenden Handlungsbedarf fest und fordert nun entsprechende Park- und Halteverbote auf der Wörgler Umfahrungsstraße, die auch durchgesetzt werden sollen.
Darüber hinaus geht es dem Transitforum um die 45-stündige Wochenruhezeit der Fahrer – diese darf laut einer Verordnung nicht im Fahrzeug verbracht werden. Das Verbot ist bereits in 19 von 24 Mitgliedsstaaten gültig  – auch in Österreich. Das Transitforum forderte die Behörden nun auf, das geltende Verbot in Tirol "rigoros und konsequent zu exekutieren".

Lokalaugenschein an der Nordumfahrung Wörgl

Die „Nordumfahrung Wörgl“ mitten in der „Roten Zone" für den Hochwasserschutz sei ein Paradebeispiel dafür, wie sorglos mit dem Gut Grundwasser umgegangen werde, urteilt das Transitform nach dem Lokalaugenschein. Die „Nordumfahrung“ sei längst zu einem Transit-Parkplatz verkommen. Täglich parken dort Transit-LKWs auf und an der Seite der Nordtangente und stehen dabei fast im "Graben" des Straßenrandes. Die Wörgler Bevölkerung, so tfA-Obmann Fritz Gurgiser in einem Schreiben, müsse ja direkt froh sein, dass diese „Umfahrung“ nie fertiggebaut wurde, sonst hätten sie die Transitlaster vermutlich wie einen „Nordkranz um Wörgl“ stehen. Interessant dabei sei, dass die einstigen Park- und Halteverbote dem Vernehmen nach gar von der Stadtgemeinde Wörgl wieder entfernt wurden.

Verantwortung nicht bei Fahrern

Neben der Problematik des illegalen Verbringens der wöchentlichen Ruhezeit von 45 Stunden im Lkw-Führerhauses auf ASFINAG Parkplätzen, sei dies ein zweites hochrangiges Problem, so Gurgiser. "Nicht die Fahrer sind in diesem Fall zur Verantwortung zu ziehen, sondern diejenigen, die ihnen das ermöglichen (die Stadtgemeinde Wörgl) und diejenigen, die sie dazu zwingen, fernab ihres Firmenstandortes irgendwo im Osten, sich selbst wochen- und monatelang um das zu kümmern, was für uns alle eine Selbstverständlichkeit ist: Ruhe, Erholung, sanitäre Anlagen, eine 'xunde Ernährung' und ein intaktes Familienleben.", so Gurgiser.
Von den Fahrern werde einerseits eine Top-Leistung gefordert, andererseits bekommen sie niederste Bruttolöhne und daher kaum Pensionsbeiträge. Stattdessen werden ihnen illegale steuerfreie Kilometerprämien geboten, die zum Überschreiten der Lenk- und Ruhezeiten, dem gefährlichsten Delikt für Fahrer und andere Straßenverkehrsteilnehmer, anleiten.

Bereits Thema bei letztem Stadtteilgespräch in Wörgl

Bereits beim letzten Stadtteilgespräch im Oktober war die Problematik für die Wörgler ein Thema. "Anrainer" hatten sich damals über die parkenden LKWs sowie über Verschmutzung durch Gummiteile, Müll sowie auslaufenden Treibstoff und Öl beschwert. "Wir können das in Wörgl nicht mehr lösen. Wir schaffen es alleine einfach nicht mehr", sagte Hedi Wechner damals und verwies auf die Probleme der Polizeibeamten bei der Kontrolle. "Unsere Stadtpolizei ist draußen und es ist auch die Bundespolizei draußen, soweit ich weiß. Selbst wenn man eine Strafe einhebt, steht das in keinem Verhältnis zu der Arbeit der Leute."

Belastungsgrenzen bereits seit 1980er Jahren überschritten

Das Transitforum fordert die Gemeinden entlang der Tiroler Transitrouten (Haupt- wie Nebenrouten) alle Maßnahmen setzen, um die "eklatanten Missstände" zu beseitigen – „nachhaltig und dauerhaft“.
Die Belastungsgrenzen des natürlich begrenzten Lebens- und Wirtschaftsraumes (nur 11,9 % besiedel- und bewirtschaftbare Landesfläche, davon bereits mehr als die Hälfte verbaut und versiegelt) seien seit Mitte der 1980-er Jahre überschritten, wo die ersten Widerstände gegen Luft- und Lärmbelastungen dokumentiert sind.
Zusätzlich seien nahezu der gesamte Nordtiroler Zentralraum sowie Teile des Wipptales seit 1. Oktober 2002 als größtes „belastetes Gebiet (Luft)“ des Binnenmarktes ausgewiesen – nach wie vor Überschreitungen der Jahresmittelwerte bei Stickstoffdioxid zum Schutz der menschlichen Gesundheit um die + 80 % - ein untragbarer, gesetzwidriger Zustand.

Gemeinden müssen dringend Maßnahmen setzten

Die Tiroler Behörden (Land, Bezirkshauptmannschaften) seien, so Gurgiser, dringend gefordert, zusammen mit Polizei, Arbeitsinspektorat, Gemeinden etc. dafür zu sorgen, dass der gesetzliche Zustand hergestellt wird. Das bedeutet kein illegales Verbringen der wöchentlichen Ruhezeiten in Lkw-Fahrerkabinen über 45 Stunden.
Die Behörden müssten darüber hinaus alle Gefahren und Risiken durch parkende Transitlaster auf Umfahrungen oder sonstigen Straßen durch entsprechende Park- und Halteverbote, Rückbauten, technischen Sicherungen, Anbringen von Betonleitwänden etc. minimieren und verhindern.
Das Tiroler Inntal sei ein Lebens- und Wirtschaftsraum und nicht LKW-Transitstellplatz für all jene, die bei uns keine Fahrzeugsteuern (BG, BIH, CZ, EST, H, HR, LT, LV, PL, RO, RUS, SK, SLO etc.) bezahlen und ihre Fahrer zu miesesten Bedingungen als „Transit-Lenkrad-Lohnsklaven“ beschäftigen.

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