09.11.2017, 07:00 Uhr

Kramsacher Loar ist ein Libellen-Hotspot

Zwischen Ende Februar und Mitte April findet immer die große Krötenwanderung statt, deshalb wurden Warnschilder für die Autofahrer aufgestellt. (Foto: Haun)

37 Libellenarten, 252 Schmetterlingsarten, 18 Heuschreckenarten und 211 Gefäßpflanzenarten im Kramsacher Schutzgebiet Loar zu finden.

KRAMSACH (flo). Viele kennen das Naturschutzgebiet Wörgler Filz und einige auch die Söller Wiesen in Kundl, aber nur die Wenigsten kennen das Schutzgebiet Loar in Kramsach. Erstaunlich, wenn man bedenkt, dass die Loar als eine Art Hotspot für Libellen in ganz Mitteleuropa gilt.
Das Gebiet erstreckt sich über rund 5,5 Hektar und befindet sich am westlichen Ende von Kramsach, nördlich des Ortsteils Hagau. "Diese drei Schutzgebiete sind unheimlich wertvoll, da sie die letzten erhaltenen Moorflächen des einstigen Inntal Bodens sind", erklärt Schutzgebietsbetreuer Philipp Larch. Entstanden ist die Loar durch Bergstürze aus einem ehemaligen Altarm des Inn. Zum Schutzgebiet erklärt wurde sie im Jahre 1984. Das Gebiet befindet sich im Privatbesitz und wurde laut Larch sicher schon weit über 30 Jahre lang nicht mehr gemäht.

37 Libellenarten in der Loar

In der Wörgler Filz gibt es beispielsweise neun verschiedene Libellenarten. In der viel weniger bekannten Loar wurden 1993 vom Biologen Alois Ortner 35 verschiedene Libellenarten und im Jahre 2007 sogar unglaubliche 37 Arten dokumentiert. "In ganz Tirol gibt es in keinem Schutzgebiet mehr Libellenarten als in der Loar und sie ist sogar ein Libellen Hotspot im gesamten Mitteleuropa", betont der Schutzgebietsbetreuer. Weiters wurden 1993 insgesamt 233 verschiedene Schmetterlingsarten und 2007 sogar 252 Arten, darunter zahlreiche Tag- und Nachtfalter nachgewiesen.
Derzeit läuft eine erneute Schmetterlings- und Libellenerhebung durch die Biologen Alois Ortner und Kurt Lechner. Kürzlich verrieten sie Schutzgebietsbetreuer Larch, dass heuer auch wieder einige neue Schmetterlingsarten in der Loar nachgewiesen werden konnten. Ihr Endbericht mit allen Details wird ungefähr im Mai 2018 fertig sein. "Mit diesen Ergebnissen werden wir dann die nötigen Pflegemaßnahmen, welche wir allerdings vorher noch mit dem Grundeigentümer absprechen müssen abstimmen", erklärt Larch.

18 Heuschreckenarten und 7 Amphibienarten

Gibt es in der Wörgler Filz beispielsweise neun verschiedene Heuschreckenarten so konnten in der Loar sogar 18 Sorten nachgewiesen werden. Weiters gibt es in ganz Tirol einzig und allein in diesem Schutzgebiet sieben verschiedene Amphibienarten, nämlich die Kröte sowie den Grasfrosch, Wasserfrosch, Laubfrosch, Gelbbauchunke, Bergmolch und Teichmolch. "Besonders der Laubfrosch ist eine Seltenheit und er wurde außer in der Loar in Tirol sonst nur am Lech und auf dem Tratzberg gefunden", sagt Larch. 
Gelbbauchunken sind europaweit streng geschützt und stehen in Österreich, Deutschland und der Schweiz als stark gefährdet auf der roten Liste. Die Amphibien werden nur rund fünf Zentimeter groß, aber bis zu 15 Jahre alt. In der Loar gibt es davon beispielsweise auch viel mehr als in vielen anderen Schutzgebieten und im heurigen Sommer entdeckte Larch einige Gelbbauchunken Familien mit reichlich Nachwuchs.

Krötenwanderung auf der Forststraße im Frühjahr

Von Ende Oktober bis Mitte Mai ist das Sumpfgebiet in der Loar ausgetrocknet und füllt sich dann durch das Schmelzwasser der Berge und das Grundwasser des Inns über den ganzen Sommer wieder auf. "Zwischen Ende Februar und Mitte April findet jährlich die große Krötenwanderung statt und da kann es schon mal vorkommen dass mehr als 300 Kröten an einem Tag auf der Forststraße entlang der Loar anzutreffen sind!" erklärt Larch. Auch Warnschilder, welche extra für die Krötenwanderung entlang der Forststraße angebracht wurden, nützen nicht immer und so werden bedauerlicherweise immer viele Tiere überfahren.
In einem Umkreis von zehn Hektar der Loar konnten 96 Vogelarten nachgewiesen werden. Auch botanisch gesehen ist das Schutzgebiet mit 211 dokumentierten Gefäßpflanzenarten ein wahres Juwel, enthält es doch große Bestände der seltenen Sibirische Schwertlilie sowie des österreichweit geschützten Lungen Enzians. Auch das unglaublich seltene Gottesgnadenkraut konnte tirolweit nur mehr in der Kramsacher Loar nachgewiesen werden konnte. Im vergangenen Jahr wurde es von Larch wieder in der Loar gefunden. Glücklicherweise konnte sich das Springkraut in der Loar nie richtig ausbreiten und seine geringen Bestände wurden immer wieder schnell beseitigt.
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